Speis und Zank: Fasten seat belts, das Essen kommt

Eine Kolumne von Jan Spielhagen

Fliegen ist zwar immer noch die schnellste Methode des Reisens, aber schon lange nicht mehr die komfortabelste. Das liegt auch am immer widerlicher werdenden Flugzeugessen, mit dem die Airlines ihre Kundschaft vergraulen. Dabei wäre es ein Leichtes, den Passagier ein wenig zu verwöhnen.

Personal verteilt Snacks im Flieger: "Süß oder salzig?" Zur Großansicht
REUTERS

Personal verteilt Snacks im Flieger: "Süß oder salzig?"

Ja, ja, ich weiß, die Fluggesellschaften haben es schwer. Der Ölpreis steigt kontinuierlich, die Anwohner der Großflughäfen klagen das Geschäftsmodell kaputt, Airbus und Boeing liefern die Maschinen nicht pünktlich aus, und das immer größer werdende ökologische Bewusstsein pulverisiert auch noch das letzte bisschen Prestige, das jenes große Abenteuer Fliegen einst hatte.

Und trotzdem: Das Flugzeugessen ist meistens eine unentschuldbare Zumutung. Es ist nicht nur schlecht zubereitet oder mal nicht so gut gelungen - es ist unerträglich. Widerlich. Den Abstecher durch den menschlichen Körper zur Kanalisation nicht wert.

Das hier soll ausdrücklich nicht der Text eines verwöhnten Hobbykochs werden, der seinen persönlichen Anspruch an die Qualität und den Geschmack von Lebensmitteln zum Maßstab für profitorientierte Unternehmen macht, die ganz sicher unter ausgesprochen widrigen Bedingungen etwas Essbares herstellen müssen.

Es geht nicht darum, das Flugzeug in ein Restaurant zu verwandeln, die zwei Quadratmeter Bordküche mit Induktionstechnik auszustatten oder den namensgebenden Stern aus Star Alliance mit denen des Reifenherstellers Michelin zu verwechseln. Es geht nur um die Frage: noch essbar oder schon ungenießbar? Oder in der Fliegersprache: akzeptable Flughöhe oder Absturz?

Kühlschrankkalte Sandwiches auf dem Klapptisch

Dabei könnte es so einfach sein: Ein frischer Apfel und ein ordentlicher Joghurt aus dem Becher wären doch schon das ganze Geheimnis. Oder ein paar Käsewürfel und etwas Schüttelbrot. Oder ein paar andere der wohlschmeckenden Lebensmittel, die ohne oder fast ohne Zubereitung auskommen, gut halt- und bezahlbar und trotzdem transportfähig sind. Stattdessen werfen die überarbeiteten Flugbegleiter den Passagieren mit mitleidiger Miene kühlschrankkalte Sandwiches auf den Klapptisch, deren Inneres und Äußeres genauso gut bei der Abdichtung feuchter Kellerräume zum Einsatz kommen könnte. Und wie der Passagier die Frage "Pute oder Käse?" zuvor beantwortet hat, ist geschmacklich völlig irrelevant.

Liebe Caterer deutscher Fluggesellschaften, werft einen Blick in die Tupperdosen reisender Familien auf deutschen Autobahnen. Mehr Kreativität und Auswahl ist gar nicht nötig. Kleingeschnittenes Gemüse, Wurzeln, Staudensellerie, Kohlrabi, dazu Schwarz- oder Knäckebrot, vielleicht Frikadellen und Kartoffelsalat und natürlich Obst.

Dann gehören auch dramatische und traumatische Szenen wie die folgende, kürzlich erlebte der Vergangenheit an. Passagier eins im Angesicht seines in der bewährten Aluschale angerichteten Flugzeugessens: "Ist das mein Huhn oder sind das deine Nudeln?" Passagier zwei: "Das kann ich auch nicht erkennen."

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insgesamt 66 Beiträge
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1. fasten seat belts
ospudd 18.03.2013
der heisst ja wohl nicht umsonst fasten guertel.....
2. Recht hat der Mann
Wowbagger9876 18.03.2013
Wobei ich mir oft die Frage stelle, ob es denn wirklich immer sein muss, dass ein Essen angeboten wird, auch wenn man nur 40 oder 50 min in der Luft ist? Muss man denn ständig essen? Das ist meiner Ansicht nach ein Versuch, die Passagiere von der qualvollen Enge in der Kabine abzulenken.
3. Temperiert
lorn order 18.03.2013
Zitat von sysopREUTERSFliegen ist zwar immer noch die schnellste Methode des Reisens, aber schon lange nicht mehr die komfortabelste. Das liegt auch am immer widerlicher werdenden Flugzeugessen, mit dem die Airlines ihre Kundschaft vergraulen. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/catering-im-flugzeug-fasten-seat-belts-das-essen-kommt-a-889434.html
und zu dem grausen Fraß wird dann wahlweise eiskalter Rotwein oder lauwarmes Bier oder siedender Instant-Kaffee serviert.
4. Auf Kurzstreckenflügen
tuttofatto 18.03.2013
braucht man doch nix zu essen. Gerade wieder mit LH geflogen und man gab mir ein Plastikschälchen mit einem Wurstsalat ähnlich aussehenden Inhalt. Ich hab dankend abgelehnt, die flight attendant hat sich entschuldigt und ich habe dann am Frankfurter Airport was gegessen. Und wer Miles & More member ist oder sonst bei einem Vielfliegerprogramm ist, der kann für Langstreckenflüge ein special meal anfordern, dann hat man zumindest was drin, was erkennbar ist und meistens ist es auch besser.
5. Die Geschmacksknospen auf der Zunge ticken im Flieger anders !
iffel1 18.03.2013
Daher ist das garnicht so einfach, etwas mit Geschmack anzubieten. Auf dem Boden würde das alles noch weniger schmecken. Einfach mal die Ideen aus dem Artikel umsetzen und sich dann wundern, dass Karrottenstreifchen im Flieger wie Streichhölzer schmecken - nach nichts und Wachs.
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Zum Autor
  • Ralf Gellert für BEEF!
    Speis und Zank: Alle Kolumnen
  • Jan Spielhagen ist Chefredakteur von "BEEF!" und Hobbykoch. Seit er das Kochmagazin für Männer gründete, auf dem meist ein Stück Fleisch als Covermodell dient, wird er entweder als Fleischpapst oder Tiermörder denunziert. Beides ist ihm unangenehm, weil ihn nämlich weder religiöse noch kriminelle Motive leiten, wenn er an seinem Lieblingsplatz vor dem Grill steht und Frühlingszwiebeln, Fenchel, Wolfsbarsch und selbstgemachte Würstchen grillt. Im Sommer mit Sonnenbrille, im Winter mit Schal.
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