"Moma"-Moderatorin Annika Zimmermann "Es gibt kleine Kniffe, wie man wacher wirkt und wird"

Um zwei Uhr nachts klingelt bei Annika Zimmermann der Wecker, die Arbeit ruft. Im Interview spricht die Sportmoderatorin des ZDF-Morgenmagazins über fehlende Tiefschlafphasen, Fitness und Wachmachertricks.

Annika Zimmermann
Ruben Elstner

Annika Zimmermann

Ein Interview von Frank Joung


Zur Person

SPIEGEL ONLINE: Frau Zimmermann, wann stehen Sie auf?

Zimmermann: In der Woche, in der ich täglich morgens auf Sendung bin: zwischen 2 und 2.30 Uhr nachts.

SPIEGEL ONLINE: Und was denken Sie als Erstes nach dem Aufstehen?

Zimmermann: Ich bin direkt im Funktionsmodus: hau ruck und raus. Richtig geschlafen habe ich ja nicht. Wenn ich um 22 Uhr ins Bett gehe, komme ich erst gar nicht in die Tiefschlafphase. Es ist eher ein kurzes Ruhen.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie sich dabei entspannen?

Zimmermann: Es geht, ich arbeite dran. Eine gewisse Anspannung ist tatsächlich Dauerzustand - ich steh ja gleich schon wieder auf. Daher versuche ich, eine halbe Stunde vor dem kurzen Schlaf den Laptop zuzuklappen und mich runterzufahren. Ich lerne Spanischvokabeln oder mache etwas Yoga, dann ist die Schlafqualität besser.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind immer eine Woche lang jeden Morgen auf Sendung und haben dann eine Woche Pause. Holen Sie den Schlaf nach?

Zimmermann: Ich habe mit der Zeit gelernt, dass sich der fehlende Schlaf einer Sendewoche schwer nachholen lässt. Wenn ich in der ersten Nacht länger als neun Stunden schlafe, bin ich stärker gerädert als in der gesamten Sendewoche zuvor. Stattdessen verteile ich das auf die gesamte Woche.

Ich bin zum Glück gesegnet. Ich kann immer schlafen, egal wo und wann. Aber da ich durch die wechselnden Wochen nie im Rhythmus bin, kommt es schon mal vor, dass ich plötzlich schweißgebadet aus dem Schlaf schrecke, desorientiert bin und denke, dass ich eine Sendung verpennt habe.

SPIEGEL ONLINE: Manche werden sich jetzt fragen: Was ist denn so anstrengend an dem Job als Moderatorin?

Zimmermann: Einige denken, dass ich mich nur in die Maske setze und anschließend ein bisschen vor der Kamera labere. Das wird gern unterschätzt. Es steckt extrem viel Arbeit, Planung, Vorbereitung und Recherche dahinter. Immerhin schauen über die Sendung verteilt vier Millionen Menschen zu. Da will ich das auch gut machen.

SPIEGEL ONLINE: Wie schaffen Sie es, so früh nicht müde auszusehen?

Zimmermann: Es gibt kleine Kniffe, wie man wacher wirkt und wird. Sich in die Wangen kneifen, den Körper durchklopfen oder die Treppe hochsprinten. Manchmal stelle ich mich auch breitbeinig vor den Spiegel wie Superwoman und atme einfach mal tief durch - für eine positive Präsenz. Das sieht blöd aus, wirkt aber.

SPIEGEL ONLINE: Und wie geht es Ihnen am Nachmittag nach einem Sendungstag? Ist man da überhaupt noch zu etwas zu gebrauchen?

Zimmermann: Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, brauche ich auf jeden Fall eine Ruhepause von rund drei Stunden. Nachmittags mache ich gern ein bisschen Sport und bereite mich auf den nächsten Tag vor.

SPIEGEL ONLINE: Sie moderieren nicht nur die Sportnachrichten, Sie sind selbst auch sehr fit. Welche Sportart ist die beste als Gegenentwurf zu Ihrem Schicht-Job?

Zimmermann: In meinem Fall ganz klar das Laufen. Man braucht nicht viel Ausrüstung und ist flexibel. Laufen ist perfekt, um mal schnell den Kopf auszuschalten. Aber ich liebe die Vielfalt, daher mache ich auch Spinning, Crossfit oder Yoga.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Buch heißt: "Fit und fröhlich". So wirken Sie auch vor Kamera. Wie machen Sie das?

Zimmermann: Ich berichte nicht nur sehr gern über Sport, sondern habe auch großen Spaß daran, ihn selbst auszuüben. Das mache ich nicht, weil mir jemand sagt, dass ich es machen muss. Es geht darum, in sich hineinzuhorchen und zu erkennen, was man wirklich will und wie man das erreicht.

SPIEGEL ONLINE: Was, wenn man keine Lust hat auf Sport?

Zimmermann: Na dann lässt man es halt. Aber wenn du sportmuffelig bist und unzufrieden damit - dann setz dich in Bewegung. Setze dir Etappenziele. Mach kleine Schritte, die du erreichen kannst: weniger Schokoriegel, mehr Treppen. Wenn man erst einmal reingekommen ist, fällt es nicht mehr so schwer.

SPIEGEL ONLINE: Eine beliebte Ausrede ist die fehlende Zeit für Sport.

Zimmermann: Ja klar (lacht). Es geht schlicht darum, die Prioritäten neu zu ordnen und ehrlich sein Alltagsmanagement anzugehen. 20 Minuten laufen muss man planen und als Priorität begreifen. Wichtig ist, dass man seinen Alltagstrott untersucht. Schaut, was miteinander kombinierbar ist und worauf man verzichten kann. Kann ich mich mit Freunden treffen und dabei joggen gehen? Gibt es um die Ecke einen Yogakurs, den ich in der Mittagspause besuchen kann? Fit werden ist kein Sprint, sondern ein langer Lauf. Ich laufe gern morgens, dann hat man früh schon was geschafft.



insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
djxm 09.04.2018
1.
Also, so richtig frisch, wach UND authentisch rüberzukommen, gelingt im deutschen Frühstücksfernsehen aber seit Jahren niemandem. Selbst Dunja Hayali, die ich echt genial finde, war damals frühmorgens eher eine Moderationsmumie - von den anderen ganz zu schweigen. Da bringt fleißiges Laufen und Pilates auch nix. Das liegt aber vielleicht auch an den Verantwortlichen hinter der Kamera. Versucht doch mal ein Format wie Morning Joe - das ist sehr unterhaltsam - besonders wenn Joe gar nicht dabei ist!
bernhardlang 09.04.2018
2. Frau Anika Zimmermann
Nach meiner Meinung hat sie keine gute Stimme für eine Moderatorin Sie tritt 6x 5 Minuten auf am Morgen darin sind noch Filme mit enthalten, da muss man sich schon ordentlich vorbereiten. Die ganzen Sendungen könnten von einem Moderator gemacht werden, und nicht mit vier Leute da rumhopsen
mirage122 09.04.2018
3. "Frau Zimmerfrau ..."
... wie sie sich selbst nennt, ist einer der Gründe dafür, mir das Frühstücksfernsehen in der Woche nicht anzutun, in der das ZDF sendet. Dann fällt das bei mir aus. Die Moderatoren im Ersten sind wesentlich spritziger, witziger - alles in allem sympathischer und zwar in allen Bereichen!
politikwatcher2 09.04.2018
4. Da gibt’s nichts schön zu Reden an dem Job
Sicherlich für viele Menschen, selbst für sogenannte ‚Lerchen‘ (Frühaufsteher) wäre dieser Job der Horror! Aber da müssen einige wohl durch, um weiter Karriere machen zu können- Ich habe mich allerdings auch schon immer gefragt, wer hat denn eigentlich Zeit zum Frühstücks-TV schauen in der Wo.? Kinder und Rentner?
Marut 09.04.2018
5. Undankbarer Kommentar.
Zitat von mirage122... wie sie sich selbst nennt, ist einer der Gründe dafür, mir das Frühstücksfernsehen in der Woche nicht anzutun, in der das ZDF sendet. Dann fällt das bei mir aus. Die Moderatoren im Ersten sind wesentlich spritziger, witziger - alles in allem sympathischer und zwar in allen Bereichen!
Ich finde die Kritik angesichts der allmorgentlichen Leistung, die uns da geboten wird, schlicht unanständig. Auch die die beiden Anbieter (WDR oder ZDF) gegeneinander auszuspielen ist irgendwie schon grenzwertig. Für mich ist Annika Zimmerfrau jemand, der ich gerne zusehen, obwohl ich an Sportberichterstattung nur sehr begrenztes Interesse habe. Warum nun der Forist den Namen "Zimmerfrau" als Anfang seiner Kritik verwendet und auch noch in Anführugszeichen setzt, läßt tief blicken. Gerade dieser Name für den digitalen Medienkontakt löst bei mir immer wieder ein sehr positives Schmunzeln aus. Es ist ein wenig aufdringlicher, von einer schönen Ironie getragener Hinweis darauf, das Sportberichterstattung immer noch eine Männerdomäne ist, der mich jedesmal schmunzeln läßt, wenn ich mir vorstelle, wieviele Männer daran unausgeschlafen Anstoß nehmen und der Author gehört schein dazu. Ich kann da nur sagen: vielen Dank für soviel aufgeweckte Berichterstattung und mach so weiter Annika Zimmerfrau. Und alle, die da kritisieren, sollten doch lieber früh morgens, wenn MoMa läuft, einen Blick in den eigenen Spiegel wagen - vorsicht, der Kontrast könnte gefährlich fürs eigene Ego sein.
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