Mythos oder Medizin Treiben Eier den Cholesterinspiegel in die Höhe?

Ostern - das hartgekochte Ei in bunter Schale hat jetzt Hochsaison. Der Ruf der Nährstoffbomben ist allerdings ziemlich schlecht. Stimmt es, dass Eier den Cholesterinspiegel erhöhen?

Von

Ostereier: Reich an Cholesterin - und wichtigen Vitaminen
DPA

Ostereier: Reich an Cholesterin - und wichtigen Vitaminen


Nicht mehr als zwei Eier pro Woche solle man essen, lautet ein gängiger Ratschlag. Die Begründung klingt auf den ersten Blick einleuchtend. Das Ei ist reich an Cholesterin - einem Stoff, der im Blut in größeren Mengen das Risiko für verkalkte Arterien und damit auch für Schlaganfall und Herzinfarkt erhöht. Aus diesem Grund könne ein hoher Eierkonsum das Herz gefährden, so die Warnung.

Generell hat das Cholesterin aus dem Ei und der Nahrung aber nur einen geringen Einfluss darauf, wie viel des Stoffs im Blut zirkuliert. Grund dafür ist ein ausgeklügelter Stoffwechsel, der bei einem gesunden Menschen die Cholesterinmenge in Schach hält.

Cholesterin - wichtiger Baustein der Hormone

Cholesterin zählt, trotz des schlechten Rufs, zu den lebensnotwendigen Stoffen für den menschlichen Körper, ohne geht es nicht. Das Molekül ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil der Membran unserer Körperzellen, es bildet auch das Grundgerüst vieler Hormone. Zu seinen Abkömmlingen zählen unter anderem der Entzündungshemmer Kortison und die Geschlechtshormone Testosteron und Östrogen.

Damit der Nachschub stimmt, stellt der Körper Cholesterin zum Großteil selbst her. Kommt noch Cholesterin aus der Nahrung hinzu, vermeiden gleich zwei Sicherheitsmechanismen ein Überangebot: Zum einen drosselt der Körper sofort seine eigene Produktion, wenn der Darm eine größere Cholesterinaufnahme aus der Nahrung meldet. Zum anderen ist die Aufnahme über den Darm begrenzt. Liefert das Eierfrühstück zu viel Cholesterin, scheidet der Körper das Überflüssige einfach wieder aus. "Es ist als Gesunder deshalb quasi unmöglich, Cholesterin über die Nahrung zu überdosieren", sagt Christian Prinz, Direktor der Helios Klinik für Gastroenterologie in Wuppertal.

Anzeige
Neben den Mechanismen, die vor einer Überdosis aus der Nahrung schützen, konnten Wissenschaftler mittlerweile auch am Menschen nachweisen, dass der Genuss von Eiern Herz und Kreislauf nicht gefährdet. Im Jahr 2013 fassten chinesische Forscher die Ergebnisse von 17 Untersuchungen zusammen, die den Eierkonsum sowie koronare Herzerkrankungen und Schlaganfälle erfasst hatten. Das eindeutige Fazit: Selbst wer mehr als ein Ei am Tag isst, erkrankt nicht häufiger als Eierablehner.

Erhöhter Cholesterinspiegel: Dann lieber Eierverzicht

Dieses Ergebnis birgt jedoch keinen Ernährungs-Freibrief für Menschen, die schon einen erhöhten Cholesterinspiegel und damit ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall haben. Die Ursachen für hohe Cholesterinwerte sind vielfältig, neben genetischen Faktoren können Übergewicht, Diabetes, bestimmte Medikamente oder eine Schilddrüsenunterfunktion dazugehören. "Die Betroffenen sind zum Teil dünne Heringe ohne Übergewicht", sagt Prinz.

Zwar macht auch bei ihnen das Cholesterin aus der Nahrung nur einen kleinen Anteil des Gesamtcholesterins aus, doch Gastroenterologe Prinz sagt: "Dann ist es wichtig, keine Exzesse zu leben. Ein Frühstücksei am Sonntag ist aber erlaubt." Umgekehrt lasse sich ein zu hoher Cholesterinspiegel aber nicht allein durch eine strikte Diät kontrollieren, sagt Prinz. Selbst wer neben Eiern komplett auf cholesterinhaltige Lebensmittel wie Shrimps, Lachs oder Salami verzichtet, kann die Werte je nach Veranlagung lediglich um 10 bis 15 Prozent senken.

Menschen, die cholesterinmäßig nicht vorbelastet sind, können jedoch guten Gewissens mit Rührei und bunten Ostereiern ihren Ei-Appetit stillen. Denn neben reichlich Cholesterin und Kalorien liefern Eier dem Körper auch hochwertige Proteine, wichtige Mineralien und Vitamine. "Vor allem für Kinder bietet das tägliche Frühstücksei eine gute Basis", sagt Prinz. "Die enthaltenen B-Vitamine zum Beispiel sind wichtig für die neuronale Entwicklung." Das Ei, es ist besser als sein Ruf.

Fazit: Das Cholesterin aus Lebensmitteln wie Eiern hat nur einen geringen Einfluss darauf, welche Mengen des Stoffs im Blut zirkulieren. Menschen mit einem sowieso schon zu hohen Cholesterinspiegel sollten trotzdem selten cholesterinreiche Speisen essen. Alle anderen dürfen's sich schmecken lassen.

SCHICKEN SIE UNS IHRE FRAGE: MYTHOS ODER MEDIZIN?

Ihre Schwiegermutter schluckt nach dem Essen überteuerte Omega-3-Kapseln, Sie sind skeptisch? Sie mögen triefende Wadenwickel, wissen aber nicht, ob die auch Ihr Fieber senken? Mailen Sie uns Ihre Fragen an medizinmythen@spiegel.de. SPIEGEL ONLINE recherchiert, was wirklich hinter Hausmitteln, Tipps und Tricks steckt. Eine Auswahl Ihrer Einsendungen wird veröffentlicht.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 33 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dekantil 19.04.2014
1. Ein kleiner
Hinweis seitens SPON häätte genügt um lar zu machen, dass es den einen Cholesterin-Spiegel nicht gibt. Jeder einzelne hat seinen teils genetisch, teils geschlechtlich, teils Alters-, teils durch Ernährung in den letzten 48 Stunden bedingten Cholesterin Spiegel. Molekularwissenschaftlich gibt es keinen Beweis für den Zusammenhang von Nahrungsaufnahme und Cholesterin-Spiege, wohl aber eine Pharmaindustrie, die Millionen Patienten mit Cholesterin-Spiegel senkenden Mitteln versorgt. Wie bei der PON´schen Anti-Raucher Kampagne wird die "Beweis"lage dünn wenn man ins Detail geht,
Eppelein von Gailingen 19.04.2014
2. Wenn wir alle Schreckensmeldungen, egal ob Milch, oder das Eidotter, oder das Viertel
*Rotwein beachten sollen?* Was dürfen wir dann überhaupt noch essen? Es ist schlicht gesagt, das Einseitige als Zuviel, welches unserer Gesundheit auf Dauer schadet. Friss die Hälfte ist schon mal ein Ansatz. Meide den Cocktail, den uns unsere Ernährungsindustrie als Nimmersatt für seine Gewinnmargen durch die teilweise kriminelle Werbung anpreist. Esse was schmeckt, aber haue nicht rein, als wärst Du ein Holzfäller, der sich ständig körperlich ausarbeitet, wenn Du nur ein windiger Bürohengst bist, der als Couch-Potatoe nicht einmal die Mülltüte für seine beste Hälfte zu den Tonnen tragen will. Bewegen bringt Segen, weniger Saufen hält am Laufen. Könnte vom Horst Lichter sein, ist es aber nicht.
Mindbender 19.04.2014
3.
Da würde ich doch eher meinen Arzt fragen, als auf Irene, studierte Wissenschaftsjournalistin beim SPON zu hören.
analyse 19.04.2014
4. Wenn doch bloß alle Beiträge so sachlich wären !
Vor allem auch aus dem politischen Bereich !
isp 19.04.2014
5. Arachidonsäure ist's
Das Cholesterin im Ei ist natürlich Nebensache. Dietätisches Cholesterin macht nur einen kleinen Teil der Cholesterins im Körper aus. Das meiste wird eigenproduziert und zwar in Regelkreisen, d.H. es justiert sich auf einen im Körper bestimmten Pegel ein, egal wieviel gegessen wird. Was aber wirklich bedeutend ist, ist die Arachidonsäure im Ei. Eier haben massenhaft davon und Arachidonsäure beeinflusst die Prostaglandinproduktion. Prostaglandine bestimmen, wieviel Cholesterin produzuert wird, wie stark die Blutkoaguation ist, wie hoch der Entzündungsstatus ist und die Schmerzwahrnehmung und vieles andere. Wenn doch die Ernährungsfritzen endlich vom gegessenen Cholesterin weg kämen und auf die Arachidonsäure achten. Bestes Mittel gegen Arachidonsäure ist übrigens Leinöl, pflanzliches omega-3 blockiert das Enzym, das Arachidonsäure herstellt. Ebenso - aber nicht ganz so gut - kann das EPA, ein Fischöl.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.