Sportausreden Ich laufe morgen, ganz bestimmt

Knieschmerzen, schlechtes Wetter, die GPS-Uhr ist leer: Anna Achilles ist ehrgeizig - zumindest, wenn es darum geht, Ausreden fürs Laufen zu finden. Doch zum Glück gibt es Tricks, um sich selbst zu überlisten.

Laufen im Winter: Die Witterung als Gegner sehen
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Laufen im Winter: Die Witterung als Gegner sehen


Die Aufschieb-Ausrede: Ich laufe morgen.

Begründung: Abends nach der Arbeit habe ich keine Lust auf Sport. Ich bin zu müde. Vor allem im Winter, wenn es dunkel ist. Mein schlechtes Gewissen ist groß, aber ich kann mich nicht aufraffen. Mein Laufvorhaben schiebe ich lieber auf morgen, vor der Arbeit. Dann aber wirklich.

Problem: Die Mach-ich-morgen-Taktik funktioniert nicht. Für den morgendlichen Lauf müsste ich um 6.30 Uhr mein warmes Bett verlassen, um in die vernebelte Kälte zu stapfen. Hinzu kommt mein größter Gegner: der Schlummermodus des Weckers.

Lösung: Entscheidend ist nicht der Lauf, sondern die Vorbereitung. Der Morgenlauf klappt, wenn man darauf eingestellt ist, dass man schwach sein wird. Der Trick: Ich ziehe meine Laufklamotten schon am Abend vorher an. Sport-BH, Laufshirt und Hose werden zum Schlafanzug. Kein Witz. Am nächsten Morgen muss ich nur aufstehen, in Socken, Schuhe, Jacke schlüpfen - und losrennen.

Warum das funktioniert? Weil ich den ersten - und bekanntlich schwersten - Schritt bereits getan habe. Ich stecke schon in meinen Laufklamotten. Am Morgen weiß mein Körper intuitiv, was ansteht. Er beschwert sich nicht. Er macht einfach.


Die Jammer-Ausrede: Es ist zu heiß, zu kalt, zu regnerisch, zu windig ...

Begründung: Je nachdem, welches Adjektiv ich oben eingesetzt habe, passe ich die Begründung entsprechend an. Minusgrade sind schädlich für die Bronchien. Ein Sonnenstich kann fatale Folgen haben. Regen fördert die Erkältung, die sich gerade anbahnt. Wenn man das Wetter doch endlich als offizielle Krankheit anerkennen würde.

Problem: Wetter ist immer da.

Lösung: Die Witterung als Gegner sehen. Schönwetter kann jeder. Aber je kälter und ekliger es draußen ist, umso besser. Ich mag den sportlichen Wettkampf. Das Duell. Statt Frau gegen Frau, Frau gegen Wetter. Wann sonst hat man beim Laufen schon mal einen direkten Rivalen? Wettergott! Schneewehen und eiskalter Ostwind - ist das alles, was du hast?!

Eingemummt in Schal und Fleece-Jacke spüre ich das Abenteuer bis tief in meine eingefrorenen Zehen. Ich laufe nicht schnell. Aber ich bin draußen. Ich trotze der Natur. Ich bin die Siegerin in diesem Zweikampf. Das Beste kommt zum Schluss: die heiße Dusche. Das Gefühl, wenn warmes Wasser die eingefrorenen Muskeln auftaut und die Haut richtig schön brennt. Das ist wie eine Siegerehrung - und ich ganz oben. Laufen hat viel mit Masochismus zu tun. Genau das ist leider geil.

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Achilles' Verse: Die Welt, eine Laufstrecke

Die Wehwehchen-Ausrede: Ich hab Knie, Rücken, Hüfte ...

Begründung: Ständig verspüre ich irgendwo ein kleines Ziepen. Mal im Knie, mal in der Hüfte. Sofort befürchte ich, dass es eine schlimme Verletzung sein könnte. Also laufe ich lieber nicht. Die Gefahren von Übertraining lauern überall. Man will sich ja die Wettkampfform nicht kaputt machen lassen von zu überzogenem Ehrgeiz

Problem: Natürlich gibt es Verletzungen, bei denen man keinen Sport treiben sollte. Und man soll es bekanntermaßen nicht übertreiben. Aber zum Übertraining gehört, dass man:

1) überhaupt
2) über einen längeren Zeitraum
3) regelmäßig
4) hart
5) zu viel

trainiert. Wenn ich ehrlich bin: Das ist bei mir noch nie vorgekommen.

Lösung: Schmerzen verstehen lernen. Ein Beispiel: Wenn mein rechtes Knie an der Außenseite schmerzt, liegt das nicht am Knie selbst, sondern am Bindegewebe im Oberschenkel, sagt meine Osteopathin. Es sollte eigentlich locker und weich sein. Trainiert man viel, wird es fest - und das Knie kann schmerzen. Meine Geheimübung, um das Bindegewebe zu lockern: Mit den Fingern seitlich in den Oberschenkel drücken, so dass die Haut zusammengequetscht wird. Während der Daumen ruhig liegt, presse ich die restlichen Finger in die Haut und streiche langsam von der Oberschenkel-Unterseite zur Oberseite. Achtung: Das tut höllisch weh. Man startet auf Höhe der Kniekehle und massiert sich hoch bis zur Hüfte. Das lockert das Bindegewebe und beugt Schmerzen beim Laufen vor.


Die Angeber-Ausrede: Meine Laufuhr ist nicht aufgeladen.

Begründung: Meine GPS-Uhr ist meine Lauf-Visitenkarte. Wenn ich sie trage, fühle ich mich wichtig. Mit Uhr werde ich als Läuferin ernst genommen, völlig unabhängig von dem, was ich wirklich leiste. Ohne Uhr fühle ich mich nackt.

Problem: Nur ein aufgezeichnetes Training fühlt sich für mich wie Training an. Obwohl ich immer dieselbe Strecke im selben Tempo laufe.

Lösung: Es ist möglich, ohne Uhr zu laufen. Es gibt da nämlich noch jemanden, der abspeichert, wie ich trainiert habe. Er nennt sich Körper. Zwar postet er nichts auf Facebook, trotzdem merkt er sich alles: gelaufene Kilometer, Geschwindigkeit, Kalorienverbrauch. Er speichert meine Daten so gut ab, dass ich am Ende sogar schneller werde. Das nennt sich dann Trainingseffekt.

Neulich musste ich an meinen ersten Wettkampf denken. Im Oktober 2013 lief ich in Amsterdam als einen Acht-Kilometer-Lauf. Ich war vorher nur ein paar Mal gelaufen. Wirklich trainiert hatte ich nicht. Während des Laufs trug ich keine Uhr, sondern lief einfach nach Gefühl. Am Ende lag meine Zeit knapp unter 45 Minuten. Danach fing ich an, mit Uhr zu laufen. Die Zeit von Amsterdam habe ich selbst mit Training nie mehr wiederholen können. Ich bin überzeugt, dass mich die Uhr beim Laufen hemmt. Ständig sehe ich, wie langsam ich gerade bin. Das frustriert. Viel besser sind Freunde, an die ich mich hängen kann. Sie ziehen mich mit. So werde ich wirklich schneller - und das ohne Frust.

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ZUR PERSON
  • Christine Scholz
    Jahrgang 1987 und Nichte von Achim Achilles. Für den Wunderläufer stellt sie aber keine Konkurrenz dar: Anna ist notorisch trainingsfaul und mindestens so untalentiert wie ihr Onkel. Ihr Motto: Bewegung soll Spaß machen und muss nicht wehtun. Anna lebt in München und macht zurzeit ein Volontariat beim Bayerischen Rundfunk.
  • Anna auf Facebook



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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
bartnelke 22.01.2016
1. SportBH als Schlafanzug
Da läuft man morgens bestimmt ganz schnell die doppelte Strecke um sich bei seinem Körper für die verzwickte Nacht zu entschuldigen, das Frühstück kann man ja auch schon abends essen.
batmanmk 22.01.2016
2. Wow
"Der Trick: Ich ziehe meine Laufklamotten schon am Abend vorher an. Sport-BH, Laufshirt und Hose werden zum Schlafanzug. Kein Witz. Am nächsten Morgen muss ich nur aufstehen, in Socken, Schuhe, Jacke schlüpfen - und losrennen." Also, da bleibt man eigentlich nur sprachlos zurück. Es gibt Momente, das sagt einem Körper als Gesamtsystem (Physis+Psyche), was geht und was nicht. Wenn man derart zwanghaft etwas überwinden muss, dann ist man eher ein Fall für einen Facharzt.
MiguelBln 22.01.2016
3. Meine Motivation
Meine beste Motivation, die bislang immer gewirkt hat: Wenn ich jetzt laufen gehe, dann muss ich morgen nicht laufen.
masirosen 22.01.2016
4. Druck
Druck raus nehmen, man muss nicht in jeder Phase sportlich sein. Dann läufts von alleine... Ich motiviere mich zum Sport mit dem Gedanken daran, wie happy ich danach sein werde. Funktioniert gut.
vaclav.havel 23.01.2016
5.
Guter Artikel, der die Tücken beim Lauftraining und allgemein bei Vorsätzen gut beschreibt. Die ersten beiden Kommentare zeigen, dass diese Leser bisher nichts mit dem Laufen am Hut hatten.
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