WHO-Bericht Alkoholkonsum sinkt europaweit - nicht so in Deutschland

Gut sechs Liter reinen Alkohol trinken Menschen im Schnitt pro Jahr - weltweit gerechnet, das ergibt ein neuer WHO-Bericht. In Deutschland ist die Zahl sehr viel höher.

Oktoberfest
picture alliance / dpa

Oktoberfest


Jeder 20. Todesfall weltweit ging 2016 auf Alkohol zurück. Zu diesem Ergebnis kommt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem aktuellen Report. Insgesamt starben mehr als drei Millionen Menschen an den Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum, mehr als drei Viertel davon waren Männer.

Zu den genauen Todesursachen zählen Verletzungen infolge von Verkehrsunfällen oder Gewaltanwendungen (28 Prozent), Erkrankungen des Verdauungstraktes (21 Prozent), Herzerkrankungen (19 Prozent) sowie Infektionen, Krebserkrankungen und psychische Störungen, die mit übermäßigem Trinken zusammenhängen.

Laut WHO leiden weltweit etwa 237 Millionen Männer und 46 Millionen Frauen an einem Alkoholproblem. Die meisten davon leben in Europa und auf den amerikanischen Kontinenten.

Im weltweiten Vergleich hat Europa seit jeher den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch alkoholischer Getränke. Seit etwa zehn Jahren geht der Konsum in vielen Ländern jedoch schrittweise zurück. Für die gesamte Region ist er seit 2010 um zehn Prozent gesunken. Für Deutschland gilt dieser Trend nicht. Hier ist der Verbrauch seit der letzten WHO-Erhebung gestiegen - von 12,9 Litern reinen Alkohols pro Kopf im Jahr 2010 auf 13,4 Liter im Jahr 2016. Damit trinken die Deutschen mehr als doppelt so viel wie der durchschnittliche Weltbürger.

Weltweit lag die durchschnittliche Tagesration puren Alkohols 2016 bei 33 Gramm, Abstinenzler wurden herausgerechnet. Dies entspricht in etwa zwei Gläsern Wein, anderthalb großen Flaschen Bier oder zwei Gläschen Schnaps. Während die Deutschen vor allem Bier und Wein trinken, spielt global betrachtet Schnaps die größte Rolle. Er macht etwa 45 Prozent des weltweiten Alkoholkonsums aus.

Die Experten der WHO prognostizieren, dass der weltweite Alkoholkonsum in den nächsten zehn Jahren ansteigen wird. "Alle Länder können noch mehr tun, um das Gesundheitsrisiko und die sozialen Kosten zu reduzieren, die durch Alkoholmissbrauch entstehen", sagt Vladimir Poznyak, der das WHO-Programm für Suchtmittelmissbrauch koordiniert. Als effektive Maßnahmen nennt er höhere Steuern auf alkoholische Getränke, Werbeverbote und die Begrenzung des einfachen Zugangs zu Alkohol.

Im Video: Aus der Rausch - Alkoholiker in Mecklenburg

SPIEGEL TV

mah



insgesamt 141 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
frenchie3 21.09.2018
1. Öhem, was wurde denn alles eingerechnet?
Die Millionen Liter Bier vom Oktoberfest stehen wo und wie in der Statistik? Dazu die hundertausende aneinenderer Touristen (Japaner, China bsp) die dem hiesigen Bier gerne und reichlich zusprechen. Solche "Zuschläge" können Länder wie England oder USA nicht für sich beanspruchen, das Zeugs dort trinken eher nur die Einheimischen
cave100 21.09.2018
2. Mut
Bei den Rauchern hat es doch auch ganz prima geklappt. Steuer hoch und höher, Alkoholverbot in Kneipen und Restaurants und mal abwarten bis die Revolution vorbei ist und die Alkis im Bundestag trocken sind. Geht natürlich nicht, leider. Aber absolutes Werbeverbot, vor allem vor Sport- Fußballübertragungen, wäre doch schon mal ein guter Anfang. Aber ich befürchte es wird wohl NICHTS, die Lobby der Alkoholiker ist zu gut vertreten. Die kaputten Familien von Alkoholkranken und Arbeitsunfähigen lassen grüßen.
John McC!ane 21.09.2018
3. Ich für meinen Teil...
...komme bislang gerade mal auf einen halben Liter für 2018 - und der stammt vom frühen 01. Januar! Wenn die gut 12 Liter also ein Durchschnittswert sein sollen, laufen da wohl offenbar einige Gestalten in Deutschland rum, die sich das orange hinterlegte Flammensymbol, wie man es von Tanklastwagen kennt, aufs T-Shirt drucken lassen sollten... ;-)
der IV. Weg 21.09.2018
4. völlige Verharmlosung von Alkohol in D
so lang wie im Aldi der Schnaps direkt neben der Brottheke steht, wird sich in den Köpfen der Konsumenten nichts ändern. Wenigstens die Auslagerung von hartem Alkohol (ab ca. 28 Vol%) in Shops außerhalb des eigentlichen Supermarkts sollte man hinbekommen. Ist zu viel verlangt? Na dann ... Prost!
Actionscript 21.09.2018
5. Mittlerweile schmeckt ein kühles alkoholfreies Bier...
...so gut, dass ich da auf Bier mit Alkohol verzichten kann besonders bei heissem Wetter. Abgesehen vom Schnaps, auf den man gerne verzichten kann, kommt es eigentlich bei Bier und Wein mehr auf den Geschmack als auf den Alkohol an.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.