Achilles' Ferse Rumpf ist Trumpf

Kein Sport ist so simpel wie das Laufen. Dennoch wird Freizeitsportlern regelmäßig gesagt: Ihr lauft falsch! Achim-Achilles.de stellt zwei neue Laufschulen vor, die in diesem Sommer besseres Laufen versprechen: Chi-Running und Rückwärtslaufen.

Retrorunner Achim Aretz: Der Halbmarathon-Weltmeister im Rückwärtslaufen beim Rennen in Hamburg
DPA

Retrorunner Achim Aretz: Der Halbmarathon-Weltmeister im Rückwärtslaufen beim Rennen in Hamburg

Von Frank Joung


Chi-Running

Wie funktioniert's?

Das Motto des Chi-Running klingt simpel: "Laufe wie ein Kind". Laut Danny Dreyer, amerikanischer Lauftrainer und Chi-Running-Erfinder, beherrschen kleine Kinder die perfekte Lauftechnik, mit fließenden und mühelosen Bewegungen. Locker, effizient, mit Freude. Die meisten Erwachsenen hätten dies hingegen längst verlernt. "Beim Chi-Running lernt man nicht nur, wie man effizient und schonend läuft, sondern auch, wie man richtig steht und geht", sagt Chi-Running-Experte Purna-Samarpan Querhammer zu SPIEGEL ONLINE. Beim Chi-Running geht es darum, die eigene Mitte, das "Chi", wiederzufinden und aus der Mitte heraus gelenkschonend und entspannt zu laufen. Chi-Running bedient sich dabei der Prinzipien von Tai-Chi, Yoga und Pilates: Rumpf ist Trumpf. "Man lernt, eine aufrechte Haltung anzunehmen und aufmerksamer mit seinem Körper umzugehen", sagt Purna-Samarpan Querhammer.

Was bringt's?

Wer ein Chi-Runner werden will, möchte von dem Versprechen profitieren, auch im hohen Alter noch beschwerdefrei, zufrieden und effizient laufen zu können. Entscheidend ist die innere Haltung, Entspannung als Anspannung. Ein Nachteil für viele: Der Weg bis zur richtigen Haltung, Atem- und Lauftechnik ist weit, der Fortschritt kommt nur allmählich. Manchen stört auch der esoterisch angehauchte Ansatz.

Wer macht's?

Danny Dreyer ist gelernter Holztechniker, Ultra-Marathonläufer und Lauftrainer. Der US-Amerikaner ist der Guru des Chi-Running. In Deutschland gibt es bislang nur einige wenige zertifizierte deutsche "Instruktoren", die sanfte Lauftechnik in Seminaren lehren, etwa wie man sich wie "eine in Watte gehüllte Nadel" ausrichtet. Die Laufschule will mehr sein als ein profanes Sportseminar: Denn wer seine innere (Körper-)Haltung ändert, so die Chi-Running-Philosophie, der denkt automatisch auch über seine Einstellung zum Leben nach.

Buchtipp: Danny Dreyer: ChiRunning - Die sanfte Revolution der Laufschule. Covadonga, 14,80€

Retrorunning/Rückwärtslaufen

Wie funktioniert's?

Retrorunning bedarf zunächst keiner weiteren Erklärung, man läuft eben rückwärts. Was in der Theorie leicht klingt, stellt sich in der Praxis aber schwieriger dar, als gedacht. Der Läufer hat einen entscheidenden Nachteil: Er sieht zwar, wer hinter ihm kommt, aber nicht, was vor ihm liegt. Deshalb sollte man erst einmal auf einer Wiese oder einer Tartanbahn üben. Fortgeschrittene laufen gemischt und lassen sich von einem Vorwärtsläufer den Weg zeigen.

Was bringt's?

Der Perspektivwechsel tut jedem Läufer gut - auch aus medizinischer Sicht. Die Knie werden entlastet, Hüft-, Wirbelsäulen- und die hintere Oberschenkelmuskulatur werden gestärkt. Vor allem für Menschen, die viel sitzen, ist Retrorunning eine Wohltat für die muskulär unterbelasteten Körperpartien. Ambitionierte Läufer nutzen das Rückwärtslaufen auch, um Lauftechnik und Schnelligkeit zu verbessern. "Retrorunning nutzt mir vor allem als Verletzungsprophylaxe, da es andere Muskelgruppen trainiert als beim Vorwärtslaufen", sagt Thomas Dold, fünfmaliger Weltrekordler im Retrorunning und der beste Treppenläufer der Welt, zu SPIEGEL ONLINE.

Wer macht's?

Die Deutschen dominieren den Wettkampfsport Retrorunning und räumen bei Weltmeisterschaften die Titel ab. Roland Wegner ist der bekannteste Botschafter der Rückwärts-Bewegung. Der ehemalige Leichtathlet hält den 100-Meter-Weltrekord (13,6 Sek). Über lange Distanzen ist Achim Aretz der Beste, er läuft Halbmarathons und Marathons komplett rückwärts. Ansonsten ist Retrorunning eine willkommene sportliche Abwechslung für Büromenschen und Leistungssportler aus anderen Disziplinen wie Handball, Fußball oder Basketball. "Rückwärtslaufen hat für jeden Läufer einen Mehrwert. Aber man darf es nicht unterschätzen und sollte in homöopathischen Dosen anfangen, dann langsam steigern, sonst wird man schnell von Muskelkater geplagt", rät Thomas Dold.

Buchtipp: Roland Wegner: Retrorunning: Rückwärts zu neuen Zielen. Spomedis, 16,95€

insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
rakatak 16.08.2012
1.
Zitat von sysopDPAKein Sport ist so simpel wie das Laufen. Dennoch wird Freizeitsportlern regelmäßig gesagt: Ihr lauft falsch! Achim-Achilles.de stellt zwei neue Laufschulen vor, die in diesem Sommer besseres Laufen versprechen: Chi-Running und Rückwärtslaufen. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/0,1518,849970,00.html
Empfohlen vom 'Ministry of Silly Walks' ... ;o) >>> Ministry of Silly Walks - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=IqhlQfXUk7w)
Centurio X 16.08.2012
2. Laufen im eigenen Wohlfühlbereich
Wer wirklich sich seine Freude am Laufen bis ins hohe Alter bewahren will, sollte vor allem sich nicht zum Knecht von Trainingsplänen machen und am besten ganz ohne Uhr laufen. Was wirklich zählt ist der freudige Moment während des Laufens, in dem man feststellt, daß man auf einer Wolke des Glücks vor sich herschwebt. Im Läuferjargon wird dieses Erlebnis auch als "runners high" bezeichnet. Als Temposklave hat man allerdings gar nicht oder sehr selten die Möglichkeit, hier mitreden zu können. Dafür hat man aber Bestzeiten, für die sich in Wirklichkeit niemand außer einem selbst interessiert... Und wenn dann diese Bestzeiten zwangsläufig durch das Älterwerden ausbleiben, hören viele dann mit dem Laufen auf... Eine interessante Alternative dazu gibt es hier= http://www.sesterheim-gmbh.de/flyer.htm
skade 16.08.2012
3.
Zitat von Centurio XWer wirklich sich seine Freude am Laufen bis ins hohe Alter bewahren will, sollte vor allem sich nicht zum Knecht von Trainingsplänen machen und am besten ganz ohne Uhr laufen. Was wirklich zählt ist der freudige Moment während des Laufens, in dem man feststellt, daß man auf einer Wolke des Glücks vor sich herschwebt. Im Läuferjargon wird dieses Erlebnis auch als "runners high" bezeichnet. Als Temposklave hat man allerdings gar nicht oder sehr selten die Möglichkeit, hier mitreden zu können. Dafür hat man aber Bestzeiten, für die sich in Wirklichkeit niemand außer einem selbst interessiert... Und wenn dann diese Bestzeiten zwangsläufig durch das Älterwerden ausbleiben, hören viele dann mit dem Laufen auf... Eine interessante Alternative dazu gibt es hier= http://www.sesterheim-gmbh.de/flyer.htm
Interessanter Ansatz der mich zum Nachdenken anregt, da ich auch zu sehr auf die Zeit achte. Andererseits ist es doch ein gewisser Ansporn bzw. spannender Reiz, der das Laufen etwas aus seiner Langeweile befreit.
mm71 16.08.2012
4.
Zitat von Centurio XWer wirklich sich seine Freude am Laufen bis ins hohe Alter bewahren will, sollte vor allem sich nicht zum Knecht von Trainingsplänen machen und am besten ganz ohne Uhr laufen. Was wirklich zählt ist der freudige Moment während des Laufens, in dem man feststellt, daß man auf einer Wolke des Glücks vor sich herschwebt. Im Läuferjargon wird dieses Erlebnis auch als "runners high" bezeichnet. Als Temposklave hat man allerdings gar nicht oder sehr selten die Möglichkeit, hier mitreden zu können. Dafür hat man aber Bestzeiten, für die sich in Wirklichkeit niemand außer einem selbst interessiert... Und wenn dann diese Bestzeiten zwangsläufig durch das Älterwerden ausbleiben, hören viele dann mit dem Laufen auf... Eine interessante Alternative dazu gibt es hier= http://www.sesterheim-gmbh.de/flyer.htm
Warum müssen denn immer solche Regeln für alle herausposaunt werden? Woher wollen Sie überhaupt wissen, was z.B. für mich "wirklich zählt"? Ist es denn so schwer vorstellbar, dass unterschiedliche Menschen da unterschiedliche Ziele und herangehensweisen haben? Oder wollten Sie einfach nur Werbung für Ihren Link machen?
mr.ious 16.08.2012
5.
Zitat von mm71Warum müssen denn immer solche Regeln für alle herausposaunt werden? Woher wollen Sie überhaupt wissen, was z.B. für mich "wirklich zählt"? Ist es denn so schwer vorstellbar, dass unterschiedliche Menschen da unterschiedliche Ziele und herangehensweisen haben? Oder wollten Sie einfach nur Werbung für Ihren Link machen?
Vor allem, wieso sollten Leute da nicht mit reden können die nach Trainigsplan solche angesprochenen "Temposklaven" sind ? Von denen kommen doch die Erkenntnisse drum, genau so wie die um die zeitliche Verschiebung bei verschiedenen Traingsständen und Fitnesszuständen des Betreffenden. Man hat schlicht nichts davon. Wenn man schon mit Traingsplan auf bestimmte Zeiten für einen Laufwettbewerb trainiert, was soll man da mit dem "runners high" im Trainig anfangen ? Nach spätestens 15 Minuten ist es sowieso vorbei. So viel ich weiß kommte es aber bei jeder Ausdauersportart dazu, weil sich da der Stoffwechsel für eine Weile umstellt und dieses "runners high" mehr oder weniger eine angenehme Nebenerscheinung dabei ist. Wenn man nichts darum weiß, ist das einfach "Das Unbeschreibliche" schlechthin, das ja für viele die eigene Begeisterung für einen solchen Sport begründet, die man nicht gut in Worte fassen kann.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.