Kältetraining: Eine coole Diät-Idee

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Frieren für die Figur: Diese junge Dame benötigt sicher kein Abnehmprogramm

Statt Sport und Diät einfach die Heizung runterdrehen und dadurch abnehmen? Niederländische Forscher sagen, dass das beim Kampf gegen Übergewicht helfen könnte. Ein Allheilmittel ist die innere Heizung aber nicht.

Weniger Kalorien zu sich nehmen und mehr durch Sport verbrennen: Im Prinzip lassen sich alle Diäten auf die einfache Formel herunterbrechen, dass weniger Energie aufgenommen sowie mehr verbraucht werden muss. Dabei ist egal, ob die Abnehmprogramme zum Beispiel feste Nahrung zeitweise durch Eiweiß-Shakes ersetzen, die Abnehmwilligen per Punktesystem zum Ziel bringen wollen oder zu mehr Bewegung im Alltag mahnen - Stichwort: Treppensteigen statt Fahrstuhlfahren.

Einigen Forschern fehlt jedoch etwas in dieser vereinfachten Bilanz: Die Energie, die Menschen verbrauchen, um ihre Körpertemperatur zu halten. "Wir heizen und kühlen unsere Unterkünfte, so dass sie so angenehm wie möglich sind, wodurch sich der Energiebedarf minimiert, den wir zur Kontrolle der Körpertemperatur benötigen", schreiben niederländische Wissenschaftler im Fachmagazin "Trends in Endocrinology and Metabolism". "Was würde sich verändern, wenn wir unsere Körper wieder arbeiten lassen, um die richtige Temperatur zu halten", fragt das Team um Wouter van Marken Lichtenbelt von der Uniklinik in Maastricht.

Dabei geht es nicht ums große Bibbern draußen im Schnee, sondern eher darum, Innenräume nicht permanent auf relativ hohe Wohlfühltemperaturen zu heizen. Denn der Körper braucht schon bei milder Kälte mehr Energie, um seine Kerntemperatur zu halten, ganz ohne dass man zu zittern beginnt.

Braune Fettzellen produzieren Wärme

Als interne Heizung arbeitet ein Gewebetyp, der erst seit relativ kurzer Zeit verstärkt Beachtung findet: das braune Fettgewebe. Nur etwa 50 bis 100 Gramm braunes Fett hat ein Erwachsener im Körper, mit dem Alter wird es weniger. "Es sitzt, vermischt mit gewöhnlichem weißen Fettgewebe, im Oberkörper - unter anderem entlang der Wirbelsäule, an größeren Blutgefäßen und im Bereich der Schlüsselbeine", sagt Tim Schulz, der sich am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (Dife) mit dem Thema Fettzellentwicklung beschäftigt. Meist ist das Gewebe inaktiv. Etwa bei der Hälfte der Erwachsenen lässt sich jedoch nach einigen Stunden in kühler Umgebung eine erhöhte Aktivität des braunen Fettgewebes nachweisen, bei der anderen Hälfte dagegen nicht.

Marken Lichtenbelt und Kollegen führen in ihrem Übersichtsartikel unter anderem zwei aktuelle Studien an (hier und hier), die dafür sprechen, dass Menschen mit etwas Kältetraining mehr Energie verbrennen, um die Körpertemperatur zu halten, und dass sie dadurch Körperfett abbauen. Regelmäßige mehrstündige Aufenthalte in etwas kühleren Gefilden führen laut den Experimenten sogar dazu, dass die braunen Fettzellen auch bei vielen Menschen aktiv werden, bei denen sie zunächst nicht nachweisbar arbeiteten. Außerdem, so argumentieren die Forscher, gewöhnten sich Menschen relativ zügig an die kühlere Umgebung. Man müsste also nicht zitternd vor sich hin leiden. Die Forscher beschreiben ein an die Jahreszeiten angepasstes Modell - mit kühleren Innenräumen in den Wintermonaten.

Um eine Idee vom Kältetraining zu bekommen: In der zitierten japanischen Studie verbrachten Männer, bei denen zuerst keine oder fast keine Aktivität des braunen Fettgewebes gemessen wurde, sechs Wochen lang je zwei Stunden pro Tag bei 17 Grad Celsius in leichter Kleidung. Die zusätzlich verbrauchte Energie fürs körperliche Heizen lag in den verschiedenen Experimenten bei etwa 150 bis 180 Kilokalorien pro Tag.

Kältekammer oder kühler Wohnraum?

Tim Schulz warnt vor vorschnellen Schlüssen. "Für eine generelle Empfehlung ist es aus meiner Sicht zu früh. Es fehlen weitere kontrollierte Studien und epidemiologische Daten, die belegen, dass der Ansatz sinnvoll ist." Auch stelle sich noch die Frage, welche Art von Kälte es denn sein darf. Einfach die Wohnung weniger heizen? Oder regelmäßig in eine Art Kältekammer gehen anstatt wie früher unters Solarium?

Weitere Effekte der regelmäßigen Kühlung müsste man ebenfalls beobachten - so verengen sich in der Kälte etwa die Blutgefäße und möglicherweise reagiert auch das Immunsystem auf die Temperaturwechsel.

"Dass sich Menschen häufiger der Kälte aussetzen, wird die Welt nicht retten", schreiben die Niederländer, "aber es ist ein ernstzunehmender Faktor, wenn es um Umweltverträglichkeit und einen gesunden Lebensstil geht." Heizkosten ließen sich mit der Methode immerhin auch eindämmen.

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insgesamt 31 Beiträge
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    Seite 1    
1. Kälte Füße
charliebrown67 23.01.2014
Meine Freundin klagt das ganze Jahr über kalte Füße, wird ihre extra Pfunde aber trotzdem nicht los!
2. wie sinnfrei
paps 23.01.2014
..100 g braunes fett verheizt, ist man 100 g leichter. ich wünsch viel erfolg!
3.
XRay23 23.01.2014
Tolle Sache, denn die resultierenden Erkältungen führen sicher zu noch höherem Energieverbrauch. Wenn die hustenden und vor sich hin rotzenden Leute dann un den öffentlichen Verkehrsmitteln sitzen, haben sogar die wärmeliebenden Menschen was davon.
4.
Aquifex 23.01.2014
Zitat von sysopStatt Sport und Diät einfach die Heizung runterdrehen und dadurch abnehmen? Niederländische Forscher sagen, dass das beim Kampf gegen Übergewicht helfen könnte. Ein Allheilmittel ist die innere Heizung aber nicht. Braunes Fett und Kältetraining: Heizung runter zum Abnehmen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/braunes-fett-und-kaeltetraining-heizung-runter-zum-abnehmen-a-944666.html)
Daß kalte Umgebungstemperaturen Energiekosten ist ein uralter Hut. Man merkt das auch, wenn mans ich längere Zeit in einer sehr heissen Umgebung aufhält, z.B. für 4 Wochen an den Äquator geht: Man ißt vielleicht 2/3 von dem, was man hier so braucht. Umgekehrt muß man in der Arktis ganz schon schaufeln, um satt zu werden. Das Problem ist nur: Wenn man durch kurzeitige Kälte seinen Kalorienverbrauch hochfährt, hat man hinterher einen Bärenhunger. Ißt man dann die verbauchten kalorien wieder, hätte man sich die ganze Prozedur auch sparen können. Das gleiche gilt für Sport: 10 km laufen verbrauchen ca. 900 Kalorien. ..und der Körper will die auch haben. Mit anderen Worten: Man kann genausogut einfach nichts essen und sich den Aufwand der Zusatzaktionen sparen. Interessanterweise hat bie mir tatsächlich weight watchers am besten geholfen, was das Abnehmen angeht..
5. 4-Stunden-Körper
steinzeitmann 23.01.2014
Ist nichts neues. Das ganze kann man z.B. bei Tim Ferris schon seit Jahren lesen.
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Zur Autorin
  • Nina Weber ist Biochemikerin und Krimiautorin mit einem Faible für kuriose Studien. Sie ist Redakteurin im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.

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