Diäten: Low-Carb erhöht Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten

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Viel Eiweiß, kaum Kohlenhydrate: Bei vielen Low-Carb-Diäten steht Fleisch häufig auf dem Speiseplan Zur Großansicht
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Viel Eiweiß, kaum Kohlenhydrate: Bei vielen Low-Carb-Diäten steht Fleisch häufig auf dem Speiseplan

Abnehmen nach Atkins, Logi-Methode, Steinzeitdiät oder das South-Beach-Konzept: Viele Diäten dieser Art sind umstritten. Jetzt bestätigt eine aktuelle Studie die Sorgen von Kritikern. Eine kohlenhydratarme und eiweißreiche Ernährung kann das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich steigern.

Morgens Rührei, mittags Gulasch, abends Zwiebelrostbraten: So kann der Tag eines Abnehmwilligen in einer der vielen Low-Carb-Diäten aussehen. Sie alle haben eines gemein: Auf Kohlenhydrate soll man möglichst verzichten, weil sie angeblich schädlich für den Körper sind. Schließlich, so der Grundgedanke dahinter, habe der Mensch jahrtausendelang ohne viel Kohlenhydrate gelebt. Stattdessen soll, wer an Gewicht verlieren will, sich auf Proteine (Eiweiße) konzentrieren. Daran sei der Körper seit der Steinzeit angepasst.

Eine große Studie an mehr als 40.000 schwedischen Frauen rüttelt jetzt an den Glaubenssätzen der Low-Carb-Bewegung. Darin geht es nicht darum, mit welcher Ernährungsform Übergewichtige schneller oder dauerhaft abnehmen können. Vielmehr beschäftigen sich die Forscher mit den gesundheitlichen Folgen einseitiger Diäten. Wie Pagona Lagiou von der Athener Universität und ihre Kollegen im Fachmagazin "British Medical Journal" schreiben, steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall, je eiweißreicher und kohlenhydratärmer man sich ernährt.

Die wichtigsten Nährstoffe
Kohlenhydrate
Kohlenhydrate machen den Großteil unserer Nahrung aus, sie bestehen aus einzelnen oder miteinander verknüpften Zuckermolekülen. Der Körper nutzt sie als schnelle Energiequelle, das Gehirn etwa greift fast ausschließlich auf Kohlenhydrate zurück. Je komplexer ein Kohlenhydrat aufgebaut ist, desto länger braucht der Körper, um es abzubauen. Die Zuckerbausteine gelangen dadurch langsamer ins Blut. Vollkornmehl etwa basiert auf komplexen Kohlenhydraten, Weißmehl hingegen enthält einfachere Kohlenhydrate.
Fette
Fett ist der energiereichste Nährstoff - es liefert etwa doppelt so viele Kalorien wie Kohlenhydrate oder Eiweiße. Dennoch sättigt es schlechter. Viele Deutsche essen zu viel Fett. Der Nährstoff hat aber auch sein Gutes: Er transportiert viele wichtige Vitamine und kann essentielle Fettsäuren enthalten, die den Aufbau von Zellmembranen und die Bildung von Hormonen fördern. Ungesättigte Fettsäuren sind grundsätzlich gesünder, sie sind hauptsächlich in pflanzlichen Ölen und Fisch enthalten. Gesättigte Fettsäuren (vor allem in tierischen Produkten) sollten eher gemieden werden, da sie den Cholesterinspiegel erhöhen.
Eiweiße
Eiweiße sind ein wichtiger Baustein des Körpers. Der Mensch braucht sie, um Zellen, Muskelfasern, Organe, Hormone oder Blut herzustellen. Dafür zerlegt er Eiweiße (auch Proteine genannt) aus der Nahrung zuerst in ihre Bestandteile, die Aminosäuren. Aus ihnen setzt er anschließend neue Proteine zusammen. Zwölf der 20 Aminosäuren kann der Körper selbst produzieren, acht Stück erhält er ausschließlich über die Nahrung. Eiweiße sollten daher rund 15 Prozent des Kalorienbedarfs decken. Zu den proteinreichen Nahrungsmitteln zählen Fleisch, Fisch, Milch und Milchprodukte, aber auch Getreide, Kartoffeln, Nüsse und Hülsenfrüchte.
Mineralstoffe
Mineralien sind wichtige Bausteine und Regelstoffe. Der Körper braucht von ihnen nur winzige Mengen, trotzdem spielen sie bei Stoffwechselvorgängen, der Blutbildung und etwa dem Knochenwachstum eine wichtige Rolle. Experten unterscheiden zwischen Mengenmineralstoffen (unter anderem Natrium und Kalzium), von denen der Körper einige hundert Milligramm pro Tag benötigt und Spurenelementen (unter anderem Eisen und Zink), bei denen schon einige Milligramm pro Tag ausreichen. Menschen können Mineralstoffe nicht selbst herstellen, eine ausgewogene Ernährung deckt den Bedarf jedoch in der Regel ab.
Vitamine
Vitamine ermöglichen viele Stoffwechselfunktionen, helfen beim Aufbau von Zellen und unterstützen das Immunsystem. Auch sie sind für den Körper essentiell: Er braucht sie, kann sie aber zum Großteil nicht selbst herstellen, sondern muss sie über die Nahrung aufnehmen. Mit viel Obst und Gemüse, aber auch Milch, Fleisch und Vollkornprodukten auf dem Speiseplan lässt sich der Bedarf des Körpers gut decken - Vitamintabletten sind in der Regel überflüssig. Um Vitamin D aktivieren zu können, braucht der Körper auch Sonnenlicht, weshalb auch Spaziergänge oder Sport im Freien den Vitaminhaushalt unterstützen.
Sekundäre Pflanzenstoffe
Sekundäre Pflanzenstoffe besitzen häufig eine bestimmte Aufgabe in den Pflanzen, sie regulieren das Wachstum, wehren Schädlinge ab oder locken als Farb- und Duftstoffe Bienen und andere Bestäuber an. Wissenschaftler schätzen, dass etwa 60.000 bis 100.000 verschiedene Sekundäre Pflanzenstoffe existieren, bisher sind jedoch erst wenige von ihnen genauer erforscht. Klar ist jedoch, dass manche der Stoffe gesund sind und zum Beispiel den Cholesterinspiegel senken können.
Ballaststoffe
Ballaststoffe sind eine Klasse der Kohlenhydrate: Obwohl sie nicht süß sind, bestehen sie aus langen Zuckerketten. Der Körper kann Ballaststoffe nicht verwerten, sie passieren unzersetzt den Magen-Darm-Trakt. Dennoch sind sie extrem wichtig: Ballaststoffe füllen den Magen und wirken dadurch sättigend, sie regeln die Verdauung und lassen den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen. Es gibt Hinweise, dass sie vor einer Reihe von Krankheiten schützen können, darunter Diabetes und Arteriosklerose. Ballaststoffe bestehen aus den Stützsubstanzen von Pflanzen und sind in großen Mengen in Äpfeln, Birnen, Kartoffeln, Brokkoli und Trockenobst enthalten. Tierische Nahrungsmittel sind praktisch ballaststofffrei.

Auffällig ist, dass die in der Studie untersuchten Frauen sich im Vergleich zu den Empfehlungen vieler Diäten ausgewogen ernährten: Selbst diejenigen unter ihnen, die wenig Kohlenhydrate zu sich nahmen, aßen immer noch mehr davon als nach vielen Diätplänen empfohlen. Die Gruppe von Studienteilnehmerinnen mit den meisten proteinhaltigen Speisen auf dem Plan blieb dagegen immer noch unter den empfohlenen Mengen vieler Abnehmtipps zurück. Viele der Low-Carb-Diätpläne schreiben vor, weniger als 15 Prozent der täglichen Kalorienmenge aus Kohlenhydraten zu sich zu nehmen, dafür aber mehr als 30 Prozent aus Proteinen.

Fünf Gramm mehr Protein steigern das Herz-Kreislauf-Risiko um fünf Prozent

Die Wissenschaftler befragten die Frauen mit Hilfe von Fragebögen, wie sie sich ernähren. Anschließend verfolgten die Forscher über einen durchschnittlichen Zeitraum von mehr als 15 Jahren, welche Frauen mehr Herz-Kreislauf-Krankheiten entwickelten. Anhand der Ernährungsfragebögen verteilten die Mediziner Punktewerte für jede Frau: zwei Punkte bedeuten eine kohlenhydratreiche, eiweißarme Ernährung, 20 Punkte dagegen eine kohlenhydratarme, proteinreiche Ernährung nach dem Modell der Low-Carb-Diäten.

Im Ergebnis steigt das allgemeine Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen an, je weniger Kohlenhydrate und je mehr Eiweiß man zu sich nimmt. Täglich je 20 Gramm Kohlenhydrate weniger und fünf Gramm Protein mehr lassen die Gefahr von Herz-Kreislauf-Krankheiten demnach um fünf Prozent ansteigen. Das Risiko steigt immer weiter, je mehr Protein und je weniger Kohlenhydrate man zu sich nimmt. Eine Banane enthält beispielsweise bereits mehr als 20 Gramm Kohlenhydrate, in einer Handvoll Erdnüsse (25 Gramm) stecken über fünf Gramm Protein.

Dabei machte es keinen grundsätzlichen Unterschied, ob die Eiweiße in der Ernährung vor allem aus tierischen oder pflanzlichen Quellen stammten. Zwar gab es statistische Hinweise darauf, dass das Risiko für Folgekrankheiten an den Gefäßen höher sein könnte, wenn die Proteine vor allem tierischen Ursprungs sind. Doch diese statistischen Unterschiede waren nicht ausreichend groß, um im Ergebnis einen Unterschied zwischen den beiden Eiweißquellen zu machen.

Low-Carb bedeutet häufig weniger Obst, Gemüse und Vollkornprodukte

Seitdem Low-Carb-Diäten beworben werden, gibt es unter Medizinern Bedenken wegen möglicher Langzeitfolgen. Ein Großteil der in der Nahrung aufgenommenen Kohlenhydrate kommt aus Gemüse, Früchten und Getreideprodukten. Wer sich kohlenhydratarm ernährt, verzichtet daher weitgehend auf diese wichtigen Lebensmittel.

Einfach zugängliche Proteinquellen sind dagegen vor allem tierische Produkte wie Fleisch oder Eierspeisen. Gerade große Mengen an Fleisch in der Ernährung werden allerdings in einer Vielzahl an Studien mit Herz-Kreislauf-Krankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall in Verbindung gebracht.

"Es gibt Hinweise, dass durch rotes und industriell bearbeitetes Fleisch das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten steigen könnte. Eine Low-Carb-Ernährung könnte ernährungswissenschaftlich akzeptabel sein, wenn das Eiweiß vor allem aus Pflanzen käme und bei den Kohlenhydraten vor allem die einfachen und raffinierten Zucker vermieden würden", sagt Studienautorin Lagiou zu SPIEGEL ONLINE. "Doch die breite Öffentlichkeit nimmt diese Einschränkungen nicht immer wahr und setzt sie auch nicht immer um."

In den letzten Jahren gab es bereits mehrere kleine europäische Studien, die eine höhere Sterblichkeit wegen Herz-Kreislauf-Krankheiten durch eine Low-Carb-Ernährung nahelegten. Daten aus der großen Nurses Health Study in den USA zeigten keinen solchen Zusammenhang. Manche Wissenschaftler führten das auf Unterschiede zwischen europäischen und US-Studienteilnehmern zurück, etwa der Verbreitung von Übergewicht in der Bevölkerung und unterschiedlich beliebten Eiweißquellen wie Fleisch oder Gemüse.

In früheren Studien gab es sogar Hinweise, dass Übergewichtige mit kurzfristigen Low-Carb-Diäten nicht nur abnehmen können, sondern auch ihre Blutfettwerte verbessern können. "Das waren allerdings eher kurzzeitige Studien", sagt die Ernährungswissenschaftlerin Anna Flögel vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke. "Die Langzeiteffekte sind bis heute nicht ausreichend geklärt. Aufgrund der widersprüchlichen Studienlage sollten Low-Carb-Diäten derzeitig nicht zur langfristigen Gewichtskontrolle empfohlen werden."

Ernährungsstudien
Allgemeines
Studien in der Ernährungsforschung können nach unterschiedlichen Kriterien eingeteilt werden: zeitlich, nach Zielen oder der Art der Einflussnahme. Bei retrospektiven Studien untersuchen die Forscher Material, das bereits zu Beginn der Studie vorliegt. Das können zum Beispiel Daten aus Untersuchungsbefunden oder Testergebnissen sein. Demgegenüber entstehen bei prospektiven Studien die Daten erst, nachdem die Studie begonnen hat. Experimentelle Studien sind grundsätzlich prospektiv, während Beobachtungsstudien sowohl prospektiv als auch retrospektiv sein können.
Was sind Beobachtungsstudien?
Beobachtungsstudien wie etwa Kohorten- oder Fall-Kontroll-Studien sind nicht-experimentelle Studiendesigns, bei denen seitens der Forscher keine Intervention in den Behandlungsablauf stattfindet. Das heißt: Die Probanden werden über den Untersuchungszeitraum hinweg unter natürlichen Bedingungen ausschließlich beobachtet. Experimente oder Untersuchungen, bei denen die Teilnehmer einer sogenannten Interventionsgruppe oder Kontrollgruppe zugewiesen werden, finden nicht statt.
Im Fokus der Beobachtung steht dabei ein bestimmtes Merkmal, das von Interesse ist, wie etwa ein bestimmtes Ernähungsverhalten. Die Beobachtung kann prospektiv (Kohortenstudie) oder retrospektiv (Fall-Kontroll-Studie) erfolgen.
Vorteil von Beobachtungsstudien: Sie lassen sich auf den Alltag übertragen, da die Probanden in einer natürlichen Situation beobachtet werden - ohne dass sie ihr Verhalten oder ihre Gewohnheiten bewusst verändern, wie es etwa unter Laborbedingungen der Fall ist.
Nachteil von Beobachtungsstudien: Sie sind in ihrer Aussagekraft stets eingeschränkt, da eben keine Intervention stattgefunden hat und Ergebnisse dadurch verzerrt sein können. Irritierende Einflussgrößen können unbemerkt zu Beziehungen zwischen einem Faktor und dem Ergebnis führen. Stichhaltige Aussagen über Ursache-Wirkung-Beziehungen können somit nicht auf Basis von Beobachtungsstudien getroffen werden. Aufgrund der möglichen Fehlerquellen liefern Beobachtungsstudien daher eine geringere empirische Nachweisbarkeit (Evidenz) als experimentelle Studien.
Notwendig sind diese Studien dennoch, da sie einen vorläufigen Nachweis liefern, der als Grundlage für weitere Hypothesen dient. Diese können anschließend in experimentellen Studien überprüft werden.
Was sind Interventionsstudien?
Bei Interventionsstudien handelt es sich immer um prospektive Studien: Ähnlich einer prospektiven Kohortenstudie werden die Probanden im Laufe einer bestimmten Zeitspanne untersucht, um die Auswirkungen einer bestimmten Intervention zu messen - zum Beispiel den Einfluss von einer olivenölreichen Ernährung auf das Risiko einer bestimmten Volkskrankheit wie Diabetes.
Die Probanden werden dafür zu Beginn der Studie in verschiedene Interventionsgruppen sowie eine Kontrollgruppe eingeteilt. Bei einer oder mehreren Gruppen wird im Studienverlauf aktiv interveniert (die Probanden müssen beispielsweise täglich eine bestimmte Menge Olivenöl zu sich nehmen), während eine Kontrollgruppe von der Intervention ausgeklammert wird.
Die Einteilung in die verschiedenen Interventionsgruppen erfolgt in der Regel zufällig. Es ist daher auch von randomisierten, kontrollierten Studien die Rede. Oft werden experimentelle Studiendesigns dann herangezogen, wenn eine Hypothese als Ergebnis einer Beobachtungsstudie überprüft werden soll.
Interessenkonflikte
Interessenkonflikte bezeichnen Situationen, in denen das professionelle Urteilsvermögen oder Handeln von Wissenschaftlern durch sogenannte sekundäre Interessen beeinflusst sein könnte. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Mediziner Honorare von einer Pharmafirma erhält (sekundäres Interesse) und anschließend in einer Studie die Qualität eines Medikaments der Firma bewerten soll (primäres Interesse).
Ein Interessenkonflikt besteht nicht erst im Falle eines Fehlverhaltens der Forscher, sondern liegt vor, sobald primäre und sekundäre Interessen miteinander konkurrieren. Dies bedeutet noch nicht, dass sich die Situation per se negativ auf sein Urteilsvermögen oder seine Integrität auswirkt, sondern stellte lediglich das Risiko dafür dar.
Wissenschaftlern ist nicht jede Beziehung zu Industrie und Wirtschaft grundsätzlich vorzuwerfen. In vielen Bereichen, etwa bei der Entwicklung neuer Medikamente, ist ein Austausch zwischen Forschern und Unternehmen sogar erstrebenswert und erforderlich, damit Studien zustande kommen und unter bestmöglichen Bedingungen stattfinden können.
Problematisch sind finanzielle Beziehungen zwischen Forschung und Wirtschaft immer dann, wenn Wissenschaftler Zuwendungen entgegennehmen, ohne eine fachliche Gegenleistung zu erbringen. Dazu gehört zum Beispiel die Übernahme von Reisekosten zu Kongressen. Entscheidend ist auch, wie die Wissenschaftler selbst mit Interessenkonflikten umgehen und ob sie diese offenlegen. Die Offenlegung von Interessenkonflikten ist bisher nicht einheitlich geregelt, wird aber von vielen renommierten Fachmagazinen gefordert.

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1. Pendel
el-gato-lopez 27.06.2012
Zitat von sysopCorbisAbnehmen nach Atkins, Logi-Methode, Steinzeitdiät oder das South-Beach-Konzept: Viele Diäten dieser Art sind umstritten. Jetzt bestätigt eine aktuelle Studie die Sorgen von Kritikern. Eine kohlenhydratarme und eiweissreiche Ernährung kann das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich steigern. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/0,1518,841072,00.html
So ziemlich jede Diät-Art ist umstritten und schon seit Jahren "pendelt" die wissenschaftl. Community in Ernährungsfragen mal in Richtung low-carb dann wieder "mediterane" Diät, sprich high-carb. Uneigennützig und objektiv sind diese "Forschungen" in den seltensten Fällen. Wie es in diesem Feld zugeht, zeigt z.B. Gary Taubes Wälzer Good Calories - Bad Calories... Das Buch ist auch nicht unumstritten, beleuchtet aber die Hintergründe, wenn die Mainstream-Medien mal wieder gross rumblöken "eine Studie" sogar von "US-Forschern" habe gezeigt XY sei ganz "toll" oder unglaublich "schädlich"
2. Abnehmen
Meckermann 27.06.2012
Friss-die-Hälfte ist die beste Diät. Dazu viel Bewegung. Macht euch nicht irre, die Ernährungsforschung behauptet jedes Jahr das Gegenteil von vorher.
3. höhere Darmkrebsrate durch rotes Fleisch???
noatron 27.06.2012
...das liegt eher daran, das der unkundige Esser sein rotes Fleisch noch immer im ach so gesunden Pflanzenöl brät, das über 60° erhitzt , leider krebserregende Substanzen bildet... Ansonsten ernähre ich mich seit 30 Jahren genau nach diesem Speiseplan viel Fleisch, viel Fett und (traditionell bedingt) nudel-, müsli- und brotfrei, wenig Obst, wenig Reis. Mit dem Ergebnis einer Top Muskulatur auch ohne Sportgehampel, Jeansgrösse 26 - wie mit 16(trotz Schwangerschaft), schöne, nahezu faltenfreie Haut mit Ende 40 und wie neulich wieder bestätigt - OPTIMALE BLUTWERTE.
4. Tappen im Dunkeln
angularm 27.06.2012
Wieder mal ein verwirrender Artikel zur Ernährungswissenschaft. Im Text wird ständig davon geredet, dass das erhöhte Risiko vielleicht von den tierischen Produkten herrühren könnte, obwohl doch gerade dies in der Studie nicht nachgewiesen werden konnte.
5. optional
bvoll 27.06.2012
Auch ohne Low-Carb, wird generell zuviel Eiweiß gegessen. Hauptlieferant ist heute Fleisch, welches für viele zur täglichen Mahlzeit gehört. Es ist überall zu niedrigen Preisen leicht verfügbar. Wenn dazu noch haltbar gemachte und verarbeitete Nahrungsmittel dazukommen, braucht man sich nicht zu wundern. Sogenannte "Zivilisationskrankheiten" sind die Folge. .
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Zum Autor
  • Dennis Ballwieser ist Arzt. In München machte er Narkose, in Hamburg schreibt er über Medizin. Er ist Redakteur im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.

Details zur Studie
Was wurde untersucht?
Die Langzeitfolgen einer Low-Carb-Ernährung für die Herz-Kreislauf-Gesundheit.
Wie wurde untersucht?
Mit Hilfe von Fragebögen wurde ermittelt, wie viel Kohlenhydrate und Proteine (Eiweiß) die Studienteilnehmerinnen zu sich nahmen. Befragt wurden mehr als 44.000 schwedische Frauen, die zu Studienbeginn 1991 zwischen 30 und 49 Jahre alt waren. Anhand der schwedischen Krankheits-, Melde- und Sterberegister konnten die Frauen im Schnitt für mehr als 15 Jahre nachverfolgt werden. So wussten die Forscher, welche Frauen an Herz-Kreislauf-Krankheiten erkrankten oder starben.
Was waren die Ergebnisse?
Je weniger Kohlenhydrate und je mehr Eiweiße die Frauen zu sich nahmen, desto wahrscheinlicher erkrankten sie an einer Herz-Kreislauf-Krankheit. Dazu zählten Herzinfarkt, Schlaganfall, Hirnblutung und die periphere arterielle Verschlusskrankheit.

Anhand der Ergebnisse aus den Fragebögen errechneten die Forscher für jede Frau eine Punktezahl, die anzeigt wie sie sich ernährt. Ein Punktewert von 2 gibt dabei an, dass die Studienteilnehmerin viel Kohlenhydrate und wenig Proteine zu sich nimmt, ein Punktewert von 20 dagegen das umgekehrte Verhältnis nach den Vorgaben einer Low-Carb-Ernährung.

Mit jedem Anstieg dieser Punktewerte um zwei Punkte steigt das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung um fünf Prozent. Übersetzt in Nahrungsbestandteile bedeutet das: Täglich 20 Gramm Kohlenhydrate weniger und fünf Gramm Protein mehr bedeuten fünf Prozent erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Co.
Vergleich mit anderen Studien
Kleinere europäische Studien haben bereits früher ähnliche Ergebnisse wie die aktuelle Studie gezeigt. Damals ging es aber um ein erhöhtes Risiko, an Herz-Kreislauf-Krankheiten zu sterben. Diese Studie ist die erste große Studie, die ein erhöhtes Erkrankungsrisiko ergibt.

In einer Analyse von Daten zweier großer US-Studien fanden Forscher dagegen keinen Zusammenhang zwischen einer Low-Carb-Ernährung und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Allerdings fiel in beiden Studien auf, dass es ein erhöhtes Risiko gibt, wenn bei der Herkunft der Proteine nur die tierischen Eiweiße berücksichtigt wurden.
Stärken und Schwächen der Studie
Schwächen der Studie sind, dass die teilnehmenden Frauen die Informationen zu ihrer Ernährung zu Beginn der Studie selbst in einen Fragebogen eingetragen haben. Das ist zwar bei großen Beobachtungsstudien durchaus üblich, aber auch fehleranfällig und ungenau. Die Forscher haben nicht zu allen Frauen Informationen über ihr Taille-Hüft-Verhältnis und gar keine Informationen über die Cholesterinwerte der Frauen im Blut, einen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten.

Stärken der Studie sind ihre Größe und die Stichprobe aus der Gesamtbevölkerung einer schwedischen Region. Der verwendete Fragebogen ist in anderen Studien überprüft worden. Die Forscher haben verzerrende Faktoren wie Rauchen als Risikofaktor für Gefäßkrankheiten berücksichtigt. Und die schwedischen Register für Krankheiten und Sterbefälle machen es möglich, Studienteilnehmerinnen genau nachzuverfolgen.

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