Klettersport Bouldern Mit dem Kopf gegen die Wand

Mehr Sport, das ist ein typischer Vorsatz fürs neue Jahr. Muss ja nicht immer Joggen sein. Zum Jahreswechsel stellen wir ein paar exotischere Sportarten vor. Diesmal: Bouldern - ein Klettersport, der auch die Denkmuskeln fordert.

Julia Köppe

Worum geht es?

Bouldern ist ein Klettersport. Und wer damit anfängt, hat sofort ein Problem, genau genommen sogar mehrere. Als "Probleme" werden nämlich die Routen bezeichnet, die abgeklettert werden. Unterschiedliche Grifffarben kennzeichnen verschiedene Wege. Diese wiederum sind unterschiedlich schwierig.

Das Problem ist gelöst, wenn der Kletterer oben ankommt und auf seinem Weg nur Griffe einer bestimmten Farbe verwendet hat. Die Wände sind maximal viereinhalb Meter hoch. Sprünge aus dieser Höhe gelten meist als ungefährlich, Matten auf dem Boden federn Stürze zusätzlich ab. Deshalb ist man auch anders als beim Klettern ohne Seilsicherung an der Wand unterwegs.

Für wen soll das gut sein?

Bouldern ist eigentlich für jeden geeignet. "Frauen fällt das Bouldern am Anfang meist leichter als Männern", sagt Patrick Stange. Er ist Trainer in einer Kletterhalle in Hamburg. Frauen setzten zu Beginn eher auf Taktik, Männer auf Muskelkraft. "Dadurch stürzen Männer besonders am Anfang häufiger ab", so Stange. Bouldern stärkt vor allem die Muskulatur des Oberkörpers und verbessert die Körperspannung. Für Menschen mit einem Bürojob ist es also ein idealer Ausgleich.

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Bouldern: Wir haben da ein Problem

Ein weiterer Pluspunkt für den Neujahrsvorsatz: In Boulderhallen lässt es sich auch an Wintertagen bei angenehmen Temperaturen klettern.

Gerade am Anfang ist es jedoch wichtig, sich nicht zu übernehmen, um Muskeln und Bänder, die das Gewicht mit halten müssen, an die Belastung zu gewöhnen. Zudem lastet viel Gewicht auf den Fingern. "Wer also Probleme mit den Händen hat, sollte vorsichtig sein", warnt Stange.

Menschen mit Knieproblemen oder Übergewicht sollten zudem immer zurückklettern und nicht abspringen. Auch Jugendliche müssen aufpassen. Weil sie noch wachsen, sind ihre Gelenke häufig noch nicht richtig stabil. Minderjährige benötigen beim Bouldern generell die Erlaubnis der Eltern.

Was kostet das?

Für ein Tagesticket in einer Boulderhalle fallen ungefähr zwischen 5 Euro und 13 Euro an. Die meisten Hallen bieten Zeitkarten oder Abos an. Besonders günstig ist es morgens und spätabends.

Ein Manko: Kletterhallen gibt es meist nur in größeren Städten. Man kann zwar auch draußen an Felsen üben, dort gibt es aber meist keine gekennzeichneten Wege oder Absicherungen. Anfänger sind deshalb besser in einer Halle aufgehoben. Bouldern wird aber immer beliebter, ständig eröffnen neue Hallen.

Fortgeschrittene legen sich häufig Kletterschuhe zu, die kosten zwischen 40 und 150 Euro. Anfänger können normale Sportschuhe tragen oder Kletterschuhe direkt in der Halle ausleihen. Sitzen die Schuhe besonders eng und unbequem, sind sie übrigens genau richtig. Nur so hat man beim Klettern den richtigen Halt.

Was bringt daran Spaß?

Gerade am Anfang verläuft die Lernkurve steil. Erste Erfolge werden auch an den Muskeln schnell sichtbar - eine Bodybuilder-Figur bekommt man allerdings nicht. "Bouldern ist kommunikativ und erfordert Köpfchen", sagt Stange. "Die Leute unterhalten sich über die Probleme und suchen oft gemeinsam nach Lösungen." Die Griffe der Boulderstrecken werden regelmäßig neu geschraubt, sodass sich auch erfahrene Kletterer nicht langweilen.

Beim Bouldern geht es auch um Selbstkontrolle und darum, die Angst vor dem Fallen zu überwinden. Denn die mehr als vier Meter hohen Boulderwände sind eine Herausforderung für sich.



insgesamt 4 Beiträge
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taste-of-ink 29.12.2016
1. Kletterschuhe...
... müssen zwar in der Tat eng sitzen, dürfen aber trotzdem keine Schmerzen verursachen. Dann drohen nämlich mittelfristig ernsthafte orthopädische Probleme.
noalk 29.12.2016
2. Bitte richtige Zeichensetzung
"Deshalb ist man auch anders als beim Klettern ohne Seilsicherung an der Wand unterwegs." - - - Diesen Satz habe ich mehr als ein Mal lesen müssen, um ihn richtig zu verstehen. Mit Kommas an der richtigen Stelle wäre das nicht passiert: "Deshalb ist man auch, anders als beim Klettern, ohne Seilsicherung an der Wand unterwegs." Fehlende Satzzeichen erschweren nun mal das schnelle Lesen.
neutron76 30.12.2016
3. Die
Magnesia.... Ein bissl Geschichte wäre noch interessant gewesen, aber gab auch schon andere Artikel zum Bouldern auf SPON. Mittlerweile ist es sehr trendig im süddeutschen Raum.
medic1972 30.12.2016
4. Verletzungsgefahr unterschätzt
Wir hatten bereits mehrere Verletzte nach Bouldern in der Klinik, u.a. Wirbelsäulenverletzungen und Schienenbeinbrüche. Auch 3-4 Meter reichen für schwere Verletzungen aus.
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