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Leitungswasser: So testen Sie Ihre Rohre auf Blei

Wie können sich Mieter wehren, wenn sie Bleirohre in ihrem Haus vermuten? Thomas Rapp vom Umweltbundesamt erklärt, wie sich Leitungswasser auf das Schwermetall testen lässt und warum er von Wasserfiltern abrät.

Leitungswasser: Beratung zur Belastung von Trinkwasser bietet das Gesundheitsamt Zur Großansicht
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Leitungswasser: Beratung zur Belastung von Trinkwasser bietet das Gesundheitsamt

Zur Person
Thomas Rapp ist promovierter Diplomingenieur und im Umweltbundesamt in Bad Elster zuständig für Materialien und Werkstoffe, die in Kontakt mit Trinkwasser kommen.
SPIEGEL ONLINE: Was können Mieter tun, wenn sie den Verdacht haben, dass Bleirohre im Haus liegen?

Rapp: Wenn man keine zufriedenstellende Antwort vom Vermieter bekommt, sollte man sich ans Gesundheitsamt wenden. Dort weiß man oft mehr und kann gegebenenfalls auch veranlassen, dass eine Probe entnommen wird.

SPIEGEL ONLINE: Lässt sich mit kommerziellen Tests, zum Beispiel bestellt bei Anbietern im Internet, zuverlässig feststellen, wie groß die Belastung ist?

Rapp: Ein solcher Test liefert einen ersten Hinweis darauf, ob eventuell noch Bleileitungen vorhanden sind. Aber um zu überprüfen, ob der Grenzwert überschritten wird, muss eine ordnungsgemäße Probenentnahme gemacht werden. Das ist der einzige Weg, mit dem der Vermieter verpflichtet werden kann, die Leitungen auszutauschen. Damit sollte man sich ans Gesundheitsamt wenden. So wird sichergestellt, dass die Proben von geschultem Personal entnommen und in einem zugelassenen Labor untersucht werden.

SPIEGEL ONLINE: Wer bezahlt diese Probenentnahme?

Rapp: Das Gesundheitsamt kann sie in Auftrag geben, aber der Hausbesitzer muss meist zahlen. Wenn ich eine solche Probe als Mieter in Auftrag gebe, muss ich die Kosten zunächst selbst tragen. Wenn aber nachgewiesen wird, dass der Grenzwert überschritten ist, sollte der Hausbesitzer die Kosten erstatten.

SPIEGEL ONLINE: Die Probenentnahme, wie sie vom Umweltbundesamt empfohlen wird, ist nicht ganz einfach zu verstehen - warum soll man drei Proben nehmen?

Rapp: Unsere Empfehlung zur Probenentnahme richtet sich an geschulte Probennehmer und an die Gesundheitsämter. Dies kann der Grund sein, warum sie für Laien nicht ganz einfach zu verstehen ist. Die gemessenen Blei-Konzentrationen im Trinkwasser können sich auch an ein und demselben Wasserhahn sehr stark unterscheiden, je nachdem, wann eine Probe aus der Leitung entnommen wird. Je länger das Wasser in den Leitungen steht, desto höher ist die Bleimenge, die in das Trinkwasser übergeht. Mit den drei Proben wird erfasst, an welchen Stellen in der Installation Blei ins Trinkwasser übergeht.

SPIEGEL ONLINE: Wie läuft die Entnahme ab?

Rapp: Zuerst wird der Wasserhahn voll aufgedreht, und es wird gewartet, bis die Installation richtig durchspült wurde - dadurch erhält man den Wert für das Wasser, so wie es vom Versorger angeliefert wird. Danach wird der Wasserhahn für vier Stunden geschlossen. Nach dieser Zeit wird er wieder geöffnet und es wird der erste Liter als zweite Probe genommen - daraus kann man ersehen, ob die Armatur oder die Anschlussleitungen Schwermetalle abgeben. Der nächste Liter wird dann als dritte Probe aufgefangen. Sie kann Aufschluss darüber geben, ob die Steigleitung aus Blei ist. Mit dieser Probenentnahme kann ermittelt werden, ob der Wochenmittelwert für den Parameter Blei überschritten wird.

SPIEGEL ONLINE: Was ist der Wochenmittelwert?

Rapp: Die Trinkwasserverordnung setzt Grenzwerte für Blei, Kupfer und Nickel - und zwar als Wochenmittelwerte. Sie werden vor allem dadurch beeinflusst, wie lange Wasser in der Leitung steht. Die Konzentrationen dieser Stoffe im Trinkwasser können sehr unterschiedlich sein. Gesundheitliche Risiken sind unwahrscheinlich, wenn man gelegentlich Wasser mit Schwermetall-Konzentrationen oberhalb des Grenzwertes zu sich nimmt. Sie können aber auftreten, wenn dies häufig geschieht. Mit der Probenentnahme muss daher abgeschätzt werden, wie hoch die Konzentration im Wochenmittel sein kann.

SPIEGEL ONLINE: Manche Häuser haben zwar keine Leitungen aus Blei, aber die Anschlüsse an die Wasserversorgung sind noch aus Blei - wie und wo kann man erfahren, ob das der Fall ist?

Rapp: Die Wasserversorger wissen das - und mit der Umstellung auf den neuen Grenzwert haben sie große Anstrengungen gemacht, diese Anschlüsse auszutauschen. Die Kosten werden allerdings von den meisten Wasserversorgern auf die Hausbesitzer umgelegt. Wenn der Hausbesitzer sich geweigert hat, die Kosten zu tragen, kann es sein, dass das Haus noch mit Bleirohren an die Wasserversorgung angeschlossen ist.

SPIEGEL ONLINE: Er ist nicht dazu verpflichtet?

Rapp: Nur dann, wenn die Grenzwerte überschritten sind. Auch Bleileitungen im Haus müssen nur ausgetauscht werden, wenn die Grenzwerte überschritten werden.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt Wasserfilter, die Blei aus dem Wasser entfernen - sind diese zu empfehlen?

Rapp: Wir empfehlen, auf Wasserfilter für die Entfernung von Blei zu verzichten, denn der Filter muss regelmäßig gewartet werden, was im privaten Haushalt leicht vergessen wird. Wird der Filter nicht regelmäßig getauscht, kann das Trinkwasser mit Keimen belastet werden. Zudem können höhere Bleikonzentrationen aus dem Filter ins Trinkwasser kommen als sonst im Trinkwasser vorhanden sind, wenn der Filter noch benutzt wird, nachdem seine Kapazität erschöpft ist.

BLEI IM LEITUNGSWASSER - FRAGEN AN DEN EXPERTEN

Das Interview führte Frederik Jötten.

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Automatisch rückspülbare Filter
paulemaule 21.11.2014
Gibt es auch. Am einfachsten wenn zusätzlich schon ein Abfluss in der Nähe ist. Jedoch müssen auch diese gewartet werden..
2. Osmose-Filter
oseberg 21.11.2014
Rückspülfilter sind Blödsinn, nur für Sand und ähnlichegrobe Verschmutzungen,- wenn überhaupt, dann Osmoseanlagen.
3. contra
townsville 21.11.2014
Osmosefilter (korrekt: Umkehrosmose) sind sehr schwierig zu warten und zu betreiben (wg. Minimaldurck, Abwasserableitung bzw. Sidestreamfilter etc.). Sie senken zudem den pH-Wert des Wassers und demineralisieren soweit, dass das Endprodukt als Trinkwasser nicht zu empfehlen ist. Umkehrosmose ist für den Privatgebrauch daher wirklich ungeeignet, das braucht man eher im Labor und der Industrie.Sag ich mal als ehemaliger "Wasserwerker".
4. Unsinn gibt es immer wieder
Joey31114 21.11.2014
Mit 30 Jahren Erfahrung in leitender Funktion in der Baubranche, sind mir nur höchst selten Bleirohre begegnet. Und wenn, dann im Abwasser. Im Zuwasser halten sie den heutigen Drücken überhaupt nicht mehr stand. Blei ist bekanntlich relativ weich. Es ist leichter sich einen Gehirnbandwurm( bei einem zurückgekehrten Engländer aus China entdeckt) zu holen, als solchen Dingen zum Opfer zu fallen. Aber, testet man und bereichert die zugehörige Chemielobby!
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