Fitnessstudio: "Ein Großteil der Hardcore-Bodybuilder nimmt anabole Steroide"

Extreme Muskelberge lassen sich auf natürlichem Wege gar nicht erreichen - oder doch? Sportmediziner Klaus-Michael Braumann glaubt, dass im klassischen Bodybuilding mehr gedopt wird als in anderen Sportarten. Wie viele Muskeln jemand aufbauen kann, ist aber auch Typsache.

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Bodybuilder: Der Bodybuilding-Hype ist heutzutage etwas abgeflaut

SPIEGEL ONLINE: Herr Professor Braumann, ab wann wird Krafttraining ungesund?

Klaus-Michael Braumann: Wenn es anfängt weh zu tun.

SPIEGEL ONLINE: Aber ich höre immer wieder von Leuten, die möglichst viel Muskelzunahme erreichen wollen, dass man bis an die Schmerzgrenze und darüber hinaus trainieren muss.

Braumann: Das sind die akuten Schmerzen. Bei sportlichen Betätigungen kommt es zu Säurebildung und der Freisetzung von Stoffen, die das hervorrufen. Das ist normal. Wenn Sie aber Ihren Muskel so trainieren, dass es an den Muskelaufhängepunkten zu chronischen Schmerzen kommt, dann befinden Sie sich nicht mehr im gesunden Bereich.

ZUR PERSON

Klaus-Michael Braumann, ist seit 2012 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention. Braumann ist Facharzt für Allgemeinmedizin und seit 1993 Professor für Sportmedizin an der Universität Hamburg. Dort leitet er seit 1996 das Institut für Sport- und Bewegungsmedizin.

SPIEGEL ONLINE: Wie trainiert man richtig, um eine möglichst große Muskelzunahme zu erreichen?

Braumann: In der Trainingswissenschaft gibt es gut belegte Konzepte, wie durch Intensität und Wiederholungszahlen ein optimaler Trainingseffekt erreicht werden kann. Ein entscheidender Faktor ist aber, ob man von seiner genetischen Ausstattung her überhaupt auf Krafttraining anspricht. Es gibt Leute, die sehen eine Hantel nur an und bekommen Muskeln. Andere trainieren wie verrückt und bleiben dennoch schmächtig. Wenn Sie Muskeln aufbauen möchten, müssen Sie aber schon an Ihre individuellen Grenzen gehen.

SPIEGEL ONLINE: Wie viel Muskelzunahme ist denn überhaupt natürlich und gesund?

Braumann: Wenn man auf Krafttraining anspricht, gibt es nach oben hin eigentlich nur die genetisch-physiologischen Grenzen, was Sie an Muskelaufbau und Belastung erreichen können.

SPIEGEL ONLINE: Wenn man sich im Fitnessstudio aber mal so umguckt, dann hat man bei einigen Muskelbergen schon den Eindruck, dass die auf natürlichem Weg gar nicht erreichbar sind.

Braumann: Man muss wohl davon ausgehen, dass ein Großteil der "richtigen" Hardcore-Bodybuilder anabole Steroide nimmt. Es gibt aber auch einen unterschätzten Anteil von Bodybuildern, die den natürlichen Weg gehen und das auch sehr bewusst tun. Diese "natural Bodybuilder" sehen deutlich weniger überdimensioniert aus, haben aber auch sehr definierte Muskeln.

SPIEGEL ONLINE: Aber berühmte Bodybuilding-Wettbewerbe wie "Mr. Olympia" und Co. prämieren doch Körper, die auf natürlichem Wege gar nicht zu erreichen wären.

Braumann: Wer sich im klassischen Bodybuilding betätigt, muss damit rechnen, dass mehr als in anderen Sportarten, gedopt wird.

SPIEGEL ONLINE: Aber ohne ärztliche Verordnung ist Steroidbesitz laut Arzneimittelgesetz verboten!

Braumann: Das stimmt. Und wenn Sie sich in der Kraftsport Szene umschauen, müssen Sie feststellen, dass es da offensichtlich ein erhebliches Vollzugsdefizit gibt. Es wird strafrechtlich nicht verfolgt.

SPIEGEL ONLINE: Natürlich gibt es diese Mittel auf dem Schwarzmarkt. Aber ich frage mich, wie man offizielle Wettbewerbe veranstalten kann, die nur funktionieren, wenn die Wettbewerber Mittel anwenden, die verboten sind.

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Muskelsucht: Bis ins Extrem gedehnt
Braumann: Das könnten Sie auch anderen Sportarten vorwerfen. Doping ist ein immanentes Problem des Leistungssports.

SPIEGEL ONLINE: Beim Bodybuilding ist das Doping aber doch so offensichtlich.

Braumann: Nur weil einer aussieht wie gedopt, hat er nicht zwingend gedopt. Es gilt die Unschuldsvermutung. Sie können Doper nur mit Kontrollen überführen - und wenn man die nicht macht, dann überführt man auch niemanden. Ich bin auch überzeugt, dass man bei Bodybuildern eine Menge positive Dopingkontrollen finden würde. (Die International Federation of Body Building, Veranstalter des "Mr. Olympia" und der "Arnold Classic", gibt auf ihrer Webseite an, Dopingkontrollen durchzuführen - d. Red.).

SPIEGEL ONLINE: Berühmte ehemalige Bodybuilder und Hollywood-Stars wie Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone haben zugegeben, selbst gedopt zu haben.

Braumann: Das ist natürlich ein fatales Signal. Aber solange kein Aufschrei der Empörung durchs Land geht, gilt das offenbar als Kavaliersdelikt.

SPIEGEL ONLINE: Bodybuilding war in den achtziger und neunziger Jahren hip. Hat das wieder abgenommen?

Braumann: Was Extrem-Bodybuilding angeht, kann ich das schlecht einschätzen. Was mir aber auffällt, ist, dass immer mehr junge Männer und auch Frauen sehr viel Wert darauf legen, einen gut definierten Körper zu haben und Krafttraining machen - ohne jetzt gleich aussehen zu wollen wie ein Bodybuilder. Das sieht man auch in der Modelszene. Schauen Sie sich mal alte Filme aus den siebziger Jahren an und vergleichen Sie die mit aktuellen Filmen. Was das Frauenschönheitsideal angeht, sehen Sie da bemerkenswerte Unterschiede in der Athletik und der muskulären Definiertheit der Körper.

Das Interview führte Jens Lubbadeh.

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1.
Robert_Rostock 25.07.2013
Zitat von sysopExtreme Muskelberge lassen sich auf natürlichem Wege gar nicht aufbauen - oder doch? Sportmediziner Klaus-Michael Braumann glaubt, dass im klassischen Bodybuilding mehr gedopt wird als in anderen Sportarten. Wie viele Muskeln jemand aufbauen kann, ist aber auch Typsache. Ein Großteil der extremen Bodybuildern nimmt anabole Steroide - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/ein-grossteil-der-extremen-bodybuildern-nimmt-anabole-steroide-a-912600.html)
So ein Quatsch. Doping gibts doch nur im Radsport.
2. Steve Reeves und andere
Johann Grabner 25.07.2013
zeigt, was natural geht: http://www.onestopmuscle.co.uk/wp-content/uploads/2012/11/steve-reeves.jpg oder auch Reg Park: http://en.wikipedia.org/wiki/Reg_Park die waren in den 50ern aktiv und das waren die letzten Jahre, die garantiert frei von Anabolen Steroiden war, denn Dianabol kam erst nach 1960 auf den Markt: http://en.wikipedia.org/wiki/Methandrostenolone Bilder von Schwarzenegger aus dieser Zeit zeigen ihn auch noch natural: http://allwomenstalk.com/wp-content/uploads/2008/11/172497arnold-schwarzenegger-posters.jpg man sieht also, daß man natural eine Menge erreichen kann. Alles was nach 1970 kam ist dagegen mit Doping durchsetzt und auch unter Bodybuildern sind die Figuren von heute zumindest umstritten wenn nicht gar verachtet. Selbst in Bodybuilding-Magazinen werden immer wieder die Bodybuilder der 50er und 60er auf die Titelseiten gehoben und Artikel geschrieben, weil das eben die Spitze des ästhetischen Männerkörpers ist.
3. Oh Gott nicht schon wieder
I_Splash_Funds 26.07.2013
Sehr geehrter Herr Lubbadeh, wir hatten das Problem vor zwei Tagen schon mit. Sie haben sich dem falschen Thema gewidmet. Ihre populistische Artikelserie wirft ein sehr schlichtes Licht auf sie. Bitte wenden sie sich Themen zu denen sie in ihrem Umfang auch egrecht werden. Danke im Namen qualitativer Berichterstattung MfG Stefan Kotschy
4. nee
dadanchali 26.07.2013
Zitat von Robert_RostockSo ein Quatsch. Doping gibts doch nur im Radsport.
Wer in Fitnessstudios geht in denen Null Kompetenz vorherrscht ist selber schuld. Wer meint er könne alles selbst und dann a la Mcfit ohne kompetente Trainer trainiert ist einfach nur dumm. Fitnessstudio gleich Bodybuilding ist doch ein Anachronismus. Seriöse Studios haben berufsausgebildete Trainer möglichst mit therapeutischem Background. Einfach mal Fragen was Ihr Trainer den so kann, denn Trainer darf sich jeder nennen. Leider sind viele Titel nur Makulatur, also nach beruflichen Qualifikationen fragen. Effektiv und Gesund schließen sich nicht zwangsläufig aus, selbst bei hochdosiertem Krafttraining.
5. Nix populistischer Artikel, Interview
Ulrich Vissering 26.07.2013
Zitat von I_Splash_FundsSehr geehrter Herr Lubbadeh, wir hatten das Problem vor zwei Tagen schon mit. Sie haben sich dem falschen Thema gewidmet. Ihre populistische Artikelserie wirft ein sehr schlichtes Licht auf sie. Bitte wenden sie sich Themen zu denen sie in ihrem Umfang auch egrecht werden. Danke im Namen qualitativer Berichterstattung MfG Stefan Kotschy
Obenstehendes ist kein Artikel sondern ein Interview bei dem für mich kein populistischer Eindruck aufkommt. Persönlich fand ich auch den Artikel über die Verwandtschaft zwischen der überwiegend bei jüngeren Frauen auftretenden Magersucht und dieser exzessiven Muskelzüchtung vornehmlich junger Männer aufschlussreich und nachvollziehbar. Keiner wird damit den Normalbetrieb eines Fitnessstudios in Verbindung bringen, davon hält schon der äußere Eindruck der dort Trainierenden ab, zu denen viele von uns selbst gehören, aber trotzdem kennt jeder die äußeren Körperformen mancher Männer bei denen man schon insgeheim begreift, dass diese durch schlichtes Training nicht zu erreichen sind. Für das Thema Magersucht ist mittlerweile ein gewisses Bewußtsein gereift, so zum Beispiel die gefährlichen Vorbilder im Fashionmodelbereich, denen wiederum die Anforderungsprofile der Modemacher und der Magazine zugrunde liegen, für den Muskelbereich ist hingegen eher zunehmend eine Akzeptanz für ungewöhnlich bis unnatürlich erscheinende Körperformen mancher Darsteller zu erkennen die damit den Comicvorlagen für manche Superheldenfilme näher kommen sollen und aber ebenso als schädliches Vorbild bezeichnet werden könnten.
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