Eltern-Umfrage Wie viel Zucker steckt in diesem Joghurt?

Viele Eltern unterschätzen den Zuckergehalt in Lebensmitteln, zeigt eine aktuelle Umfrage. Ihre Kinder laufen stärker Gefahr, Übergewicht zu entwickeln.

Fruchtjoghurt
imago/ Bernhard Classen

Fruchtjoghurt


Eltern haben häufig keine Ahnung davon, wie viel Zucker in Lebensmitteln steckt. Befragt nach dem Zuckergehalt eines üblichen 250-Gramm-Fruchtjoghurts, lagen 92 Prozent falsch. Durchschnittlich gingen sie von nur vier statt der elf tatsächlichen Zuckerwürfel aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Universität Mannheim.

Für die Untersuchung hatten Forscher die Körpergröße und das Gewicht von 305 Kindern gemessen. Außerdem mussten die Eltern den Zuckergehalt von Lebensmitteln schätzen. Auch beim Müsliriegel lag ein Teil der Eltern daneben, dieses Mal unterboten jedoch nur 30 Prozent den Zuckeranteil. Statt von 2,5 tatsächlichen Würfeln gingen sie davon aus, dass einer der Riegel nur 1,5 Zuckerwürfel enthält.

Größeres Risiko für Übergewicht bei Kindern

Die Fehleinschätzung sei ein möglicher Risikofaktor für Übergewicht bei Kindern, erklärte die Max-Planck-Forscherin Mattea Dallacker auf dem Deutschen Zuckerreduktionsgipfel, der auf Initiative des AOK-Bundesverbands stattfand. Je stärker die Eltern den Zuckergehalt unterschätzten, umso höher war demnach der Body-Mass-Index (BMI) ihres Nachwuchses:

  • In der gesamten Gruppe waren 25 Prozent der Kinder übergewichtig.
  • In der Gruppe mit den Eltern, die den Zuckergehalt unterschätzten, lagen 50 Prozent über dem Normalgewicht.

Nicht nur in der untersuchten Gruppe, auch in ganz Deutschland ist Übergewicht ein Problem. Bereits 18 Prozent der Elf- bis 17-Jährigen seien übergewichtig oder gar adipös, also fettleibig, erklärte AOK-Vorstandschef Martin Litsch. "Wir brauchen einfach mehr Transparenz über versteckten Zucker." Die Lebensmittelindustrie aber sträube sich seit Jahren gegen eine auch für Laien verständliche Lebensmittelkennzeichnung.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, am Tag höchstens 16 Zuckerwürfel zu konsumieren. Tatsächlich kommt ein Durchschnittsdeutscher jedoch auf eine Menge von 28 Würfeln.

irb/AFP



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