Achilles' Ferse: Die besten Marathonweisheiten aus zehn Jahren

Laufen: "Marathon macht glücklich und zufrieden" Zur Großansicht
REUTERS

Laufen: "Marathon macht glücklich und zufrieden"

Als erfolgloser Hobbyläufer mit Marathontrauma hat Achim Achilles viel erlebt. Die Erfahrungen bei seiner Lieblingsschinderei hat er jetzt zusammengefasst. Lesen Sie die besten Läuferweisheiten aus zehn Jahren.

Marathon ist eine ausgesprochen bescheuerte Erfindung. Warum sollte der Mensch 42 Kilometer am Stück rennen? Gesund ist das nicht. Trotzdem werden dieses Wochenende Tausende nach Berlin strömen, um genau das zu machen: Berlin-Marathon laufen. Achim Achilles gehört seit zehn Jahren zu dieser besonderen Spezies "Läufer". In der Zeit hat er viel erlebt und seine Weisheiten aufgeschrieben. Hier sind sie:

Marathonläufer haben nicht alle Tassen im Schrank

40.000 schräge Gestalten fallen diese Woche in Berlin ein, um halbnackt und spätestens auf der zweiten Hälfte bisweilen ziemlich jämmerlich einen der weltweit größten Volksläufe zu absolvieren. Die ersten Zombies streunern schon Tage vor dem großen Ereignis durch die Stadt, immer an den grünen Strichen entlang, die 42 Kilometer Schenkelschmerz markieren. Manche tragen einen Chip am Schuh, es könnte ja irgendwo überraschend schon eine Zeitmessmatte ausgelegt sein.

Auch wenn's schmerzt - Marathon macht glücklicher und zufriedener

Marathon ist wie der Heilige Abend - für den Weihnachtsmann: Alle haben Spaß, nur der alte Mann nicht. Der hat nichts als Arbeit. So wie Marathonläufer, die Juli, August, September außergewöhnlich stracks rackern. Aber: Wer den ganzen Tag vorm Rechner sitzt, wer Erfolge kaum noch spürt, der ist unendlich dankbar, wenn er seinen Körper spürt, eine gute Strecke in den Beinen fühlt, vor lauter echter, schöner Müdigkeit ins Bett fällt.

Der zweite Marathon ist schwieriger als der erste

Vor dem zweiten Marathon sind Zweifel völlig normal, denn der zweite ist viel schwieriger als der erste. Beim ersten denkt man sich: "Och, tüdelü, alles easy." Nix ist easy. Weil man weiß, was kommt, hegt man beim zweiten vorauseilende Selbstschutzgedanken, die Verletzungen größer machen, als sie sind. Und die Form wird in Grund und Boden gegrübelt.

Nur wer an sich glaubt, schafft einen Marathon

"Glaubst du an dich?", fragte mein Trainer. Was für eine Frage? Wer außer George Bush und Dieter Bohlen glaubt schon an sich? "Mmmhtjanajaweißnicht", antwortete ich wahrheitsgemäß. "Siehste", sagte er, "das ist genau das Problem." Vor allem bei Läuferinnen herrscht der Typus der ängstlichen Zweiflerin vor: Jammer-Uschi. Vor jedem Training erzählt sie ungefragt, wie schlecht sie sich fühlt, dass es heute zu kalt, zu nass, zu warm, zu trocken, zu durchwachsen, zu windig, zu windstill oder aber, wenn nichts davon zutrifft, dann garantiert migränefördernd sei.

Akute Marathonblödheit: völlig normal

Wer sich Zahncreme auf die Beine schmiert und die Zähne mit dem Ladyshave der Ehefrau schrubbt, braucht sich nicht zu sorgen. Die Marathonblödheit vor dem Wettkampf ist völlig normal. Das Unterbewusstsein will sagen: Lass den Quatsch! Dafür ist es aber bereits zu spät.

Den Kenianer sollte man sich für den Schlussspurt aufheben

5 Minuten, 41 Sekunden pro Kilometer macht am Ende ziemlich genau 3:59,59 Stunden - die Fabelzeit. Für einen Lauf-Diesel wie mich schien diese Strategie maßgeschneidert: Entspannt los, und nach hinten raus den inneren Kenianer zünden, wenn er sich nicht wieder irgendwo verborgen hält, wie meistens.

Zeiten nicht so wichtig nehmen

Ist ja klar, sagen die Schnellen, der Achilles findet Zahlen doof, die beweisen, wie lahm er ist. Der will sich nicht quälen. Ein Weichei. Stimmt sogar. Lacht über mich, weil ich langsam bin. Aber ich freue mich, weil ich mich vom autoaggressiven Performen langsam verabschiede. Ich behalte meine Bestzeiten als Schatz in meiner persönlichen Truhe so wie romantische Liebschaften, gute Schulnoten und all die anderen kleinen Erfolge.


Der Artikel besteht aus Auszügen aus dem neuen E-Book von Achim Achilles: "Laufen und Marathon - die besten Kolumnen zu meiner Lieblingsschinderei" .

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. hat er recht..
derder 26.09.2013
laufe seit 13 jahren , um mir mein weizenbier abends gönnen zu können. zeiten egal... jene, die mit überehrgeiz auf zeit laufen ,mögen kurzzeitig "bessere" leistungen erziehlen, werden aber auf mittlere sicht durch verletzungen (knie/achillessehne/ fuss/hüftgelenk/etc aufhören müssen..... dann doch lieber slowjogg geh waidder..
2. Psychische Lage?
osmanian 27.09.2013
Ob die Läufer psychisch frei sind ist fraglich nachdem Boston Anschläge. Daher erwarte ich kein Weltrekord..Aber könnte auch sein das Sie durch den Angst noch schneller laufen.
3. Locker macht's
spon-1245711913406 27.09.2013
Wie derder laufe ich um mier ein Bierchen oder ein gutes Abendessen zu goennen. Hauptsache es macht Spass, wenn dann noch eine gute (fuer mich) Zeit raus kommt: umso besser.
4. Wichtigste Weisheit fehlt in dem Artikel
berniejosefkoch 27.09.2013
Und die lautet: Nicht die Marathonstrecke von 42km tötet sondern die Geschwindigkeit. Gehst Du zu schnell an, kommst Du NICHT in das Ziel!
5. Ist bekannt und nachlesbar
mr.ious 27.09.2013
Zitat von berniejosefkochUnd die lautet: Nicht die Marathonstrecke von 42km tötet sondern die Geschwindigkeit. Gehst Du zu schnell an, kommst Du NICHT in das Ziel!
Könnte es sein, daß das nur Auszüge sind ? Und selbst dieses ist nicht das gesamten Werk des Autors : Willkommen bei Achim-Achilles.de - Alles rund um Marathon, Laufen, Joggen, Abnehmen, Ernährung (http://www.achim-achilles.de/index.php) Nicht das ich selber Marathon laufe, aber wer weiß, so weit weg ist mir der Gedanke nicht. Ich kann auch an zwei Tagen hintereinander 10km, ohne dann am dritten völlig platt zu sein. Wobei ich am zweiten dann eher gemütlich joggen muß und laufen eher ausfällt. Also die 2,9 m/s die Achim Achilles da für seine Marathonzeit anpeilt, die halte ich auch nicht für laufen, und warum sollte ich nicht 4 mal 10km am Stück joggen können wenn ich dafür extra trainiere ? Wenn man das dann so nennen will.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Gesundheit
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ernährung & Fitness
RSS
alles zum Thema Achilles' Ferse - Beratung
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 9 Kommentare
Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel:


Buchtipp

Zur Person
  • Beatrice Behrens
    Achim Achilles

    Jahrgang 1964. Lebt verheiratet mit einer verständnisvollen Frau in Berlin, läuft aber überall, wo es wehtut. Motto des Wunderathleten und Kolumnisten: "Qualität kommt von Qual." Dabei ist es dem Vater eines lauffaulen Jungen egal, dass er trotz intensiven Trainings kaum von der Stelle kommt. Für ihn ist der Weg das Ziel. Seine Lieblingsfeinde auf dem Weg zum Ziel sind Walker und andere Pseudosportler.