Gerichtsurteil EU untersagt Positiv-Werbung für Traubenzucker

Zucker sollte man nur in Maßen genießen. Das Gericht der EU schränkt deshalb Werbesprüche für Traubenzucker-Tafeln ein - auch wenn die Aussagen an sich stimmen.

Traubenzucker-Tafeln
Corbis

Traubenzucker-Tafeln


"Glukose unterstützt die körperliche Betätigung" - damit wollte Dextro Energy seine Traubenzuckerwürfel bewerben. Dem EU-Gericht (EuG) in Luxemburg sind diese Aussagen aber zu positiv. Es untersagte dem Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen bestimmte Werbesprüche zum gesundheitlichen Nutzen seines Traubenzuckers (Rechtssache T-100/15). Denn auch wenn diese Aussagen richtig sind, wäre es irreführend, zum Verzehr von Zucker aufzurufen.

Die Luxemburger Richter bestätigten damit eine Entscheidung der EU-Kommission. Bei dieser hatte Dextro Energy bereits 2011 für seine zu einem Würfel verpackten Traubenzucker-Tafeln die Zulassung mehrerer sogenannter gesundheitsbezogener Angaben beantragt.

Dabei ging es um positive Auswirkungen von Traubenzucker (Glukose) im Zusammenhang mit körperlicher Betätigung und auf den Stoffwechsel. Dextro Energy hätte auch folgende Sätze gerne verwendet: "Glukose trägt zu einem normalen Energiegewinnungsstoffwechsel bei" oder "Glukose trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei körperlicher Betätigung bei".

Verbraucher sollten Zuckerkonsum verringern

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa bestätigte zwar, dass diese Aussagen richtig und auch weitere formale Kriterien erfüllt seien - der Verzehr von Glukose wirkt sich tatsächlich auf den Energiestoffwechsel aus. Trotzdem verweigerte die EU-Kommission die Zulassung der Werbung.

Sie sende ein verwirrendes Signal an die Verbraucher und daran würde es auch nichts ändern, wenn die Angaben mit zusätzlichen Erklärungen oder Warnungen kombiniert würden. Denn die Werbung rufe zum Verzehr von Zucker auf, obwohl weltweit eine Verringerung des Zuckerkonsums empfohlen werde. Dieser Argumentation folgte nun das EuG.

Gegen das Urteil kann sich Dextro Energy in zweiter Instanz vor dem EU-Gerichtshof wehren.

Die sogenannte Health-Claims-Verordnung soll Bürger vor irreführenden, wissenschaftlich nicht belegten Werbebotschaften schützen.

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wbr/dpa/AFP



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insgesamt 60 Beiträge
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Seite 1
Emmi 16.03.2016
1. Sehr sinnig!
Wegen des Verbots, für Drogen zu werben ("Stoff") wird demnächst auch verboten, zu sagen, man möge bitte mehr Sauer*stoff* zu sich nehmen (via Atmung), oder was!?
spysong 16.03.2016
2. Soll die EU
doch sich mal lieber an die Lebensmittelhersteller direkt wenden die versuchen Millionen von Verbrauchern mit sinnlos über,-durch,-und verzuckerten Lebensmitteln süchtig zu machen. Aber Nein, die Wirtschaft, die Lobby.. ich vergaß.
ztsp 16.03.2016
3. Bier sollte man auch nur in Maßen genießen ...
dafür darf aber kräftig geworben werden. Brüssel topt sich immer wieder - hochbezahlter Schwachsinn.
globalundnichtanders 16.03.2016
4.
Zitat von EmmiWegen des Verbots, für Drogen zu werben ("Stoff") wird demnächst auch verboten, zu sagen, man möge bitte mehr Sauer*stoff* zu sich nehmen (via Atmung), oder was!?
Ja das ist zu befürchten. Atemverbote sind auf dem Vormarsch.
ausgelassen 16.03.2016
5. Sinniger
Zitat von EmmiWegen des Verbots, für Drogen zu werben ("Stoff") wird demnächst auch verboten, zu sagen, man möge bitte mehr Sauer*stoff* zu sich nehmen (via Atmung), oder was!?
Traubenzucker ist ein Zucker und es ist sinnvoll, die Einnahme von Zucker zu reduzieren. Daher wird eie Werbung für Traubenzucker, die eine positive Auswirkung auf die Gesundheit suggeriert, nicht zugelassen. Sauerstoff ist keine Droge und daher darf man durchaus sagen, dsas man mehr Sauerstoff zu sich nehmen soll. Ob man Werbung machen darf, dass man mehr Sauerstoff zu sich nehmen soll, weil es gesund sei, würde voraussetzen, dass entsprechende Nachweise zu der behaupteten Wirkung vorliegen.
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