Achilles' Verse: "Keine ist so wie Du"

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Schwimmbrille: "Wir passten zusammen wie Mark und Spitz"

Große Trauer bei Ausdauer-Athlet Achim Achilles. Seine treueste Gefährtin ist von ihm gegangen. Über Jahre hat sie ihn klaglos begleitet und beschützt, dann kam die Altersschwäche. Kleines Requiem für eine Schwimmbrille.

Oh, wie ich Dich vermisse, Deine Spannkraft, die immer klare Sicht, Deine ausdauernde Treue. Über Jahre warst Du mir näher als jedes andere Sportgerät, den Fahrradsattel mal ausgenommen. Wenn Du so dicht auf mir klebtest, habe ich die Welt mit anderen Augen gesehen. Du hast meinen Blick geschärft, auch für die seltsamen Dinge im See, die ich gar nicht sehen wollte. Nie hast Du gemault, so kalt das Wasser auch sein mochte.

Es war so erotisch, wie Du Dich angesaugt hast. Bis auf dieses leise kurze Schmatzen hast Du ansonsten einfach nur geschwiegen. Nie hast Du mich kritisiert, sondern Dich geduldig auf meine wechselnden Frisuren eingestellt. Verzeih, dass ich so oft ungeduldig an Dir gezerrt und gedrückt habe; klaglos hast Du es geschehen lassen. Ich wollte Dir nie wehtun.

Wir passten zusammen wie Mark und Spitz. Wir waren ein Traumpaar, vor allem Du: immer einsatzbereit, immer fit, ich konnte Dich zu jeder Tageszeit hervorzerren, und doch sahst Du makellos aus. Du trugst das Silikon am rechten Fleck und warst zuverlässig dicht. Mit Dir war das Leben so transparent wie die Piratenpartei immer gern gewesen wäre. Auf Dich konnte ich mich immer verlassen. Du warst da, wenn ich Dich brauchte.

Nein, das ist nicht Phelps

Weißt Du noch, wie die Leute raunten, sobald wir im Strandbad einmarschierten? "Ist das nicht Phelps", raunten manche, was nur an Dir lag. Peter Fonda konnte einpacken gegen uns. Viele staunten, wenn wir vereint durch den Sand hinunter zum Wasser gingen. Wenn sie lachten, dann nicht über Dich, sondern eher über den Neoprenanzug, der bei 27 Grad Wassertemperatur vielleicht nicht unbedingt nötig gewesen wäre.

Nein, es war nicht immer leicht mit mir. Vielleicht hätte ich Dich öfter in das Futteral legen sollen, anstatt Dich gedankenlos in den Badebeutel zu stopfen. Immerhin warst Du da Deiner Liebschaft nah, meiner mittelblauen Badehose. Du dachtest wohl, ich hätte nicht gemerkt, dass da was läuft zwischen Euch.

Was ich mich nie zu fragen getraut habe: Hast Du je darunter gelitten, dass ich Dich öfter angespuckt habe? Die hellen Schlieren vom Sahneeis waren doch kein Problem, oder?

Wie Dich, so wünscht ein Mann sich seine Begleiterin: stets voller Spannkraft, nicht diese ewige Gemaule über Wetter, Essen, Klamotten und die Gesamtsituation.

Nun hat uns diese unromantische Materialermüdung auseinandergerissen. Weder Superkleber noch Feuerzeug noch Lassoband vermögen Dich zu heilen. Und jetzt? Brauche ich eine Neue. Aber keine wird sein wie Du, sondern immer nur Ersatz.

Mögest Du die ewige Ruhe finden auf dem Grunde jenes Sees, den wir über Jahre so einträchtig durchmaßen. Unauffällig werde ich Dich morgen früh aus meiner Badehose hinabsinken lassen, auf dass Dich kein Müllsammler finde, kein Wels verschlucke, sondern Du ein weiches Lager findest im Schlamm, zu dem wir alle werden eines Tages. Ruhe sanft. Ich werde Dich vermissen, meine Kleine.


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insgesamt 14 Beiträge
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1. ..
Usambaras 28.08.2012
Danke für diesen köstlichen Text ! ;-)
2. son quatsch
Netviewer 28.08.2012
Eine Schwimmbrille ist ein Verschleißteil, das nach spätestens 2 Jahren nicht mehr zu gebrauchen ist. Das Problem ist dann nur ein neues, passendes Model zu finden. "immer einsatzbereit, immer fit, ich konnte Dich zu jeder Tageszeit hervorzerren, und doch sahst Du makellos aus" stimmt auch nicht. Nach 3-5 Einsätzen muss man sie wieder mit Spüli reinigen, da man sonst nix mehr sieht oder sie beschlägt... blub
3. ·
nummer_sieben 28.08.2012
Verwandte Themen: HIV/Aids? Wow. So schlecht war der Beitrag diesmal doch wirklich nicht. (PS: Mir ist klar, dass der Themenverweis ein "Überbleibsel" vom Life-Run-Artikel ist; trotzdem nicht gerade die vorteilhafteste Platzierung).
4. Verschleiss
yogibimbi 28.08.2012
Ja, ich hatte auch mal so eine Brille, die habe ich knapp 10 Jahre benutzt, aber in der Zeit war ich immer nur im Schwimmbad. Für Freiwasser war sie leider nicht zu gebrauchen, zu wenig Rundumblick, das war eine von diesen kleinen Schwedinnen, aber mit etwas weicherem Rand und vollverspiegelt. Dann habe mit der Aquasphere Seal (die grosse Version) und einer grossen Speedo meine Taucherbrillen-Phase gehabt, die sind zwar angenehmer als die Mini-Brillen, und machen nicht so viel Druck, dass man gleich meint, es würden einem die Augäpfel rausspringen, aber leider sind die auf Dauer nicht dicht zu bekommen, halten ziemlich bescheiden und fangen irgendwann mal an so zu beschlagen, dass man Scheibenwischer einbauen müsste. Nachdem ich dann ein paar Wochen lang so ziemlich alles durchprobiert habe, was es im Corte Ingles in Lissabon gab, habe ich mich auf die Nike Remora eingeschossen. Schön billig, halten dicht, passabler Rundumblick und gedämpft genug und vom Durchmesser her so verträglich, dass sie die Augen nicht zu sehr durchkneten. Allerdings haben die, wie alle anderen Brillen nach meiner Wunder-Brille, den Nachteil, dass sie nach einer Zeit anfangen (so 3-4 Monaten), rasend schnell zu beschlagen. Wenn ich ins Becken springe, mir die Brille aufsetze und geraderücke, ist sie schon beschlagen, bevor ich ins Wasser eintauche. Interessanterweise habe ich da bei Wettkämpfen weder im Schwimmbad oder im Freiwasser bislang mit Probleme gehabt, hat wohl auch noch was mit der Wasser- und Lufttemperatur zu tun, aber die Waschflüssigkeit hält nie so lange darin und brennt obendrein noch ganz nett in den Augen, egal wie lange man danach die Brille auswäscht. Also, die ideale Schwimmbrille habe ich noch nicht gefunden, und dass nach fast 40 Jahren Wettkampfschwimmen...:-( Aber wenn die Remora besser beschichtet wäre und vielleicht etwas spiegeliger daherkäme, könnte sie es sein.
5. Wenn die Brille zum Beschlagen neigt,
noalk 28.08.2012
einfach vor dem Aufsetzeninnen a bisserl Spucke mit der Zunge verteilen.
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ZUR PERSON
  • Beatrice Behrens
    Achim Achilles

    Jahrgang 1964. Lebt verheiratet mit einer verständnisvollen Frau in Berlin, läuft aber überall, wo es wehtut. Motto des Wunderathleten und Kolumnisten: "Qualität kommt von Qual." Dabei ist es dem Vater eines lauffaulen Jungen egal, dass er trotz intensiven Trainings kaum von der Stelle kommt. Für ihn ist der Weg das Ziel. Seine Lieblingsfeinde auf dem Weg zum Ziel sind Walker und andere Pseudosportler.
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