Cross-Yoga "Weniger spirituell, eher athletisch"

Nicht nur unter Sportlern, auch in der Crossfit-Szene boomt Yoga. Warum Verbiegen die ideale Ergänzung zum Kraftsport ist, erklärt Cross-Yoga-Lehrerin Michaela Weller.

Ein Interview von

André Siodla/ MEDIA2MOVE

Zur Person
  • André Siodla/ MEDIA2MOVE
    Michaela Weller hat Sportmanagement studiert und arbeitet als Dozentin in der Fitnessbranche, außerdem unterrichtet sie als Crossfit-Coach sowie Ashtanga-Yogalehrerin. In ihrem Unterricht verbindet sie klassische Yogasequenzen mit funktionellen Trainingselementen.
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SPIEGEL ONLINE: Yoga in der Crossfit-Box - zwei Welten prallen aufeinander. Schließt sich das nicht aus?

Weller: Auf keinen Fall, denn auf der sportlichen Ebene ergänzt es sich gut. Der Grundgedanke beider Bewegungsformen ist relativ ähnlich - beide holen den Athleten oder Yogi dort ab, wo er gerade steht. Mit individuellen Möglichkeiten, Einschränkungen und Dysbalancen. Beide fordern ihn heraus und bringen ihn in seinen Fähigkeiten voran. Yoga ist eine gute Ergänzung für den Crossfitter, da er auf der Matte an Stützkraft gewinnt. Zudem bietet Yoga ein mentales Training, was für Wettkampfsportler wichtig ist.

SPIEGEL ONLINE: Was ist beim Cross-Yoga anders als in "normalen" Yogaklassen?

Weller: Cross-Yoga ist zugeschnitten auf die Bedürfnisse eines Athleten. Dadurch ist es weniger spirituell, eher athletisch. Man fokussiert auf Bereiche, die beim Crossfit eingeschränkt sind und setzt vor allem auf Mobilitätsübungen. Außerdem kann ein Kraftsportler manche Position intensiver ausführen oder länger halten, weil er meist mehr Muskelkraft als ein Yogi besitzt. Manche Elemente kennt er schon aus dem Crossfit-Training - einen Handstand zum Beispiel.

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem sollte ein Kraftsportler zusätzlich auf Yoga setzen?

Weller: Ja, denn zum einen fördert Yoga die Regeneration auf körperlicher Ebene. Zum anderen ist es für die Psyche wichtig, um sich neben all den Wettkampfgedanken auf sich selbst konzentrieren zu können und Gelassenheit sowie Ruhe zu finden. Außerdem kann Yoga die Technik in der Hauptsportart verbessern.

SPIEGEL ONLINE: Bessere Kniebeugen dank Yoga?

Weller: Das funktioniert! Viele sitzen generell im Alltag zu viel und benötigen dann Hilfsmittel, um natürliche Bewegungen wie etwa die tiefe Hocke wieder zu erlernen. Die meisten haben es verlernt, Kinder können das alles noch. Die Beweglichkeit in den Hüften und Sprunggelenken fehlt. Erwachsene müssen diese Bewegungen wieder mühsam zum Beispiel mit Yoga erlernen.

SPIEGEL ONLINE: Wann sollte ein Kraftsportler die Matte ausrollen?

Weller: Auf jeden Fall schon zu Beginn seines Trainings, da Yoga auf ganzheitliche Beweglichkeit abzielt. Mobilität ist die Ausgangsbasis für jedes Krafttraining. Wenn Muskeln, Sehnen und Bänder die Bewegungen einschränken und trotzdem mit viel Gewicht trainiert wird, kann das zu Verletzungen führen. Ist erst ein Schadensfall eingetreten, wird's schwierig - dann hilft eher Yoga-Therapie. Cross-Yoga ist ein ergänzendes Trainingsmittel und soll Verletzungen vorbeugen.

SPIEGEL ONLINE: Yoga soll machbar für die meisten Menschen sein - Cross-Yoga auch?

Weller: Für jemanden mit akuten Verletzungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist es weniger geeignet. Cross-Yoga ist eher konzipiert für gesunde Teilnehmer und auch Wiedereinsteiger. Man muss kein Spitzensportler sein, sollte aber eine Affinität für ein gewisses Maß an Anstrengung während des Trainings besitzen.

SPIEGEL ONLINE: Womit muss ein Yoga-Anfänger beim Cross-Yoga rechnen?

Weller: Es könnte einen Muskelkater geben. Für Anfänger kann das längere Halten der Positionen sehr anstrengend sein. Allerdings sollte er den Leistungsgedanken außen vorlassen, die eigenen Grenzen möglichst nicht überschreiten und sich Pausen nehmen, wann immer er sie benötigt.

SPIEGEL ONLINE: Keine Cross-Yoga-Klasse in meiner Stadt - wie finde ich als Kraftsportler die richtige Yoga-Klasse?

Weller: Wenn man den mentalen Aspekt und körperliche Entspannung sucht, dann empfehle ich eher ruhiges Hatha-Yoga oder auch Yin-Yoga. Wer es aktiver betreiben möchte, ist beim Vinyasa-Flow oder Ashtanga-Yoga gut beraten, da hier der Fokus auf dem körperlichen Aspekt liegt.

SPIEGEL ONLINE: Manch einen schreckt die Spiritualität. Tut es dann auch Pilates?

Weller: Grundsätzlich ist Cross-Yoga weniger spirituell. Wir singen nicht, machen weniger Atemübungen und Meditationen als in einer klassischen Yoga-Class. Pilates ist aus Yoga entstanden und die Übungen sind teilweise ähnlich bis gleich. Beweglichkeit und Tiefenmuskulatur werden auch beim Pilates trainiert - man sollte einfach ausprobieren, welche Richtung für einen besser funktioniert.

André Siodla/ MEDIA2MOVE



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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
matteo51 24.10.2015
1. kicher...
...fit, aber nicht flexibel (unterzeile foto): also für mich ist jemand, der fit ist, auch flexibelll...sonst ist er halt nicht ganz fit. wenn die fotos sehe und den text lese, muss ich ein bisschen seufzen, denn damit wird jetzt yoga zum performance-sport, für alle, die höher, schneller, weiter, besser, yohee brauchen. wo bleibt die gelassenheit?
BigRedOne2017 24.10.2015
2. Was ist daran neu?
In unserer Muckibude wird das seit Jahren angeboten, es heißt da nur Fitness-Yoga.
rolli 24.10.2015
3.
Yoga in fitnessbuden, oder cross yoga macht die Krankenkassen und die Ärzte reicher. Wer nicht exakt auf die Haltung bei einem Asana achtet, der macht sich alle betroffenen Gelenke auf die Dauer kaputt. Fahrlässig, was alles als Yoga bezeichnet wird. Grundsätzlich unterscheidet sich die Kraft eines Athleten von der eine Yogi, weil völlig andere Muskeln und völlig andere Muskelabläufe angesprochen werden. Ein Athlet hat immer verkürzte Muskeln, ein Yogi immer normal lange Muskeln. Deswegen hat ein Yogi immer mehr Kraft als ein Muckibudenbesucher. Wer sich wirklich mit Yoga fit halten will um Wettkämpfe zu bestreiten, der muss sich ausschliesslich an Iyengar Yoga orientieren. Alles andere ist Kokolores. rolli
jozu2 25.10.2015
4. Revolutionär!
Ich habe in dem Video leider Übung gesehen, die Karate-Trainer, Bundeswehr-Ausbilder und Sportlehrer nicht auch schon vor 30 Jahren mit ihren Schützlingen gemacht hätten.
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