Verschluckungsgefahr Aigner drängt auf Warnhinweise für Bubble Tea

Prickelndes Geschmackserlebnis, Dickmacher aus Fernost oder gefährliches Modegetränk? Beim Thema Bubble Tea scheiden sich die Geister. Jetzt fordert das Verbraucherministerium Warnhinweise beim Verkauf des Gebräus. Kinder könnten sich an den Perlen verschlucken.

dapd

Berlin - Bubble Tea, Gabel, Schere, Licht - ist für kleine Kinder nicht! Das Bundesverbraucherministerium fordert Warnhinweise beim Verkauf des Modegetränks. Denn die süßen Kügelchen im Tee können in die Atemwege von Kleinkindern gelangen. Das hat eine Prüfung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ergeben, wie das Ministerium am Donnerstag mitteilte. Verbände und die Lebensmittelüberwachung sollen die Verkäufer von Bubble Tea jetzt auffordern, auf diese Gefahr aufmerksam zu machen - mit möglichst einheitlichen Warnhinweisen.

Ein Ministeriumssprecher erklärte, das Bundesinstitut komme zu dem Ergebnis, dass beim Verkauf von Bubble Tea Hinweise zur Verschluckungsgefahr bei Kindern erforderlich seien. Auch der FDP-Ernährungsexperte Hans-Michael Goldmann verlangt eine klare Kennzeichnung von Bubble Teas. "Ich fordere eindeutige Warnhinweise", sagte der Vorsitzende des Ernährungsausschusses des Bundestags am Donnerstag in Berlin.

Ähnlich sieht das auch der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte. Die Kügelchen hätten eine kaugummiartige Konsistenz und ließen sich nicht zerbeißen, sagte Präsident Wolfram Hartmann. Kleinkinder, die sie über den dicken Strohhalm aufsaugen, könnten sich daher leicht daran verschlucken. Über die Bronchien in die Lunge gelangt, könnten die Kügelchen eine Lungenentzündung auslösen.

Gleichwohl wies das Verbraucherministerium aber ausdrücklich darauf hin, dass bisher keine Komplikationen gemeldet worden seien, die von Bubble Tea verursacht worden seien - weder in Deutschland noch aus dem Ausland.

Eltern sollten aber bei Kindern bis vier Jahren die gleichen Vorsichtsmaßnahmen beachten, die auch für den Verzehr von Erdnüssen oder Gummibärchen gelten. "Wegen der Gefahr des Verschluckens beziehungsweise des Einatmens sollten Eltern von Kleinkindern hier besonders aufmerksam sein", erklärte das Ministerium.

In jedem Fall eine Kalorienbombe

Die Grünen im Bundestag warfen Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) vor, auch beim Bubble Tea werde sie erst wieder auf Druck der Opposition aktiv. Vor kurzem hatte die Partei eine kleine Anfrage im Bundestag zum Thema Bubble Tea eingereicht. Fraktionsvize Bärbel Höhn sagte, die angekündigten Warnhinweise seien das eine. Ihre Partei fordere aber auch leicht zugängliche Informationen über den Kalorien- und Nährstoffgehalt.

"Manche Bubble Teas enthalten doppelt so viel Zucker wie Cola", sagte Höhn und verlangte: "Die Verbraucher müssen erkennen können, um was für eine Kalorienbombe es sich bei dem Getränk handelt." Auch Goldmann verlangte deutlichere Hinweise auf den hohen Zucker- und Koffeingehalt. Ein Becher Bubble Tea enthält einem Schnelltest der Stiftung Warentest zufolge bis zu 30 Stück Würfelzucker.

Einem Hersteller zufolge ist "ein Bubble Tea ein Getränk auf der Basis von gesüßtem grünem oder schwarzem Tee, das mit Milch und Fruchtsirup versetzt und wie ein Milchshake zubereitet wird". Zugesetzt werden Kügelchen aus Tapioka, für die das Stärkemehl der Maniokwurzel mit Ahornsirup vermischt wird. Die Masse wird 30 Minuten gekocht, wird dann schwarz und hat eine "gummiartige Konsistenz". Weiterer Bestandteil können sogenannte Popping Bobas sein: "Dies sind mit Saft in verschiedenen Geschmacksrichtungen gefüllte kleine Kugeln, welche beim Draufbeißen zerplatzen und den enthaltenen Saft freigeben."

Nach Angaben der Marktforschungsgesellschaft GfK wurde allein von Januar bis April dieses Jahres mit Bubble Tea ein Umsatz von 4,4 Millionen Euro erzielt. Ursprünglich stammt das Getränk aus Taiwan. Inzwischen saugen auch in Deutschland vor allem Teenager gerne die schwarzen oder bunten Perlen zusammen mit einem Mixgetränk durch einen extradicken Strohhalm. Laut Stiftung Warentest ist Bubble Tea kein natürliches Teegetränk, sondern "ein künstlicher Softdrink mit synthetischen Farbstoffen und Aromen".

Wichtige Fakten zum Bubble Tea
Vom Eistee zum Trendgetränk
Seit Anfang der achtziger Jahre gibt es den Bubble Tea in Taiwan. Ursprünglich war das Getränk eine Mischung aus Tee, Milch und Eis. Da beim Schütteln kleine Bläschen auf der Oberfläche entstehen, wurde das Getränk Bubble Tea oder auch Pearl Milk Tea genannt. Mehrere Mythen ranken sich um seine Entstehung. Zwei große Teehäuser sollen sich um den Geniestreich streiten.

Eine dieser Mythen geht so: Weil sie Kinder wieder für das Teetrinken begeistern wollten, gaben die Erwachsenen in Taiwan die süßen Tapiokaperlen in den Tee – sozusagen als Belohnung für das Austrinken. Bis dahin wurden die Tapiokaperlen nur pur, beispielsweise als Nachspeise, gereicht. In Asien wird der Tee nicht als Softdrink, sondern als Tee-Mahlzeit konsumiert. Beliebt ist er nicht nur bei Kindern, sondern bei allen Altersgruppen.
Skandal um Bubble Tea
Im vergangenen Jahr machte nach Angaben der Stiftung Warentest ein Lebensmittelskandal im Herkunftsland des Bubble Tea Schlagzeilen. In einem Sirup aus Taiwan, der auch für Bubble Tea verwendet wird, hatten Experten den Weichmacher DEHP nachgewiesen. Bei der Stichprobe der Warentester haben die Prüfer den Stoff jedoch nicht nachgewiesen.
Die Perlen
Perlen aus Tapioka, der tropischen Maniokwurzel, machten den Anfang im Bubble Tea. Erst später kamen die bunten Perlen dazu. Sie sind außen weich, innen bissfest und werden aus der Maniokwurzel hergestellt. In Asien, Afrika und Südamerika sind sie extrem beliebt. Sie gelten aufgrund ihres Stärkegehalts auch als Kartoffeln der Tropen. Maniok ist für viele Menschen auf der Welt zudem ein Grundnahrungsmittel. In Asien wird es am häufigsten angepflanzt. Hergestellt werden die Tapioka-Perlen für den Bubble Tea nach dem Prinzip der molekularen Küche. Tapioka ist von Natur aus mehlig weiß. Für die dunkle Farbe der Kugeln wird die Stärke mit Ahornsirup versetzt, der beim Kochen karamelisiert.

cib/dapd



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Seite 1
franko_potente 02.08.2012
1.
Zitat von sysopdapdPrickelndes Geschmackserlebnis, Dickmacher aus Fernost oder gefährliches Mode-Getränk? Beim Thema Bubble Tea scheiden sich die Geister. Jetzt fordert das Verbraucherministerium Warnhinweise beim Verkauf des Gebräus. Kinder könnten sich an den Perlen verschlucken. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/0,1518,847894,00.html
Was bitte machen Kleinkinder mit Bubble Tea?! Warnhinweis: Der Verzehr von Bubble Tea durch Kleinkinder zieht eine sofortige Sorgerechtsklage nach sich. Kein Mensch würde ein Stück Zucker an ein Kleinkind "verfüttern" oder dem Cola geben?! Oder doch?
twan 02.08.2012
2.
Zitat von franko_potenteWas bitte machen Kleinkinder mit Bubble Tea?! Warnhinweis: Der Verzehr von Bubble Tea durch Kleinkinder zieht eine sofortige Sorgerechtsklage nach sich. Kein Mensch würde ein Stück Zucker an ein Kleinkind "verfüttern" oder dem Cola geben?! Oder doch?
Ich fürchte oder doch.
legal_reval 02.08.2012
3. Lebensgefahr
Zitat von sysopdapdPrickelndes Geschmackserlebnis, Dickmacher aus Fernost oder gefährliches Mode-Getränk? Beim Thema Bubble Tea scheiden sich die Geister. Jetzt fordert das Verbraucherministerium Warnhinweise beim Verkauf des Gebräus. Kinder könnten sich an den Perlen verschlucken. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/0,1518,847894,00.html
viel angebrachter scheint da doch ein Warnhinweis für die körperliche Liebe zu sein, bei der ja Leben entstehen könnte : "Achtung Sie sind dabei Leben zu schaffen! Leben ist lebensgefährlich! Es endet immer tödlich" Wann kommen wir endlich wieder zurück auf den Boden der Normalität? Wir müssen nicht vor allem und jedem geschützt oder gewarnt werden.
HerrClausen 02.08.2012
4. ...
Zitat von sysopdapdPrickelndes Geschmackserlebnis, Dickmacher aus Fernost oder gefährliches Mode-Getränk? Beim Thema Bubble Tea scheiden sich die Geister. Jetzt fordert das Verbraucherministerium Warnhinweise beim Verkauf des Gebräus. Kinder könnten sich an den Perlen verschlucken. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/0,1518,847894,00.html
Erdnüsse sind auch hochgefährlich ... Smarties auch ... Am schlimmsten aber eine Frau Aigner!
mocalypse 02.08.2012
5.
Hm, ich habe mich gestern Abend an einem Reiskorn verschluckt, ein bisschen gehustet, dann war alles wieder gut. Ich will eine Warnung vor Verschluckungsgefahr auf Reisbeuteln!!! Das ist jedenfalls ein Lebensmittel, welches man Kleinkindern geben kann, im Gegensatz zum übersüßtem Bubble Tea (den ich sehr lecker finde, aber trotzdem nur alle paar Wochen konsumiere)
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