Achilles' Verse Laben statt darben

Ständig muss sich Achim Achilles die neunmalklugen Ernährungtipps seiner Frau anhören, dabei hält er schon streng Diät. Nachts rächt sich der Verzicht, und der Wunderläufer macht sich auf die Suche nach Essbarem - und macht dabei auch vor tagealten Stullen nicht Halt.

Ironman-Gewinner McCormack: Belohnung nach dem Sieg 2007
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Das Schlimmste an Laufpartnern ist ihr gut gemeintes Halbwissen aus der "Apotheken Umschau". Mit einem Glas Wein in der einen und einem obszön großen Käseklumpen in der anderen Hand erteilt Mona zum Beispiel gern Ratschläge über die Bedeutung des optimalen Wettkampfgewichts. Ich nippe in stillem Zorn am kalorienfreien Eiweiß-Shake mit Leinsamenhaube, wegen der Darmreinigung. Manchmal philosophiert die Gattin auch über den Metabolismus im Athletenleib.

Ich starre derweil auf die Kühlschranktür: Los, öffne dich, und lass Salami-Röschen in meinen Mund fliegen und Erdbeerjoghurt und meinetwegen auch noch den Kohlrabi. Hauptsache alles gleichzeitig. Ich war Treppen trainieren und Mona stolpert bereits mehrfach beim Wort "Metabolismus". Ich verhungere. Alkoholismus bei Sportlergattinnen wäre auch mal ein Thema. Die Frau hat ja keine Ahnung über eine läufergerechte Energiewende: weg vom Darben, hin zum Donut - so sieht's aus.

Das Gewicht kann man auch woanders sparen. Ich werde mir erstens dieses Jahr doch noch eine neue federleichte Rennmaschine zulegen, zweitens die ganz schlanken Ultralight-Schuhe und drittens die Achselhaare epilieren, um die letzten Bremsgramm abzuwerfen. Nun aber kommt Frau Superschlau mit nutzlosem Infotainment aus der Spitzensportforschung. Ob ich denn auch den Nachbrenneffekt verspüre, will meine Frau wissen. Ja, Hase, aber nicht da, wo du denkst.

Gigantischer Kohldampf ab 23 Uhr

Mit den Jahren kennt man jedes leere Versprechen von wegen Wunderweg zum Wettkampfgewicht: Angeblich läuft der Körper nach dem Training noch eine ganze Weile auf Hochtouren weiter und verbrennt dabei Tonnen gebunkerter Kalorien. Das würde das merkwürdige Muskelzucken erklären, das die Nacht über durch meine Waden wütet. Spannende Frage: Wie lange etwa brennt's denn nach? Kann sich jedenfalls nicht um Jahre handeln. Sonst würden sich einstige Mittelklassekräfte nicht nach kurzer Trainingsabstinenz in schwammige Hamstergesichter verwandeln. Der Nachbrenneffekt ist ungefähr so glaubhaft wie "Schlank im Schlaf" oder "Schnell durch Schnitzel" oder "Ausdauer im Auto".

Das Gegenteil ist der Fall. Nach jedem Training verspüre ich den Nachschmachteffekt. Pünktlich um 23 Uhr, sobald die Familie im Bett ist, befällt mich ein gigantischer Kohldampf. Selbst wenn Mona für den Einkauf zuständig war, Karl vom Sport nach Hause kam und mithin nichts Essbares im Haus ist, durchsuche ich die Schränke. Irgendwo findet sich immer eine ungekochte Nudel, ein Stück Würfelzucker, ein Löffelchen Nuss-Nougat-Schokolade.

Neulich habe ich in Hans' Schulbrot-Dose eine halbe Stulle entdeckt, kaum drei Tage alt. Ein Fest der Sinne. Das Schokoladenpuddingpulver aus der alten Blechdose ganz hinten im Schrank ist auch erst seit zweieinhalb Jahren abgelaufen. Mit Magermilch und Rohrzucker ergibt das ein olympiareifes Nachtessen. Dazu werde ich mir eine Multivitamintablette auflösen und mit einem Spritzer Madeira aus dem Kochregal abrunden. Das brennt wirklich nach.

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Seite 1
dreckswerbung73 16.06.2012
1. ....so ist es....
....das mit dem Hunger kann ich nur bestätigen.....mal gut, dass wir keinen Hund haben, sonst wäre auch noch die Chappi-Dose dran....;-)
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