Oh, wie ich Dich vermisse, Deine Spannkraft, die immer klare Sicht, Deine ausdauernde Treue. Über Jahre warst Du mir näher als jedes andere Sportgerät, den Fahrradsattel mal ausgenommen. Wenn Du so dicht auf mir klebtest, habe ich die Welt mit anderen Augen gesehen. Du hast meinen Blick geschärft, auch für die seltsamen Dinge im See, die ich gar nicht sehen wollte. Nie hast Du gemault, so kalt das Wasser auch sein mochte.
Es war so erotisch, wie Du Dich angesaugt hast. Bis auf dieses leise kurze Schmatzen hast Du ansonsten einfach nur geschwiegen. Nie hast Du mich kritisiert, sondern Dich geduldig auf meine wechselnden Frisuren eingestellt. Verzeih, dass ich so oft ungeduldig an Dir gezerrt und gedrückt habe; klaglos hast Du es geschehen lassen. Ich wollte Dir nie wehtun.
Wir passten zusammen wie Mark und Spitz. Wir waren ein Traumpaar, vor allem Du: immer einsatzbereit, immer fit, ich konnte Dich zu jeder Tageszeit hervorzerren, und doch sahst Du makellos aus. Du trugst das Silikon am rechten Fleck und warst zuverlässig dicht. Mit Dir war das Leben so transparent wie die Piratenpartei immer gern gewesen wäre. Auf Dich konnte ich mich immer verlassen. Du warst da, wenn ich Dich brauchte.
Nein, das ist nicht Phelps
Weißt Du noch, wie die Leute raunten, sobald wir im Strandbad einmarschierten? "Ist das nicht Phelps", raunten manche, was nur an Dir lag. Peter Fonda konnte einpacken gegen uns. Viele staunten, wenn wir vereint durch den Sand hinunter zum Wasser gingen. Wenn sie lachten, dann nicht über Dich, sondern eher über den Neoprenanzug, der bei 27 Grad Wassertemperatur vielleicht nicht unbedingt nötig gewesen wäre.
Nein, es war nicht immer leicht mit mir. Vielleicht hätte ich Dich öfter in das Futteral legen sollen, anstatt Dich gedankenlos in den Badebeutel zu stopfen. Immerhin warst Du da Deiner Liebschaft nah, meiner mittelblauen Badehose. Du dachtest wohl, ich hätte nicht gemerkt, dass da was läuft zwischen Euch.
Was ich mich nie zu fragen getraut habe: Hast Du je darunter gelitten, dass ich Dich öfter angespuckt habe? Die hellen Schlieren vom Sahneeis waren doch kein Problem, oder?
Wie Dich, so wünscht ein Mann sich seine Begleiterin: stets voller Spannkraft, nicht diese ewige Gemaule über Wetter, Essen, Klamotten und die Gesamtsituation.
Nun hat uns diese unromantische Materialermüdung auseinandergerissen. Weder Superkleber noch Feuerzeug noch Lassoband vermögen Dich zu heilen. Und jetzt? Brauche ich eine Neue. Aber keine wird sein wie Du, sondern immer nur Ersatz.
Mögest Du die ewige Ruhe finden auf dem Grunde jenes Sees, den wir über Jahre so einträchtig durchmaßen. Unauffällig werde ich Dich morgen früh aus meiner Badehose hinabsinken lassen, auf dass Dich kein Müllsammler finde, kein Wels verschlucke, sondern Du ein weiches Lager findest im Schlamm, zu dem wir alle werden eines Tages. Ruhe sanft. Ich werde Dich vermissen, meine Kleine.
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