Im Körper eines Fußballers Die Muskeln

"Er hat keine Muskeln", sagte Diego Maradona nach dem Spiel gegen Portugal über Thomas Müller. Tatsächlich verbergen sich in dessen Waden keine Muskelhaufen, sondern auf andere Weise hochspezialisierte Zellen.

Eine Muskelfaser ist dasselbe wie eine Muskelzelle. Bei Fußballern besitzen die Zellen mehr Mitochondrien und verzweigtere Kapillaren.
SPIEGEL ONLINE, Corbis

Eine Muskelfaser ist dasselbe wie eine Muskelzelle. Bei Fußballern besitzen die Zellen mehr Mitochondrien und verzweigtere Kapillaren.

Von und (Grafiken)




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Gut zu wissen

Ein ausdauernder Muskel unterscheidet sich grundsätzlich von einem auf Kraft getrimmten Muskel. Während sich die Muskelfasern beim Krafttraining verdicken, um einen möglichst großen Widerstand zu überwinden, verändert Ausdauertraining die Muskelzellen auf einer ganz anderen Ebene: Es perfektioniert ihre Energieausbeute.

Dafür steigert der Muskel die Zahl und die Größe seiner Mitochondrien. In den als Kraftwerke der Zelle bezeichneten Gebilden befindet sich ein komplexes Enzymsystem, das Zucker oder Fettsäuren mithilfe von Sauerstoff zerlegt - und dadurch den Zellen Energie zur Verfügung stellt. Daneben besitzen ausdauertrainierte Muskelzellen deutlich größere Glykogenspeicher, in denen sie Kohlenhydratvorräte anlegen können.


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Im Spiel

Alles für den Muskel, so lautet die Blutverteilungsdevise während des Spiels. In Ruhe entnehmen Muskelzellen dem vorbeiströmenden Blut etwa 15 Prozent des Sauerstoffs, beim Spiel nutzen sie fast allen. Zusätzlich steigt die Durchblutung enorm an: In Extremsituationen fließen bis zu 90 Prozent des kompletten Bluts, das das Herz durch den Körper pumpt, in die Skelettmuskeln. In Ruhe sind es nur etwa 20 Prozent.

Trotzdem krümmen sich am Ende vieler Spiele die Fußballer am Boden - ihre Muskeln gehorchen ihnen nicht mehr. Bei Krämpfen ziehen sich die Muskeln extrem zusammen und verlieren für kurze Zeit ihre Fähigkeit, sich zu entspannen. Das Rätsel, wie genau Krämpfe entstehen, konnten Forscher noch nicht lösen. Klar ist nur, dass sie Folge totaler Überanstrengung sind. Der Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen hat dabei keinen Einfluss, ein grundsätzlich heißes und schwüles Klima hingegen schon.


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Nach dem Spiel

Ein Teil einer Muskelfaser, aufgenommen mit einem Transmissionselektronen-Mikroskop: Lila zeigt sich ein Zellkern, bei den dunklen Linien, die von oben nach unten verlaufen, handelt es sich um die Z-Scheiben. Sie trennen winzige Einheiten voneinander, die sich im Muskel zusammenziehen und so den ganzen Muskel verkürzen. Bei Muskelkater sind rund 30 Prozent dieser Z-Scheiben beschädigt.
Corbis

Ein Teil einer Muskelfaser, aufgenommen mit einem Transmissionselektronen-Mikroskop: Lila zeigt sich ein Zellkern, bei den dunklen Linien, die von oben nach unten verlaufen, handelt es sich um die Z-Scheiben. Sie trennen winzige Einheiten voneinander, die sich im Muskel zusammenziehen und so den ganzen Muskel verkürzen. Bei Muskelkater sind rund 30 Prozent dieser Z-Scheiben beschädigt.

Nach der Anstrengung kommt der Muskelkater, so kennen es Freizeitathleten. Bei Profis sind die Muskeln so gut trainiert, dass Muskelkater selten sein dürfte. Wenn es mit den Spielen in die Verlängerung geht, wenn die Fußballer über 120 Minuten über das Feld hetzen müssen, sind aber auch sie wahrscheinlich nicht gefeiht.

Muskelkater entsteht durch winzige Risse in den Muskelfasern. Er lässt sich nicht nur an den Schmerzen messen, sondern auch an Eiweißen, die sich eigentlich im Muskel befinden und durch verletzte Zellmembranen nach außen dringen. Nach dem Training bleibt der Skelettmuskel in der Regel 12 bis 48 Stunden gereizt, bei Muskelkater aber können die typischen Schmerzen bis zu eine Woche andauern.



Hauptquellen: "Sportphysiologie" von Horst de Merées, erschienen im Sportverlag Strauß; "Sportmedizin" von Peter Markworth, erschienen bei der Nikol Verlagsgemeinschaft und "Anatomie und Physiologie" von Gerald Tortora und Bryan Derrickson, erschienen bei Wiley-VCH.




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