Adventskalender-Test: Schokoladen-Firmen kritisieren Stiftung Warentest
Sind geringe Mengen Mineralöl in der Schokolade von Adventskalendern schädlich? Die Stiftung Warentest schlägt Alarm, jetzt wehren sich die Süßwarenhersteller. Sie werfen den Testern vor, unnötig Angst zu verbreiten.
Hamburg - Zahlreiche Hersteller von Adventskalendern wehren sich gegen eine Meldung der Stiftung Warentest. Die Tester hatten über schädliche Mineralölrückstände in der Kalenderschokolade berichtet. Nun kritisieren Produzenten die Untersuchungsmethoden und Bewertungen der Stiftung Warentest als nicht haltbar. Die Bremer Firma Hachez Chocolade warf den Testern vor, die Verbraucher ungerechtfertigt zu verunsichern. Die Vorwürfe seien "völlig an den Haaren herbeigezogen", eine Gesundheitsgefährdung könne "nicht einmal ansatzweise nachgewiesen" werden.
Bei der Untersuchung von Adventskalendern hatte Stiftung Warentest in der Schokolade Rückstände von schädlichen Mineralölen gefunden. In neun Fällen warnten die Tester vor dem Verzehr. Die Schokolade enthalte besonders kritische Mineralölbestandteile, die teilweise krebsverdächtig seien, teilten die Tester am Montag in Berlin mit. Vor allem Kinder sollten die Schokolade nicht essen. Den Inhalt von zwölf weiteren Kalendern stuften die Tester als gering belastet ein.
"Mineralölbestandteile kommen allgegenwärtig in der Umwelt vor"
"Wir möchten darauf hinweisen, dass diese Thematik nicht schokoladenspezifisch ist. Mineralölbestandteile kommen allgegenwärtig in der Umwelt vor", versucht Kraft Foods, der Hersteller von Milka-Schokolade, die Vorwürfe zu entkräften. Auch der Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) hatte am Montag mitgeteilt, dass die Schokolade in den Kalendern nicht gesundheitsgefährdend sei. Mineralöle seien weit verbreitet, einen Grenzwert gibt es bislang nicht.
Die Stiftung Warentest hat sich nach eigenen Angaben bei ihrer Bewertung der möglichen Gesundheitsrisiken an Erfahrungswerten von Experten orientiert. Die Europäische Union habe zwar noch keinen Grenzwert festgelegt, weil es noch keine Studien gebe. Zurzeit könnten Wissenschaftler nicht eindeutig abschätzen, wie stark Mineralöle den Menschen gefährdeten. Es gebe allerdings Hinweise: In Tierversuchen würden nicht-aromatische Mineralöle mit Entzündungserscheinungen der Leber in Zusammenhang gebracht.
Die geringen Ölreste in der Schokolade stammen vermutlich aus den Adventskalenderkartons. Diese werden häufig aus Recycling-Papier hergestellt, das mit mineralölhaltigen Farben bedruckt ist. Die Substanzen seien vermutlich während der Lagerzeit in die Schokolade eingedrungen, weil diese direkt im Karton liege, sagte eine Sprecherin der Stiftung Warentest. Die Süßwarenkette Arko hatte nach den Testergebnissen ankündigt, ihre Kalender aus den Geschäften zurückzuziehen. "Wir haben rein vorsorglich entschieden, den betroffenen Artikel sofort aus dem Verkauf zu nehmen", sagte Geschäftsführer Torsten Teufert.
joe/dpa
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