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Bikinifigur: Die Illusion vom schnellen Abnehmen

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Frau am Strand: "Man will sich ja wohlfühlen, am Strand, nicht wahr?" Zur Großansicht
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Frau am Strand: "Man will sich ja wohlfühlen, am Strand, nicht wahr?"

Vor dem Sommerurlaub noch fix ein paar Pfunde loswerden - aber keine Zeit mehr für Sport? Welche Mittel empfehlen Apotheker? Im Test bekamen zehn Probanden wenig Beratung - aber viele dicke Versprechen.

Wer beim Strandurlaub nicht ständig den Bauch einziehen möchte, aber bislang keine Zeit hatte, dem Winterspeck etwas entgegenzusetzen, der wird vielleicht gerade jetzt etwas hektisch: Wie noch schnell ein paar Pfunde loswerden? Die Zeit drängt, der Sommerurlaub naht! Gibt es da nicht vielleicht etwas aus der Apotheke?

SPIEGEL ONLINE hat wieder Freiwillige in Deutschlands Apotheken geschickt. Zehn Probanden, Männer und Frauen, alle um die 30, gesund, augenscheinlich Normalgewicht. Sie schilderten ihr Problem, ließen sich beraten und kauften ein, was der Pharmazeut ihnen empfahl.

In keinem Fall dauerte dies alles länger als ein paar Minuten. Kein Apotheker hat sich erkundigt, ob einer der Probanden vielleicht an einer Krankheit leide oder ob er vielleicht Diabetiker sei. Keine der Testpersonen wurde in der Apotheke auf eine Waage gestellt. Die Beratung beschränkte sich auf mitleidiges Seufzen und Aussagen wie: "Ach ja, das kenne ich auch", oder "Man will sich ja wohlfühlen, am Strand, nicht wahr?" Zwinker, zwinker.

Ein männlicher Tester wurde immerhin gefragt: "Treiben Sie Sport?" Das helfe nämlich langfristig, erklärte ihm die Apothekerin - und riet dann schnell zu Tabletten, mit 30 Euro die teuerste Abnehmvariante in unserem Test. Ansonsten gaben unsere Probanden im Schnitt 20 Euro aus.

Laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände wurden 2014 rund 3,2 Millionen Packungen Diätmittel gekauft. Der Umsatz für die Pharmazeuten lag bei 200 Millionen Euro. Ähnlich viel Geld geben die Deutschen für Mittel gegen Haarausfall aus.

ZUR PERSON
  • IQWiG
    Peter Sawicki, Jahrgang 1957, arbeitet als Internist und Diabetologe. Von 2004 bis 2010 war er Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Köln. Das unabhängige Institut prüft systematisch den Nutzen und die Schädlichkeit von Medikamenten.

Der Arzt und Medizinwissenschaftler Peter Sawicki bewertet für SPIEGEL ONLINE die verkauften Mittel anhand anerkannter Übersichtsstudien. Als zweiter Experte zieht Hans Hauner vom Zentrum für Ernährungsmedizin am Münchner Klinikum rechts der Isar sein Fazit.

Sehen Sie in unserer Aufstellung, was die Mittel taugen.

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insgesamt 73 Beiträge
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1. oben-unten
nafetsgnilhor 03.07.2015
Ganz einfach! Oben weniger reinstecken, dann setzt es unten weniger an.
2. Umsatz
ompo58 03.07.2015
Ich frage mich, wieso man sowas studieren muss. Apotheker sind heute doch nur noch Verkäufer. Nur der Umsatz zählt.
3. Bringt nichts
vandersteeg 03.07.2015
Zitat von nafetsgnilhorGanz einfach! Oben weniger reinstecken, dann setzt es unten weniger an.
Bringt aber nichts, wenn es "unten" schon da ist! Darum ging es ja den Probanden.
4. Die Globuli mal wieder...
wdiwdi 03.07.2015
Wenn eine Charge eines schulmedizinischen Arzneimittels versehentlich Graphit enthalten würde, würde das zu einer massiven Rückrufaktion führen und der Hersteller hätte richtig Ärger. Graphit ist kein zugelassener Arzneimittelinhaltsstoff, nicht einmal als Inertstoff (als Hilfsmittel zur Glättung/Schmierung etc.).
5. Herr Experte ...
interdit 03.07.2015
"Der Magen misst nicht, womit er gefüllt wird, nur dass er gefüllt wird." Diese Aussage ist schlicht und ergreifend falsch.
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