Fahrradhelm-Kauf Niedlich, albern oder unsichtbar?

Nach ihrem Fahrradunfall kommt Anna Achilles ins Grübeln. Sollte sie sich einen Helm zulegen? Und welchen? Jedes Modell kommt einer ästhetischen Beleidigung gleich. Und die Frisur wird auch nicht fluffiger.

Style oder Sicherheit?
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Style oder Sicherheit?


Schon klar, beim Helm geht's zuerst um Sicherheit - und erst sehr viel später um Optik. Trotzdem kapiere ich eines nicht: Warum ist es so schwierig, einen halbwegs ansehnlichen Radhelm zu gestalten?

Wieso tragen 75 Prozent der Skifahrer einen Helm? Aber nur 15 Prozent der Radfahrer? Auch wenn die Einführung einer Helmpflicht umstritten ist - Experten sind sich einig, dass bei einem Sturz auf den Kopf ein Helm Leben retten kann. Selbst mein altersirrer Onkel Achim hatte bei seinen letzten drei Stürzen einen Helm auf und war froh darüber. Schlüsselbeine braucht kein Mensch. Schädeldecken schon.

Vor Kurzem bin ich selbst von einem Auto umgenietet worden, obwohl ich auf meinem Rad Vorfahrt hatte. Peng. Zack. Asphalt. So schnell bremst kein Achilles. Helm? Nö. Zum Glück bin ich nicht auf den Kopf gefallen. Ein Wink aus dem Himmel: Anna, kauf dir einen Helm. Nächstes Mal wird die Landung womöglich derber. Und nun? Helm suchen. Eine unlösbare Aufgabe. Denn Sicherheitskugeln gibt es viele. Aber keine macht mich wirklich glücklich. Folgende Modelle habe ich mir übergestülpt.

"Der Klassiker"

Für viele muss es ein typisch deutsches Qualitätsprodukt sein. Weil wir Teutonen ja glauben: Alles, was schick aussieht, kommt aus Italien, ist aber leider mit funktionalen Einschränkungen versehen. Also lieber VW als Alfa. Und lieber Doofkopphelm statt Edelhaube. Nur was beschissen aussieht, schützt richtig.

Die Form ist ausschließlich auf Jungs zugeschnitten: Kanten als Zeichen von Männlichkeit, Dynamik und Ehrgeiz, aber auch Individualität. Übersetzung der Formsprache: Ich bin so scharf wie ein Golf Diesel und natürlich wahnsinnig vernünftig. Deswegen hat mein Helm auch so tolle Belüftungsschlitze, in denen sich übrigens auch massig Fliegen sammeln oder anderer Großstadtunrat.

Wer ihn tragen kann: Jan Ullrich, Fahrradkuriere, Günther Jauch.

Peinlichkeitsfaktor: 40 Prozent


Skater-Helm a.D.: Gibt es auch mit Wassermelonenoptik
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Skater-Helm a.D.: Gibt es auch mit Wassermelonenoptik

"Der Alberne"

War ursprünglich ein Skater-Helm. Für Radfahrer wurde der Helm optimiert: Ein paar Löcher sorgen für Luft, gerade auf längeren Strecken ein Überlebensdetail. Die Plastikschale ist in unzähligen Farben und Mustern erhältlich, die alle eines gemeinsam haben: irre lustig - so gibt es etwa auch Modelle in Wassermelonenoptik. Weitere Designvorschläge: Kohlkopf, Maulwurf, Hinterteil.

Wer ihn tragen kann: Mario Barth, Leute, die Bierbikes lustig finden, praktisch alle Tätowierten.

Peinlichkeitsfaktor: 85 Prozent


Hut mit Hartschale: Der Gentleman unter den Helmen
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Hut mit Hartschale: Der Gentleman unter den Helmen

"Der Gemütliche"

Dieser Helm tarnt sich als Hut: außen Gentleman, innen Hartschale. Er passt eher zu City-Bike mit Einkaufskorb als Rennrad mit Klickpedalen. Ein Helm für gemütliche Fahrer, die Tweed-Sakko tragen, für Style-Fans und alle, die hämische Blicke an der roten Ampel als Kompliment verstehen. Solche Helme brauchen halt Selbstbewusstsein. Je nach Wetterlage kann die Optik gegen Sonnenhut, Basecap oder Wollmütze mit Bommel getauscht werden. Einschränkung: Die Dämpfungsschicht ist dünner als bei anderen Helmen. Daher schützt der Hut-Helm nicht ganz so gut und gilt laut EU-Norm nicht als amtlicher Schutzhelm. Halt nur was für echte Gentlemen.

Wer ihn tragen kann: Prince Charles, Karl Lagerfeld, Sherlock Holmes

Peinlichkeitsfaktor: 60 Prozent


Mädchen im Pferdestall: Radhelm, der an eine Reitkappe erinnert
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Mädchen im Pferdestall: Radhelm, der an eine Reitkappe erinnert

"Der Niedliche"

Das Mädchen unter den Fahrradhelmen, passend für alle Pferdefans: Optisch erinnert er an eine Reitkappe, bietet Platz für Pferdeschwänze und schützt selbst Pony-Trägerinnen bei Starkregen. Dafür sorgt der breite Schirm. Durch seine Frisurenfreundlichkeit ist die Dressurkappe eine echte Alternative. Nachteil: Kaum Belüftung. Lange Strecken sollte man im Hochsommer also vermeiden. Die Frisur wäre ruiniert. Oder richtig schön wild.

Peinlichkeitsfaktor: 50 Prozent

Wer ihn tragen kann: Kate Middleton, Andrea Nahles, Bibi Blocksberg (und Tina)


"Der Pompöse"

Die Mini-Quadrate sind Spiegelmosaike und verwandeln den Helm in eine mobile Discokugel. Damit fährt man atemlos durch die Nacht. Mit ein wenig Bastelwut ist der Helm ganz leicht selbst zu gestalten: Spiegelmosaike gibt's als selbstklebende Folie.

Eine nachhaltige Weiterentwicklung wäre die integrierte Photovoltaik-Anlage. Tagsüber strampeln für Strom, abends mit der Elektrik den Ghettoblaster bedienen - bis die Wolken wieder lila sind.

Wer ihn tragen kann: Helene Fischer, Guido Maria Kretschmer, Marteria, Harald Glööckler.

Peinlichkeitsfaktor: von 0 bis 100, je nach Träger.


Unsichtbarer Helm: Airbag bei Sturz
Hövding/ Foto: Niklas Carlsson

Unsichtbarer Helm: Airbag bei Sturz

"Der Unsichtbare"

Für die ganz Eitlen: Der versteckte Helm. Im ursprünglichen Zustand sieht er aus wie eine Halskrause, ist - mit fast einem Kilo Gewicht - nur ein wenig schwerer. Im Kragen befinden sich Sensoren, die auf abnorme Bewegungen reagieren und das Ding wie einen Airbag auslösen. Innerhalb einer Zehntelsekunde sind Kopf und Nacken umschlossen. Was nach Trockenhaube aussieht, soll extrem gut schützen. Einmal ausgelöst, ist die Haube allerdings reif für den Recyclinghof. Jeder andere Helm aber auch.

Wer ihn tragen kann: Markus Schenkenberg, Karl Lagerfeld, Claudia Schiffer, Achim Achilles und alle anderen Freaks, die für einen Helm 300 Euro ausgeben.

Peinlichkeitsfaktor: 10 Prozent

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 78 Beiträge
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hansmaus 06.01.2015
1. Stahlhelm!
Frau Achilles sie haben Militärhelme vergessen :) Einen NVA Stahlhelm bekommt man aufm Flohmarkt für 5€ schützt und macht optisch was her, wenns leichter sein soll dann einen MICH der Amerikaner oder das aktuelle BW Modell :) Sieht martialisch aus und ist was für harte Mädchen (oder Jungs)
Amadís 06.01.2015
2.
Vielleicht sollte Annas "altersirrer Onkel Achilles" seinen Fahrstil überdenken. ;-) Meine letzten drei Stürze verteilen sich über zwei Jahrzehnte, und sind nicht unmaßgeblich durch unterschiedliche Anteile von a) Alkohol, b) Glatteis und c) jugendlichem Leichtsinn herbeigeführt worden. Die einzige Kopfverletzung die ich dabei davongetragen habe, waren die Kratzer von der Dornenhecke, in der ich gelandet bin. Aber, liebe Anna, watt willst Du uns jetzt eigentlich mitteilen? Ein Beitrag über Sinn und Unsinn des Fahrradhelms, bzw. des angeblich vorhandenen oder angeblich nicht vorhandenen Nutzens dieser Plastikschalen, wäre wesentlich interessanter gewesen. Und das Forum viel unterhaltsamer...
rot 06.01.2015
3. Wieder ein Lobbyist
Schon wieder ein Fahrrad-Helm-Lobbyist. Man kann es nicht oft genug sagen: Wer einen Helm tragen will soll das doch tun,- und die Andern ganz einfach in Ruhe lassen. Im übrigen sind Fußgänger die Gruppe, die wirklich einen Helm ,- am besten ein ganze Rüstung, tragen sollten (sieh Webseiten von www.destatis.de), vermutlich weil sie so schnelle sind! Ich persönlich verzichte auf den Helm, weil einer meiner Verwandten durch den Helm-Hinterrand der Schädel säuberlich von der Wirbelsäule abgequetscht wurde. Die eigentlich Todesursache war jedoch Hirnlosigkeit des beteiligten Autofahrers, weder der Helm noch das Fahrrad. Man kann jetzt sagen selten und persönliches Pech, aber es sprich noch weitaus mehr gegen den Helm. Das Schwitzen im Sommer sorgt für eine ständig beschlagene Brille und verklebte Haare weil, anders als beim Motorrad, der Windstrom zu langsam ist und körperliche Anstrengung schweißtreibend wirkt. Viele Helme lassen die Ohren nicht frei und behindern den wichtigsten Alarmmechanismus, nämlich das Hören. Die allermeist sind ihr Geld nicht Wert, weil ein Maipreis für ein bisschen Plastik mit fast keinen Schutz verlangt wird. Ein Radfahrer der mit 50kmh von einem Auto gerammt wird ist, tot ob mit oder ohne Helm (ein Fußgänger übrigens auch).
zinobln 06.01.2015
4. radfahren...
ist schön, gesund und nebenbei kommt frau/mann in berlin schneller an das ziel. bevor allerdings radfahrer/innen über die sinnhaftigkeit und anschaffung eines wohlgeformten helms nachdenken sollten würde ich diesen raten, erst einmal das radfahren zu lernen. was ich hier in berlin an möchtegernsuperradfahrer/innen zu sehen bekomme, läßt fast nur den einen schluss zu...radfahren können die nicht. ausgenommen davon sind radkuriere und ehemalige rennfahrer...so wie ich einer war. mütter mit ihren kindern auf dem sicheren kindersitz und nat. mit helm, fahren bei rot über die kreuzung...keine ahnung ob sie sich dabei auf ihren helm verlassen oder auf höheren beistand hoffen. fixiefahrende anfänger oder auch vollpfosten, die nur eins im geschüzten kopf haben...möglichst cool zu sein. was ein fixie mit einem ahnungslosen fahrer bei einer notwendigen vollbremsung machen kann, wissen diese coolen nicht. auch hier nehme ich ganz bewußt die radkuriere raus. die wissen uind können es. ein auto/lkw ist immer härter als der mensch auf dem rad und eine rote ampel ist eine rote ampel...ob mit helm oder ohne. zum schluss noch einen satz: das radfahren und das singen, kann man nicht erzwingen. (alte rennfahrer weisheit)
3-plus-1 06.01.2015
5. Fahrradhelm? NEIN!
Ich argumentiere sehr vehement GEGEN Fahrradhelme, weil ich eine Pflicht befürchte, die dann wirklich in jeder Beziehung unangenehm wäre (außer für Radfahrerhasser). Darum kurz abgerissen die wichtigsten Kritikpunkte, immer verglichen mit Helmen, die ihre Schutzfunktion erwiesen haben: Integralhelme für Motorradfahrer. Fragen wir uns zuerst wogegen ein Motorradhelm schützt. Gegen heftige Schlage? Kaum, denn der Schädel ist hart aber die Wirbelsäule macht nicht viel mit und schnell macht man den Alexander Koch. Warum trägt man dann aucf dem Motorrad besser einen Helm? Weil man da sehr schnell, teilweise über 300 km/h, unterwegs ist. Wer in der Geschwindigkeit stürzt und nicht gegen einen Baum knallt (da hilft kein Helm!) baut die Geschwindigkeit schliddernd auf dem Asphalt ab. Die Energie nimmt die Lederkleidung auf und der Helm ist hinten rund und gleitet über den Asphalt ohne sich zu verhaken. Das entlastet die Wirbelsäule. Hier sind wir beim wichtigsten Kritikpunkt an den üblichen Fahrradhelmen: Die haben hinten zerklüftete Bürzel, die sich im Falle eines Sturzes gerne im Boden vehaken. Also, wenn schon Helm auf dem Rad - weil ihr Downhill fahrt, dann besser mit Helmen von Trialfahrern! Dann bedenkt mal wie schnell Radwanderer fahren. Vielleicht 15 km/h. Das ist die gleiche Geschwindigkeit, die ein Fußgänger erreicht, der hinter dem Bus herläuft. Militante Helmbeführworter wollen sogar das mögliche Umfallen im Stand auf dem Rad als Notwendigkeit zur Helmpflicht herbeireden. Da wird's dann aber absurt, denn hier ist das Risiko völlig gleich dem eines Fußgängers. Also bitte, lasst euch nicht kirre machen. Alles was Menschen das Fahrradfahren vergällt, ist sowohl für die Umwelt, die Parksitiuation in der Stadt aber auch für die eigene Gesundheit schädlich, denmn Menschen sterben an Herz-Kreislauf-Krankheiten und nicht auf dem Rad und wenn auf dem Rad, dann unter dem abbiegenden LKW, wo auch ein Motorradhelm nichts nützen würde.
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