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Achilles' Verse: Wahre Weihnacht

Läufer-Weihnachtsgeschichte: "Fürchtet euch nicht vor den Schmerzen der Tempointervalle" Zur Großansicht
Corbis

Läufer-Weihnachtsgeschichte: "Fürchtet euch nicht vor den Schmerzen der Tempointervalle"

An alle, die diese Jesus-Story immer noch glauben - der Heilige Abend ist in Wirklichkeit das Fest der Läufer. Sporthistoriker Achim Achilles hat die Bibel neu übersetzt und ein paar entscheidende Korrekturen vorgenommen.

Es begab sich zu der Zeit, als ein Gebot vom Kanzleramtsminister ausging, dass sich alle Welt Laufschuhe kaufen möge. Dieses Gebot war vergeblich wie immer, denn die Menschen schlenderten lieber zum Schnellimbiss. Nur wenige Trainingsfleißige wurden immer dünner; so liefen sie täglich im Marathontempo, ein jeglicher in seiner Stadt.

So lief auch Arne in der Stadt Olafs, die da heißt Hamburg, doch Ende Dezember musste er sein Training kurz unterbrechen, denn sein vertrautes Weibe Sabrina, die war schwanger.

Und als sie in Volksdorf noch nach einer Tartanbahn suchten, kam die Zeit, dass Sabrina gebären sollte. Arne war verstimmt, weil er sich an die Empfängnis gar nicht erinnern konnte. Er war doch immer trainieren und nachher zu keinerlei Heldentaten mehr fähig. Sabrina stammelte etwas von "unbefleckter Verwechslung von Heiliger Geist und Peter Greif"; Letzterer ein böser Mann, der viel zu anstrengende Trainingspläne vertickte.

Und Sabrina gebar im säuerlichen Dunst der Umkleidekabine ihren ersten Sohn und wickelte ihn in eines dieser hässlichen Handtücher, die man in Starterbeuteln findet und bettete ihn auf einer Yogamatte, die jeder Läufer immer dabei hat wegen der täglichen Stabilisationsübungen. Ochs und Esel hatten sich zu einer Sitzung des DOSB verabschiedet.

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Achilles' Verse: Die Welt, eine Laufstrecke
Und es waren Hirten auf dem Rasen, die da hüteten ihre Schafe. Der eine hieß Harald und lief jeden Tag zehn Stunden lang immer um die Herde, weil ihm sein Trainer van Aaken das so befohlen hatte. Der zweite hieß Willy und versuchte pausenlos, Schafe mit einem Hechtsprung zu fangen. Der dritte war der Dieter, und der sprach schwäbisch. Und siehe, zwei Engel traten zu ihnen, die hatten Startnummern, auf denen "Lisa" und "Anna" stand.

Begrüßt den kleinen Achim!

Und die Engel sprachen: "Fürchtet euch nicht vor den Schmerzen der Tempointervalle, sondern rennet hin zur Umkleidekabine, haltet die Luft an und begrüßt den kleinen Achim, der gerade geboren wurde. Er ist dick und hässlich und wird garantiert kein Heiland, aber vielleicht ein großer Läufer."

Und die Hirten rannten los, nur der Harald nicht, der weiter im Kreis laufen wollte. Mit einem Hechtsprung war der Willy knapp vor Dieter in der Kabine. Die drei Heiligen Könige, am Vortag aus Kenia, Äthiopien und Eritrea gekommen, waren schon wieder verschwunden. Sie hatten gar heftig gelacht über das dicke Kind, ihre Geschenke (Kompressionsstrümpfe, Aminosäuren, Smoothieschleuder) gleich wieder eingepackt und wollten nicht glauben, dass dieser Klops eines Tages Olympiasieger würde. Arne war gleich mitgelaufen, weil ihn der Trubel um das Baby nervte.

Die Hirten waren auch nicht sonderlich angetan von dem Kinde und zürnten den Engeln, die zwar blond gewesen waren, aber "Heiland" und "Unheil" nicht unterscheiden konnten.

Mutter Sabrina aber sagte, dass der Kleine eines Tages Wunder vollbringen würde.

Sie sollte Recht behalten. Achim konnte Brot vermehren, was in Zeiten von Low-Carb aber leider eine überschätzte Fähigkeit ist. Fisch klappte nicht. Dafür konnte Achim über Wasser laufen, jedenfalls im Flachen. Dummerweise aber war der Triathlon noch nicht erfunden und das Rennrad auch nicht. So wurde es nichts mit Olympia und Achim ist bis heute ein höchst mittelmäßiger Freizeitjogger geblieben. Dafür isst er gerade rund um seinen Geburtstag immer noch gern sehr viel mehr Marzipan als er sollte. Frohes Fest.


Und dann schrieb der mittelmäßige Achim auch noch ein E-Book: Laufen und Lust - in zehn Schritten zu mehr Spaß am Leben (E-Book von Achim Achilles).

ZUR PERSON
  • Frank Johannes
    Achim Achilles

    Jahrgang 1964. Lebt verheiratet mit einer verständnisvollen Frau in Berlin, läuft aber überall, wo es wehtut. Motto des Wunderathleten und Kolumnisten: "Qualität kommt von Qual." Dabei ist es dem Vater eines lauffaulen Jungen egal, dass er trotz intensiven Trainings kaum von der Stelle kommt. Für ihn ist der Weg das Ziel. Seine Lieblingsfeinde auf dem Weg zum Ziel sind Walker und andere Pseudosportler.

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