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Fasten: Die Mär vom Entschlacken

Von "natur+kosmos"-Autor Jörg Zittlau

2. Teil: Wem Heilfasten nützt, wem es schadet

Verzicht auch auf Tomaten: Beim Fasten gibt es eine Woche lang nur Tee, Honig und Säfte Zur Großansicht
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Verzicht auch auf Tomaten: Beim Fasten gibt es eine Woche lang nur Tee, Honig und Säfte

So könne es, wie Naturheilkunde-Experte Bernhard Uehleke von der Freien Universität Berlin betont, bei entzündlichen Erkrankungen wie Neurodermitis und Rheuma helfen, weil der Körper physiologisch umgestimmt wird: "Er schaltet dann auf Bewältigungsstrategien um, die weniger zu schmerzhaften Entzündungen führen." Beispielsweise verringert der Fleischverzicht beim Fasten den Wert an Arachidonsäure, die vom Körper als chemische Basis für Entzündungsreaktionen herangezogen wird. In einer Doktorarbeit des Universitätsklinikums Jena führte ein 15-tägiges Heilfasten auf Basis von 300 Kalorien pro Tag bei den 36 teilnehmenden Arthrose-Patienten zu deutlichen Symptomlinderungen, die eingeschränkten Gelenkfunktionen besserten sich, und die Schmerzen gingen zurück. "Niemand kann allerdings lebenslang fasten", sagte Studienbetreuerin Christine Uhlemann. Dennoch könne eine Fastenkur auch längerfristig wirken, wenn Patienten danach ihr Ernährungsverhalten umstellen und vor allem die Fleischzufuhr reduzieren. Tatsächlich hat aber auch das Fasten selbst eine gewisse nachhaltige Wirkung.

An der Klinik Blankenstein stellte man bei den Teilnehmern einer dreiwöchigen Fasten-Studie einen Anstieg von Immunglobulinen im Darm fest, und dieser Effekt war teilweise noch drei Monate nach der Kur zu beobachten. Immunglobuline gehören zu den Speerspitzen im Kampf gegen Viren und andere ungebetene Eindringlinge: Heilfasten führt also zu einer verbesserten Immunleistung des Darms. Wozu auch gehört, dass sich in den Verdauungswegen mehr Nutz- als Schadbakterien ausbreiten. Diese mikrobiologische Stabilisierung schützt vor allergischen Reaktionen. Denn die Nutzbakterien des Darms puffern Histamine, also jene Botenstoffe des Immunsystems, deren Überproduktion zu allergischen Reaktionen wie Augentränen, Heuschnupfen, Nesselfieber und Asthma führen kann.

Die "Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung" streicht neben den körperlichen auch die pädagogischen Effekte des Heilfastens heraus, weil es dem Menschen "neue Erfahrungen der körperlichen und seelisch-geistigen Wahrnehmung" verschaffe. Zu denen gehört beispielsweise die Erkenntnis, dass man auch gegen vermeintlich übermächtige Kräfte wie den Hunger etwas ausrichten kann. Das kann sich durchaus auf den Kampf gegen politische Übermacht übertragen. Nicht umsonst war der asketische Mahatma Gandhi (die verfeindeten Briten beschimpften ihn als "professionellen Hungerleider") einer der größten Freiheitskämpfer der Geschichte. Ganz zu schweigen davon, dass der Verzicht beim Fasten gerade in heutiger Zeit einen Hauch von Freiheit bietet: Denn wer verzichten kann, belegt damit, dass er auch ohne die Güter der Konsumgesellschaft klarkommt.

Fasten setzt die Wirksamkeit der Pille herab

Gleichwohl sollte man die Wirkungen des Heilfastens nicht überschätzen. Wenn von "durchschlagenden Heilerfolgen" bei Schuppenflechte und Diabetes die Rede ist, bleibt Skepsis angebracht. Und wenn behauptet wird, dass "Krebsgeschwülste absterben", indem man 42 Tage lang nur Gemüsesaft und Tee trinkt, wird es gefährlich. "Denn diese Behauptung ist durch nichts bewiesen", warnt die deutsche Krebsgesellschaft. Wer solche Ratschläge befolge, müsse vielmehr mit einer Mangelernährung "und damit mit einer zusätzlichen Schwächung des Immunsystems" rechnen. Zudem geben seriöse Befürworter des Fastens zu, dass es Krankheiten gibt, in denen der Nahrungsverzicht absolut nicht ratsam ist. Dazu gehören Suchterkrankungen sowie fortgeschrittene Herz-, Leber- und Nierenerkrankungen.

Schwangere und Stillende sollten ebenfalls von einer Fastenkur absehen, um nicht die Nährstoffversorgung des Nachwuchses zu gefährden. Auch Frauen, die die Pille nehmen, sollten bedenken, dass Fasten deren Wirksamkeit herabsetzt. Da bietet es sich an, zeitgleich zum Fasten eine Pillenpause einzulegen. Uehleke betont zudem, dass Heilfasten bei kranken Menschen am besten in Kombination mit anderen Naturheilverfahren zum Einsatz kommen sollte. An seiner Universität wird es beispielsweise mit Kneippschen Güssen und Anwendungen aus der Heilpflanzenkunde kombiniert. Außerdem sollten Fastenkuren, die länger als eine Woche dauern, nicht ohne fachliche Anleitung durchgeführt werden. Immer wieder werden Menschen, die eigenständig fasten, in Krankenhäuser eingeliefert, weil sie kollabieren. Wer therapeutisch fasten will, sollte sich an eine entsprechende Klinik wenden. Wobei das Hungern nicht billig ist. Je Fastentag verlangen Kliniken bis zu 150 Euro - und die gesetzlichen Krankenkassen zahlen den Aufenthalt nur in Ausnahmefällen.

Karin Frankenberg hat nach der Erkenntnis, dass es gar keine Schlacken gibt, umdisponiert. Zwei vegetarische Tage und zweimal joggen pro Woche brächten ihr mehr, sagt sie, für ihre Gesundheit und für ihre Laune.

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1. Fasten reinigt Körper und Seele
peter-karol 24.03.2013
Zitat von sysopDPARadikale Diäten, die den Körper reinigen sollen, erreichen oft das Gegenteil: Eine Überdosis Gift sammelt sich im Blut an. Vernünftiges Fasten kann jedoch tatsächlich heilsam sein. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/0,1518,836023,00.html
Einmal im Jahr eine Heilfasten Kur einzulegen kann dem Körper sehr gut tun und Entgiften (http://entgiften.blogspot.de/). Heilfasten ist allerdings nicht geeignet für alle Menschen. Übergewichtige, psychisch Kranke, ältere und durch Krankheiten geschwächte Menschen sollten nicht Heilfasten.
2. Fakten
brigitte-hoffmann 12.01.2015
@peter-karol: Wie wäre es denn, wenn sie anstatt einer Werbe-Website für unwissende Normalbürger eine wissenschaftliche Quelle zitieren die ihre persönlichen Erfahrungen belegt? Denn Blogs können Leute wie sie und Ich schreiben, dazu benötigt man kein Fachwissen, geschweige denn eine reproduzierbare Studie auf die sich bezogen werden kann. Im Gegenteil, wie durch mehrere Studien belegt setzt Fasten mit einem mal viele fettlösliche Giftstoffe frei, die ansonsten langsam hätten abgebaut und ausgeschieden werden können (über die Leber in wasserlösliche Stoffe und über die Nieren in den Harn). Somit schwächt ein Hungerfasten sogar den Organismus. Dies gilt auch für normalgewichtige Menschen (Normaler Fettanteil=17%). Der einzige Vorteil der durch das Fasten entsteht ist ein Bruch mit Automatismen. Dies kann für Menschen, die ihre Ernährung umstellen wollen natürlich sehr sinnvoll sein. Jedoch ist das auch anderweitig durchführbar. Das Fasten hat somit seinen Sinn verfehlt. Entgiften tut der Körper nicht mehr oder weniger wenn man fastet. Die Systeme der Leber und Niere arbeiten definitiv nicht schneller, sondern aufgrund fehlender Energie (Nein, nicht jede Zelle kann von Fetten leben, und aus Fetten kann kein Zucker gewonnen werden, das geht nur umgekehrt) langsamer.
3. Fasten richtig durchgeführt reinigt von sämtlichem Gift
andydissimo 07.04.2015
Ich führe eine entschlackungskur nun 3 Monate durch. Dass dabei die Blutwerte schlecht sind ist eine Logik der Chemie. Gelöste Säuren und Schlacken überfüllen das Blut. Logischerweise werden die Ausscheidungsorgane stark beansprucht. Doch auch diese werden dabei gereinigt. Der Vorgang bewirkt Wunder in Sachen Organfunktionen Schönheit Ausstrahlung und Seele. Schmerzen schwinden. Fkexibilität von Bändern Bandscheiben und Sehnen wird wieder gegeben. Alles was zuvor mit Medikanenten blockiert und zerstört wurde wird wieder funktionsfähig und der Müll ausgespült. Kurzzeitig treten Erstverschlimmerungen ein. Wie beim stopfen wenn es an Sauerstoff mangelt und die Buxe kneift geht die Qual nun Erlösend andersrum. Logo gell.;o).. Das ist so und muss so sein. Es sollte positiv gesehen werden und zur Weiterführung motivieren. Es HEILT ohne nur zu blockieren. Man fühlt sich nicht nur jünger. Man wird es auch. Mit Geduld und Disziplin wird der Mensch wieder ein Mensch. Unterstützen sollte man das ganze mit basenreicher Gemüsekost und 3liter reinem billigen Leitungswasser ohne KohlenSÄURE. Denn wir sind sauer genug. Kräutertee ist basisch und löst schlacken. Kaffe braucht keiner. Auch kein Bier. Auch Alkoholfreies Bier ist sehr Säurebildend. Alle sollten nur noch die Zigarrette danach rauchen weil es dann nicht so viele am Tag sind. Meinereiner wäre Kettenraucher...;o).. Schüssler wirkt Wunder die uns die Natur schenkt. Und es wirkt. Der Körper schafft alles und heilt sich selber. Wenn wir ihm all seibe Waffen zur Verfügung stellen. So liegt es an Euch euch zu heilen. Ihr müsst nur an Euch glauben und nicht nur Pillen futtern. Es gibt keine Pillen die heilen. Dazu eine Klausel: Die meisten Menschen sterben an ihren Medikamenten und nicht an ihren Krankheiten.« (Jean Molière) Da ist nur wahres dran.... Fasten heilt und das tut man zur Reinigung und Fett verbrennen ist eine angenehme Begleiterscheinung. lg A.J.
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  • DPA

    Vor dem eigentlichen "Hungern" wird der Körper in der Regel erst einmal in drei Übergangstagen mit kalorienreduzierter Kost vorbereitet. In den meisten Fastenkuren ist es außerdem üblich, die Darmreinigung mit abführenden Salzen oder Darmspülungen zu unterstützen. Zum Fasten selbst existieren unterschiedliche Verfahrensweisen:
    Das Buchinger-Fasten setzt die Patienten auf Tee mit Honig und Zitronensaft, zum Mittag gibt es Gemüsebrühe. Beim Saftfasten kommen lediglich Obst- und Gemüsesäfte zum Einsatz, beim modifizierten Fasten gibt es noch ein Glas Buttermilch oder ein Eiweißkonzentrat, damit dem Körper während des Fastens nicht zu viele Proteine verloren gehen.
    Eine Fastenkur an einer Klinik dauert in der Regel drei Wochen, wer privat seine ersten Erfahrungen macht, sollte nicht länger als eine Woche fasten und dabei auf eine ausreichende Flüssigkeits- und Mineralienzufuhr achten. Übrigens: Ein Mensch mit Normalgewicht überlebt ohne Essen etwa 60 Tage.


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