Goji und Acai im Check Was können die Superbeeren wirklich?

Glaubt man den Versprechen der Werbung, machen Acai- und Goji-Beeren nicht nur gesund, sondern auch schlank und schön. Wie wirken die exotischen Früchte wirklich? Der Check.

Getrocknete Goji-Beeren: Stärken die Früchte das Immunsystem?
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Getrocknete Goji-Beeren: Stärken die Früchte das Immunsystem?


Der Markt der Nahrungsergänzungsmittel und Superfoods boomt. Im Wunsch, das Beste für die eigene Gesundheit in den Einkaufswagen zu legen, schrecken auch hohe Preise nicht immer ab. Ein Kilo getrocknete Goji-Beeren gibt es in Bio-Qualität ab 30 Euro. Auch Acai ist kein Schnäppchen: 100 Gramm Fruchtpulver kosten schon mal 20 Euro. Lohnt sich der finanzielle Einsatz? Ein Lebensmittel-Check.

Was kann die Goji-Beere?

Die Goji-Beere, ein Nachtschattengewächs, wird besonders in China kultiviert. Dabei wächst die Pflanze auch in Deutschland unter dem weniger niedlichen Namen "Gemeiner Bocksdorn". Die roten Beerenfrüchte sind fester Bestandteil der traditionell chinesischen Medizin, sollen stärkend auf Leber, Nieren und die Lebenskraft wirken. Kleinere Studien sagen den Beeren gesundheitliche Wirkungen nach, so sollen sie den Körper vor Krebs schützen und das Immunsystem stärken.

Gerhard Rechkemmer vom Max Rubner-Institut (MRI), dem Bundesforschungsinstitut für Lebensmittel und Ernährung in Karlsruhe winkt ab: "Diese Studien sind nicht haltbar. Es gibt bis dato keine einzige prospektive Untersuchung, die Goji-Beeren eine besondere gesundheitsfördernde Wirkung bescheinigt." Einzig messbar sind die Inhaltsstoffe der Beere, die durchaus eine stattliche Menge antioxidativer Pflanzenstoffe, Aminosäuren und Vitamine mitbringen kann. "Die Nährstoffqualität ist bei den Produkten aber hohen Schwankungen unterworfen", sagt Rechkemmer. "Von einem Superfood würde ich hier deshalb nicht sprechen."

Und die Acai-Beere?

Was in Deutschland unter dem exotischen Namen Acai-Beere verkauft wird, sind die Früchte der südamerikanischen Kohlpalme. In Südamerika sind die Früchte und Palmherzen der Kohlpalme ein weit verbreitetes Nahrungsmittel. In Amerika boomte Acai als Schlankheitsmittel, nachdem diverse Hollywoodstars über Abnehmerfolge mit der Beere berichteten.

"Auch hierfür gibt es keinerlei wissenschaftliche Belege", sagt Rechkemmer. Im Gegenteil: "Die Beeren haben einen relativ hohen Zucker- und Kaloriengehalt und tragen daher bei intensivem Verzehr eher nicht zu einer Diät bei." Durch den hohen Fruchtzuckergehalt könnten die Beeren eine abführende Wirkung haben, warnt der Experte. "Für Menschen mit Fructose-Unverträglichkeit ist die Acai-Beere überhaupt nicht empfehlenswert."

Und was ist mit den anderen gesundheitlichen Vorteilen durch Vitamine, Antioxidantien und Mineralien? Rechkemmer relativiert: "Die Acai nimmt laut unseren Untersuchungen unter anderen Obst - und Gemüsesorten keine Sonderstellung ein."

Der Exotenbonus

Es scheint so ähnlich wie bei Chia zu sein: Im Wunsch, sich etwas Spezielles zu gönnen, überzeugen Lebensmittel mit dem Exoten-Bonus. "Die Lebensmittel kommen von weit her, sind teuer - da haben viele Verbraucher das Gefühl, etwas Gutes in der Hand zu haben", sagt Rechkemmer.

Und ganz falsch liegen sie damit auch nicht, sagt Diplom-Ökotrophologin Inga Pfannebecker: "Goji und Acai liefern auf jeden Fall viele wertvolle Nährstoffe, man sollte nur nicht glauben, sie seien ein Wundermittel." Pfannebecker, die als Fachbuchautorin für Ernährungsthemen tätig ist, findet es auch problematisch, dass es noch keine eindeutigen Belege für die sogenannten Superfoods gibt. Sie sieht die exotischen Beeren trotzdem als gesunde Ergänzung zu einem ausgewogenen Speiseplan: "Sie bringen einen tollen und neuen Geschmack mit und sorgen für Abwechslung."

Beide Beeren könnten in getrockneter Form wie Rosinen verwendet werden, fürs Müsli, in Kuchen oder Gebäck. "Man kann sie auch einweichen, pürieren und zu Quark oder Joghurt essen." In pulverisierter Form können sie löffelweise zu Smoothies und Joghurtgetränken gemischt werden. "Acai haben ein schokoladiges Aroma und können damit auch herzhaften Soßen das gewisse Extra geben", sagt Pfannebecker.

Heimische Beeren ziehen gleich

Dass Acai und Goji als Besonderheiten gehandelt werden, heimische oder europäische Beeren aber nicht, halten beide Experten für falsch. Ob Heidelbeere, Himbeere, Brombeere, Schwarze Johannisbeere oder Sanddorn: "Jede Beere hat vielfältige ernährungsphysiologische Vorteile", sagt Rechkemmer, der Verbrauchern rät, möglichst häufig zu Beeren zu greifen, die aus Deutschland und Europa stammen. "Die exotischen Beeren kommen aus Ländern wie China und Brasilien, in denen nicht die gleichen hygienischen Vorgaben gelten, wie bei uns."

Bei der Lagerung und Trocknung der Beeren könnten sich Schimmelpilze und andere mikrobielle Belastungen bilden, warnt der Experte. Das gleiche Risiko gelte auch bei gefrorenen Beeren oder Pulverextrakten aus dem Ausland. "Frische Beeren sind diesen immer vorzuziehen", meint Rechkemmer. Auch Inga Pfannebecker empfiehlt, sich Hersteller und Herkunft genau anzuschauen und auf Bio- und Fairtrade-Siegel zu achten.

Zur Autorin
  • Bettina Levecke
    Bettina Levecke ist freie Journalistin und schreibt über Familien- und Gesundheits­themen.
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windpillow 26.12.2015
1. Kommt aus China
Selbst die Bio-Goji-Beeren waren in verschiedenen Tests (Markt/Wieso etc.) derart mit Pestiziden belastet, daß es schon gefährlich ist mehrere, oder täglich einige von ihnen zu essen.
RudiLeuchtenbrink 26.12.2015
2. sehr guter Beitrag,
ich baue viele Beeren im Garten an. was mir an Goji Beeren gefiel, sie schmeckten wesentlich besser als ihr Ruf.
windpillow 26.12.2015
3. Guten Appetit
Goji-Beeren aus China waren im -Markt-Test- (TV) derart hoch mit Pestiziden belastet, daß es fast lebensgefährlich ist, mehrere von ihnen zu essen.
emeticart 26.12.2015
4. Komischerweise, ...
... wusste ich schon beim lesen der Überschrift die Antwort. Habe ich etwa hellseherische Fähigkeiten!? In der deutschen Sprache, gibt es so schöne Sprichwörter, wie "alle Tage, eine neue Sau (Beere/Frucht/Superfood) durchs Dorf treiben" oder so ...! MfG
geotie 26.12.2015
5. Das nennt man Leben
Ich war vor einiger Zeit in Fortaleza und bekam im Eisladen ein Acai-Eis vorgesetzt. Danach wusste ich, war man bei dieser Beere abnimmt. ES SCHMECKT NICHT! Später bei einem Familientreffen, wurde eine Flasche mit dem Acai-Saft rumgereicht. Die einzige Person, die etwas davon nahm, war meine Reisebegleitung. Alle anderen Personen, auch ich, reichten die Flasche weiter. Als ich fragte, warum die Beere so gut ist, wurde diese in den höchsten Tönen gelobt. Ich verzichte lieber auf angebliche Schönheit, die Gesundheit und was die Beere nicht alles bewirken soll, und sterbe meinetwegen etwas früher, aber dafür esse und trinke ich was mir schmeckt!
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