Abnehm-Apps: Diätplan für die Hosentasche
Sie dokumentieren die tägliche Kalorienzufuhr, zählen die gelaufenen Schritte und geben Tipps für gesunde Ernährung direkt beim Einkauf: Der Markt für Apps zum Abnehmen boomt. Doch klappt die Diät per Smartphone wirklich?
Wie eine Diät fühlt sich Noom für Katja nicht an. Dabei hat sie in den letzten sechs Monaten sechs Kilogramm abgenommen - seit sie angefangen hat, den Ernährungscoach zu benutzen. Jeden Tag trägt Katja in ihr virtuelles Tagesbuch ein, was sie isst und wie viel sie sich bewegt. "Noom bedeutet für mich Beständigkeit", sagt die 24-Jährige. Jeden Morgen nach dem Aufwachen sei die App da. "Und damit auch wieder die guten Vorsätze."
Katja hat sogar angefangen, regelmäßig Sport zu treiben: Zweimal in der Woche geht Katja zum Zumba und trifft regelmäßig eine Freundin zum Squashspielen. Eher durch Zufall hatte sie die App im Google Play Store entdeckt. Da sie ohnehin etwas abspecken wollte, gab sie Noom eine Chance und installierte die Applikation auf ihr Smartphone.
Ernährungs-Apps verzeichnen ein reges Interesse bei gesundheitsbewussten Nutzern - und sind den allseits beliebten Fitnessapps damit dicht auf den Fersen. So dicht, dass Fitness-Anbieter schon selbst in die Entwicklerkisten greifen und ihren Kunden eigene Versionen anbieten. Alleine der Kalorienzähler von MyFitnessPal ist im deutschen Play Store bereits über zehn Millionen Mal installiert worden. Auch Konkurrent Runtastic brachte im Juli ein Ernährungsquiz in die App Stores und will damit spielerisch "essentielles Wissen zu verschiedenen Ernährungsbereichen vermitteln".
Kalorienzählen per App
Die Miniprogramme können weit mehr als bloß Kalorienzählen: Die meisten sind Ernährungstagebuch, Fitnesscoach und Diätplan in einem. "Nur Kalorienzählen ist nicht sinnvoll und letzten Endes wenig aussagekräftig", sagt Anke Tempelmann von der AOK. Die Ernährungswissenschaftlerin weiß, dass nur eine ganzheitliche gesunde Ernährung langfristig Erfolge verspricht. Die Krankenversicherung will Nutzer mit ihren Gesundheits-Apps deshalb für eine gesunde Ernährung sensibilisieren. Seit Mai ist die "Bewusst Einkaufen"-App auf dem Markt, mit der Lebensmittel im Supermarkt auf versteckte Fette, Zucker und Salz durchsucht werden können. Die Idee: Vor dem Bezahlen scannt man mit der App einzelne Lebensmittel ein.
| Weitere Apps zum Abnehmen | ||||
| App | Was kann sie? | Konzept | Kosten | System |
| Bewusst einkaufen | Lebensmitteldatenbank, Lebensmittelampel | Lebensmitteldatenbank, Bundeslebensmittelschlüssel | kostenlos | iOS, Android |
| EatSmarter | Rezepte nach Kriterien sortiert | Mehr als 1500 Rezepte mit Fotos und Videos | kostenlos | iOS, Android |
| FoodCheck | Lebensmittelampel, zeigt versteckte Fette etc. an, Kalorien-/ Nährwertrechner | Barcodescanner | 1,79 Euro | iOS, Android, Windows |
| Food DB | Lebensmitteltagebuch mit Barcodescanner | Seit Jahren von Nutzern gepflegte Datenbank | kostenlos | iOS, Android, Windows |
| FoodNavi | Ernährungsplan nach Alter, Geschlecht, Gewicht, Größe, Aktivität | Basiert auf als optimal errechnetem Verzehr aus Lebensmittelgruppen | 1,79 Euro | iOS |
| MyFitnessPal Kalorienzähler | Eingabe oder Scannen der Nährwertangaben, Rezeptrechner, Sporttagebuch, Kalorienverbrauchsrechner | Über drei Millionen Lebensmittel in der Datenbank | kostenlos | iOS, Android |
| Noom | Fitnesscoach, Kalorienbedarfsrechner, Ernährungstagebuch, Schrittzähler, Sporttagebuch, Community | Volumetrics | Kostenlos | iOS, Android |
| Runtastic Ernährungsquiz | Spielerische Tipps für gesunde Ernährung | 600 Fakten zur Ernährung | kostenlos | iOS |
| WeightWatchers | Begleitung zum Programm, Ernährungstagebuch, Punktesystem | WeightWatchers-Programm | Kosten durch Programm | iOS, Android, Windows |
Mit dem Ampelsystem arbeitet auch der Diätcoach Noom, den Katja seit einem halben Jahr benutzt. Allerdings werden hier nicht nur versteckte Fette und Zucker ausgeklammert. Das System basiert auf dem sogenannten Volumetrics-Prinzip, das die Energiedichte von Lebensmitteln berücksichtigt. In den USA ist die App bereits ein Riesenerfolg. Auch in Deutschland nutzen sie schon 50.000 Menschen aktiv - dabei ist Noom erst seit Ende August auf Deutsch verfügbar.
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Das Prinzip ist einfach: Der Nutzer trägt regelmäßig ein, was er gegessen hat. Die App zeigt dabei an, wie gesund die Lebensmittel waren und schlägt immer wieder vor, was man besser machen kann. Auch Sport wird ins Tagebuch eingetragen, via GPS kann man seine Wege tracken. Zusätzlich ist ein Schrittzähler integriert, der über die Handybewegung misst, wie viel man am Tag gegangen ist.
Mehr Spaß durch Spiel
Durch nützliche Tipps und kleine Tagesaufgaben, sollen die User informiert und bei Laune gehalten werden. Für alles, was der Nutzer einträgt, bekommt er Punkte. "Gamifizierung" nennen das die Entwickler: Aus einer ernsten wird eine spielerische Angelegenheit. So mache Abnehmen viel mehr Spaß, sagt Susanne Wechsler, die das deutsche Noom-Team leitet. Sogar fürs Einloggen von Schokoriegeln bekommt man Punkte. User sollen dadurch animiert werden, alles zu loggen und nicht so schnell aufzugeben. "Man sollte beim Abnehmen nicht hungern, allerdings hauptsächlich Sachen essen, die gesund sind und lange satt machen", sagt Wechsler.
Ob Noom alleine als erfolgreiches Diätprogramm reicht, ist fraglich und kommt auf den Typ an. "Ich kenne Leute, die damit 20 Kilo abgenommen haben", sagt Wechsler. Aber sie räumt ein, dass der Coach letztlich nur zu guten Essen und Sport ermutige - einhalten müsse man das Programm alleine.
Ute Gerwig von Weight Watchers glaubt nicht, dass man nur mit Hilfe einer App langfristig abnehmen kann. "Es ist das Zusammenspiel", sagt sie und bezieht sich dabei auch auf die Ergebnisse einer aktuellen Weight-Watchers-Studie. Diese hatte ergeben, dass das Programm viel erfolgreicher ist, wenn man möglichst viele Instrumente kombiniert: persönliche Gespräche, ein Online-Tagebuch und eben die App. "Wenn man 24 Stunden am Tag Zugriff auf Lebensmittelinformationen, Rezepte und Insider-Tipps hat, hat man viel mehr Möglichkeiten, auf seine Ernährung zu achten." Ob beim Einkaufen oder beim Essen im Restaurant: Informationen sind immer griffbereit.
Und, wenn nötig, auch die Ermahnung und Unterstützung durch Gleichgesinnte. Das habe auch ihr geholfen, sagt Katja, ihre Erfolge zu erreichen: "Alle ziehen an einem Strang."
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- Melanie Hofmann (Jahrgang 1984) ist freie Journalistin in Berlin und schreibt über Themen wie Karriere, Bildung, Energie und Trends.

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