Achilles' Verse Nachhilfe beim Laufstil

Laufen ist nicht gleich laufen: Weil Anna Achilles eher trampelt als joggt, bekommt sie Nachhilfeunterricht. Wie ihr Storchengang, Strecklauf und Trippelschritte zu einem effizienteren Laufstil verhelfen sollen.

Anna und Achim im Gleichschritt: Ein guter Laufstil entsteht nicht an einem Tag
Achim Achilles

Anna und Achim im Gleichschritt: Ein guter Laufstil entsteht nicht an einem Tag


"Du läufst wie ein vollgekackter Strumpf." Mein Onkel Achim ist mal wieder in Hochform. Sein neues Lieblingshobby zwischen Triathlon-Wettkämpfen und 1000-Meter-Sprints: dämliche Vergleiche für meinen Laufstil finden. Neulich betitelte er mich als Nashorn - wobei das fast schon ein Kompliment sein könnte. Nashörner sind ja bekanntlich äußerst schnell und gefährlich noch dazu. Vielleicht hat Onkelchen Angst, ich könnte eines Tages doch noch mein Jogging-Talent entfalten und ihn von seinem Laufkönig-Thron schubsen. Aber momentan sieht es nicht danach aus.

Heute ist "Wir-arbeiten-an-unserer-Lauftechnik"-Tag. Laufen ist nämlich nicht gleich laufen. Der Laufstil eines Läufers ist so individuell wie der Fingerabdruck: Der eine macht riesige Schritte, während der andere die Füße kaum hochkriegt. Manche wedeln so stark mit den Armen, als ob sie sich für die Ruder-WM qualifizieren wollen, andere wissen nicht, wohin mit ihren Gliedmaßen.

Wer mit der richtigen Technik läuft, sieht nicht nur besser aus, sondern läuft auch gesünder. Ein effizienter Laufstil beugt Wehwehchen wie Läuferknie oder Achillessehnenreizung vor. Außerdem macht eine gute Technik schneller. Deshalb bekommen Achim und ich Nachhilfeunterricht von zwei Lauftrainern, Patrick und Larissa.

Patrick ist Triathlet. Wenn er läuft, schwebt er mit leichtfüßiger Eleganz über den Boden. Kein Wunder bei geschätzten 50 Kilo Körpergewicht, die Laufschuhe miteingerechnet. Sein mitleidiger Blick, wenn er mir beim Laufen zusieht, ist schlimmer als ein Klugscheißer-Spruch von Achim. Spätestens als Patrick zum dritten Mal "das kriegen wir schon hin" verkündet, weiß ich: Mit meinem Ich-sitz-auf-dem-Klo-Laufstil gehöre ich zu den besonders schwierigen Fällen. Wir starten mit der ersten Übung.

Übung 1: Mit dem Fuß richtig aufsetzen

Pflatsch. Pflatsch. Wenn ich laufe, setze ich mit dem ganzen Fuß auf. Man hört mich deshalb schon von Weitem. Der Vorteil: Touristen auf Segways weichen schnell zur Seite aus, wenn ich angetrampelt komme. "Lauf mal mehr auf dem Mittelfuß, statt mit der Ferse abzurollen", rät Patrick, "dann läufst du nicht nur leiser, sondern auch effizienter". Sein Tipp hilft. Ich fühle mich gleich viel schneller. Sehr gut.

Auch Achim hat gute Laune. Er stolziert auf Zehenspitzen die Straße entlang, als wollte er Germany's Next Laufmodel werden. Am Ende seines Catwalks führt er Larissa seinen brasilianischen Hüftschwung vor. Die lobt seinen Walk mit imaginären High-Heels: "Tolle Waden, Achim."

Übung 2: Körperspannung halten

Wie man schon an meinen Liegestütz-Versuchen sehen konnte, hab ich es nicht so mit Körperspannung. Auch beim Laufen hängt die Hüfte, mein Oberkörper sackt zusammen. Dagegen hat Patrick einen Tipp: Immer mal wieder beim Laufen beide Arme nach oben strecken, um sich aufzurichten. Während ich mit beiden Händen über dem Kopf vor einer picknickenden Gruppe hin und her jogge, hat Achim Pause. Körperspannung ist seine Paradedisziplin. Aber statt sich auszuruhen, liegt Streber-Achim lieber in der Wiese, absolviert Sit-ups und zählt laut mit: "267, 268, 269."

3. 180 Schritte in der Minute

Nach Storchengang und Strecklauf folgt als nächstes der Trippelschritt. Patrick weist uns an, möglichst viele Schritte zu machen. Das sieht aus, als würde man über heißen Sand laufen, ist aber richtig. Je mehr Schritte man macht, umso kraftsparender läuft man. Klingt unlogisch, funktioniert aber. Durch viele, kurze Schritte hat man weniger Bodenkontakt als bei langen und langsamen Schritten. Das spart Energie. Profiläufer machen sogar 180 Schritte in der Minute. Bestes Hilfsmittel: der MP3-Player. Mit Liedern, die 180 Schläge pro Minute schnell sind, hat man eine gute Orientierung.

Fazit: Jetzt weiß ich zwar in der Theorie, wie man ein besserer Läufer wird. Nur die praktische Umsetzung gelingt leider nicht innerhalb von ein paar Stunden. Wer seinen Laufstil umstellen will, sollte ein halbes Jahr einplanen. "Das kriegst du schon hin", verabschiedet sich Patrick. Ein kleines bisschen glaube ich ihm jetzt sogar.

Wer läuft schöner? Achim oder Anna? Richtig Laufen: Anna und Achim in der Laufstil-Schule

insgesamt 2 Beiträge
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tekaitora33 09.07.2014
1. triathlon und lauftechnik?
also wenn man eins nicht als Vorbild nehmen kann ist es der verkrampfte mechanische Laufstil von Triathleten! Nimm die viel besseren Läufer aus Ostafrika, die komplett anders laufen. die laufen mal aussen und über die Ferse, mal Mittelfuß, vor allem aber nicht mit konstant gleicher Körperhaltung. Die machen sich weniger Gedanken und laufen wirklich natürlich. also jeder nach seinem Körperbau und Körpergefühl. Gegenteil von dem Marketing Artikel "Natural Running"
D_v_T 09.07.2014
2.
Warum schreibt jemand einen Laufblog, der offensichtlich keine Ahnung von Laufen hat? Warum schreibt dieser Patrick nicht diesen Blog?
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