Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Athletiktraining: Rumpf ist Trumpf

Fitness-Klassiker: Auch die Körpermitte stärken Zur Großansicht
Corbis

Fitness-Klassiker: Auch die Körpermitte stärken

Wie sieht das ideale Training für einen Athleten aus? Sportwissenschaftler Ingo Geisler spricht im Interview über aufgepumpte Arme, Kraft aus dem Körperzentrum und sinnvolle Pausen.

Zur Person
Ingo Geisler, Jahrgang 1978, ist Diplom-Sportwissenschaftler, Leistungs- und Bewegungsanalytiker. Geisler war fünf Jahre lang Athletiktrainer beim Fußballclub Hannover 96. Gerade ist sein Übungs-DVD "Funktionelles Athletiktraining" im Philippka Sportverlag erschienen.

SPIEGEL ONLINE: Herr Geisler, was braucht man alles, um ein Athlet zu werden?

Geisler: Ein Athletiktraining beinhaltet Kraft, Schnelligkeit, Koordination, Beweglichkeit und, was oft vergessen wird, Ausdauer.

SPIEGEL ONLINE: Um ein Athlet zu sein, reicht also kein dicker Bizeps.

Geisler: Nein. Muskeln, die gut aussehen, aber nicht funktional sind, heißen bei mir Luxus-Muskulatur. Nur, weil man aufgepumpte Arme hat, heißt das nicht, dass auch der Rumpf stabil ist. Und für die meisten Sportarten ist der Core, also die Bauch- und Rückenmuskulatur, sehr wichtig. Die meiste Kraft kommt aus dem Körperzentrum: ein harter Wurf beim Handball oder ein fester Schuss beim Fußball.

SPIEGEL ONLINE: Sie sagen: Rumpf ist Trumpf, aber die meisten Sportler machen ungern Core-Training, oder?

Geisler: Ja, es wird oft vernachlässigt. Viele denken dabei an den klassischen Unterarmstütz und finden es langweilig. Aber man kann den Rumpf auf vielfältige Weise kräftigen, so dass es Spaß macht: in verschiedenen Positionen, mit Gummibändern, speziellen Seilen -Ropes und Slings -, Hanteln oder Rollen.

SPIEGEL ONLINE: Und was bringt mir das Rumpftraining genau?

Geisler: Bei Leistungssportlern ist der Hauptgrund, dass sie ihre Leistung steigern wollen: schneller laufen, fester schießen. Ein Stabilisationstraining des Körpers gehört zudem zur Verletzungsprophylaxe. Es reicht aber nicht aus, nur die Mitte zu trainieren.

Fotostrecke

10  Bilder
Fitness-Übungen: Klassiker und Trends

SPIEGEL ONLINE: Wie und was sollte ich noch trainieren, um mein Verletzungsrisiko zu senken?

Geisler: Beim Functional Training ist es wichtig, dass man immer komplette Muskelketten trainiert und nicht nur isoliert stärkt. Beispiel: Ich kombiniere einen Ausfallschritt mit einseitigem Brustdrücken. Das ist tolles asymmetrisches Training, das kräftigt und den gesamten Körper stabilisiert. Die Schwierigkeitsgrade sind hierbei nach oben hin offen. Man könnte die Übung auch auf einem wackeligen Untergrund durchführen und so zusätzlich seine Gelenke stabilisieren.

SPIEGEL ONLINE: Was bedeutet asymmetrisches Training?

Geisler: Es trainiert die diagonalen Muskelketten im Körper. Die werden oft vernachlässigt, wenn man beim Training immer beide Seiten gleichzeitig trainiert. Aber wenn ich Fußball spiele, schieße ich mit einem Bein - und die Belastung liegt auf dem anderen. Beim Laufen bin ich punktuell ebenfalls im Einbeinstand.

SPIEGEL ONLINE: Ein guter Schutz gegen Verletzungen soll ja auch angeblich das Faszientraining sein.

Geisler: Ja, der Hype um die Faszien kommt, weil man immer mehr über sie weiß. Aber in der Therapie weiß man schon lange, dass die Faszien wichtig sind. Generell gilt: Man kann die Faszien nicht nicht trainieren. Viele trainieren sie längst, ohne dass sie es wissen. Hier gibt es vermehrt Programme, mit denen man die Faszien gezielter und bewusster trainieren kann: Beweglichkeits-, Dehn- oder Schwingübungen. Oder Übungen mit der Rolle.

SPIEGEL ONLINE: Ist klassisches Training wie Bodybuilding überhaupt noch zeitgemäß?

Geisler: Alles hat seine Berechtigung. Man muss wissen, was man möchte. Im Bodybuilding gibt es auch viele neue Methoden und Geräte. Kaum etwas, was derzeit in Mode ist, ist völlig neu. Alles war schon mal da und wird nur entwickelt. Klassische Methoden bekommen einen neuen modernen Namen und liegen plötzlich im Trend. Crossfit ist auch nichts anderes als eine Form des Zirkeltrainings. Toll ist aber, dass es immer mehr kostengünstige Möglichkeiten wie Outdoor-Fitnessanlagen und viele nützliche kleine Fitnessgeräte gibt.

SPIEGEL ONLINE: Wer sich verbessern möchte, muss körperlich an seine Grenzen gehen, andererseits will man sich nicht verletzen. Wie schütze ich mich vor Übertraining?

Geisler: Es gibt viele technische Möglichkeiten, Analysen, Trainingspläne und ärztliche Auswertungen, an denen du dich orientieren kannst, aber letztlich musst du auf dein Gefühl hören. Die Amis sagen: "When in doubt - leave it out." Wenn du nachdenkst, ob du trainieren sollst oder nicht, dann lass die Einheit im Zweifelsfall sein.

SPIEGEL ONLINE: Zu einem ordentlichen Training gehört auch eine anständige Pause.

Geisler: Auf jeden Fall. Durch Pausen wird man besser. Gerade nach Großwettkämpfen wie Marathon braucht man Wochen, um sich von der Belastung zu erholen. Viele vergessen, dass hartes Training kleinste Gewebe im Körper zerstört, die wieder repariert werden müssen. Und das braucht Zeit.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt, eine Einheit auf dem Sofa bringt manchmal mehr als ein zusätzliches Training?

Geisler: Ja, aber man muss ja nicht nur passiv regenerieren. Wenn man trotzdem Lust auf Sport hat, kann man sich weiterhin locker bewegen. Mein Credo ist aber: Suche dir dann eine andere Sportart, als die, die du vorher gemacht hast. Also: Läufer sollten dann lieber schwimmen oder locker radeln. Dann regeneriert man sogar schneller.

Anzeige

Ein Interview von Frank Joung

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Planken
wind_stopper 05.02.2016
klasse Artikel-Bild!
2. Übungen am Seitpferd für den Rumpf besonders effektiv
zoon.politicon 06.02.2016
Kann den Tenor des Beitrages aus persönlicher Erfahrung nur bestätigen: Rumpf ist Trumpf! Vor allem Turnen in der Jugund mit Übungen am Seitpferd wie einfache Scheren und Kreisflanken, die verschiedene Muskelketten des Rumpfes dynamisch fordern, haben bei mir bewirkt, dass ich bis heute noch nie Rückenscherzen hatte, das als End-Sechziger und trotz vielfältiger körperlicher / sportlicher Tätigkeiten.
3. Warum eigentlich ...
Pelao 06.02.2016
...ligen bei diesen Entzschedungen nur Kandidatne aus Ländern vorne, die per se zu den höchsten Kandidaten für Seilschaften und Korruption gelten ...
4.
jens.andresen667 06.02.2016
Es gibt keine nichtfunktionalen Muskeln. Auch die scheinbaren aufgepumpten "Show"-Muskeln sind funktional. Sie sind sehr speziell dafür trainiert in einer möglichst kontrollierten Bewegung einen bestimmten Widerstand zu überwinden (Körpergewicht, Hantel usw.) Die Besonderheit im Gegensatz zum Kraftraining kann z.B. darin liegen den Zielmuskel möglichst isoliert anzugreifen bzw. belasten unter Einhaltung einer vorher definierten Wiederholungszahl bei gleichzeitiger Ausschöpfung zur Verfügung stehender Kraft- bzw. Kraftausdauerreserven.
5. Krafttraining...
fatherted98 07.02.2016
...richtig durchgefuerht...trainiert genau den beschriebenen Core....Grunduebungen die jeder druchfuehren sollte machen genau dass...nur werden die im Fitness Studio nicht gezeigt bzw. sind dort nicht gern gesehen, weil die richtige Ausfuehrung Technik erfordert...da muessten die sogenannten Trainer dort ja arbeiten an statt irgend eine Maschine voreinzustellen und wieder hinter der Theke zu verschwinden.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel:



Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel: