Deutsche und Ernährung: Mann isst Fleisch, Frau isst gesund

Von Dennis Ballwieser

Ernährung ist den Deutschen wichtig, sie wollen gesund essen - doch im Alltag ist die Zeit knapp und der Stress groß. Die aktuelle Umfrage einer Krankenkasse belegt: Das Wissen über eine gesunde Ernährung ist vorhanden - nur bei der Umsetzung hapert es.

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Lebensmittelpyramide: Essen zwischendurch, am Arbeitsplatz, in Eile

An gesunder Ernährung kommt kein Deutscher mehr vorbei. Selbst wer sich kein bisschen für frische Küchenkräuter, den Vitamingehalt von Tiefkühlgemüse oder den Unterschied zwischen rotem und weißem Fleisch interessiert, kann der Frage, wie er sich gesund ernährt, kaum ausweichen: Eine unüberschaubare Zahl an Büchern, Fernsehsendungen und ganzen Zeitschriften beschäftigt sich ausschließlich mit Ratschlägen über das richtige Frühstück, Mittag- und Abendessen. Und die richtigen Zwischenmahlzeiten. Und die richtigen Snacks. Und und und.

Trotzdem: Einer wachsenden Zahl Menschen nichts so schwer wie eine ausgewogene Ernährung. Passend zu diesem Dilemma veröffentlicht die Techniker Krankenkasse (TK) die Ergebnisse ihrer Umfrage "Iss was, Deutschland?" zum Ernährungsverhalten in der Bundesrepublik. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Auftrag der TK 1000 Erwachsene befragt, um einen repräsentativen Querschnitt der volljährigen Bevölkerung zu erhalten. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Das Essen ist den Deutschen wichtig

    Mehr als die Hälfte der Frauen (55 Prozent) und knapp die Hälfte der Männer (44 Prozent) geben an, das Thema Essen sei ihnen sehr wichtig. Sie seien auch bereit, in die eigene Ernährung Zeit und Geld zu investieren.
  • Frauen essen gesünder als Männer

    Drei Viertel der Frauen (74 Prozent) sagen, sie ernähren sich immer beziehungsweise überwiegend gesund, immerhin die Hälfte der Männer (52 Prozent) gibt ebenfalls diese Antwort.
  • Hauptsache lecker schlägt Hauptsache gesund

    Für die meisten Deutschen (je nach Altersgruppe zwischen 32 und 59 Prozent) ist der Geschmack des Essens wichtiger als der Faktor Gesundheit (je nach Altersgruppe zwischen 23 und 43 Prozent). Die meisten Befragten zählen sich selbst zum Esstyp "Hauptsache lecker" (45 Prozent), gut ein Drittel verpasst sich selbst das Etikett "Hauptsache gesund" (35 Prozent).
  • Obst und Gemüse sind Frauen wichtig, Fleisch den Männern

    Täglich essen drei Viertel der Frauen (74 Prozent) Obst und Gemüse, auch mehr als die Hälfte der Männer sagt das (54 Prozent). Etwa genau so viele Männer (56 Prozent) geben an, mindestens einmal am Tag Fleisch oder Wurstaufschnitt zu essen, bei den Frauen sind es nur 39 Prozent. Während 79 Prozent der Männer behaupten, nicht aus Stress oder Frust zu essen, geben vier von zehn Frauen zu, zu den Frustessern zu gehören.

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Ernährung: Essen zwischendurch, am Arbeitsplatz, in Eile

  • Stress verhindert die gesunde Ernährung

    Die Hälfte der Befragten gibt an, Zeit und Ruhe würden für die gesunde Ernährung fehlen. Faktoren wie mangelndes Durchhaltevermögen (43 Prozent), fehlender Wille (40 Prozent), bessere Voraussetzungen am Arbeitsplatz (29 Prozent) oder Geld (22 Prozent) sind weniger entscheidend.
  • Eine Nation von Köchen, die nicht kochen

    Mehr als zwei Drittel der Frauen (68 Prozent) und fast die Hälfte der Männer (44 Prozent) schätzen ihre Kochfertigkeiten als gut ein. Während ein weiteres Viertel der Frauen den eigenen Kochkünste gar die Note "sehr gut" erteilt, geben weitere 30 Prozent der Männer zu, nur wenig kochen zu können. Dass die Deutschen kochen können, bedeutet aber noch lange nicht, dass sie es auch tun würden: Nur in der Hälfte aller Haushalte gibt es täglich etwas Selbstgekochtes.
  • Fertiggerichte für alle Bildungsschichten

    Besonders die jüngeren Deutschen nutzen Fertiggerichte: Bei den 18-25-jährigen geben 42 Prozent an, ein bis zweimal wöchentlich zuzugreifen. Immerhin 17 Prozent sagten, fast jeden Tag (drei bis fünfmal wöchentlich) Fertiggerichte zu nutzen. Menschen mit Abitur oder Studium greifen dabei ebenso häufig zu, wie Befragte mit Volks- oder Hauptschulbildung.
  • Geteilte Aufmerksamkeit für das Essen

    Wer sich auf das Essen konzentriert, umschifft die Gefahr, gedankenverloren mehr zu essen, als er eigentlich für das eigene Sättigungsgefühl braucht. Doch die Hälfte der Singles (49 Prozent) und immerhin ein Viertel (24 Prozent) der Befragten in Zweipersonenhaushalten gaben an, neben dem Essen oft fernzusehen, das Internet zu nutzen oder zu lesen.
  • Berufstätige haben es schwer, sich gesund zu ernähren

    Die Kantine prägt den Speiseplan: Während immerhin knapp die Hälfte (Frauen 47 Prozent, Männer 49 Prozent) angab, in Ruhe essen zu können, beklagen 39 Prozent (beide Geschlechter), die Essensauswahl in der Kantine oder Arbeitsplatznähe erschwere eine gesunde Ernährung.

Die Umfrageergebnisse passen zu wissenschaftlichen Erkenntnissen aus einer Vielzahl von Studien: Immer wieder konnten Forscher zeigen, dass Menschen auch dann große Schwierigkeiten haben, sich gesund zu ernähren, wenn sie viel über eine ausgewogene Ernährungsweise wissen. In einer Umwelt, die es leicht macht, sich einseitig und kalorienreich zu ernähren, in der eine ausgewogene Ernährung aber besonderer Anstrengung bedarf, fällt es auch bewusst essenden Menschen schwer, die eigenen Erkenntnisse umzusetzen.

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insgesamt 159 Beiträge
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1.
torbinhog 22.02.2013
"Drei Viertel der Frauen (74 Prozent) sagen, sie ernähren sich immer beziehungsweise überwiegend gesund..." Wenn man gesund jetzt noch definieren würde.
2. Und Frauen lügen gerne bei solchen Befragungen
DonCarlos 22.02.2013
Es gibt gleich viele Männer und Frauen mit Adipositas in Deutschland. Also am gesünderen Essen kann es wohl dann nicht liegen.
3. Mann isst Fleisch, Frau isst gesund
mactor2 22.02.2013
Wer sagt denn das Fleisch ungesund ist? Oder macht es nicht eher die Masse und das Gesamtbild der kompletten Lebensumstände? Wer sagt denn das Vegetarier oder gar Veganer sein gesund ist? Älter werden die auch nicht. Und der Kundschaft in Veganerläden sieht man auch schon von weitem Mangelerscheinungen an...
4. In Ordnung
Peter-Lublewski 22.02.2013
"Mann isst Fleisch, Frau isst gesund" Finde ich von der Einteilung her in Ordnung.
5. besteuern
zephyros 22.02.2013
der einzige Weg, etwas gegen den allgemein verbreiteten Fleisch- Fett- Zucker- Alkohol und Fertigproduktewahn, gepaart mit wurstiger Bequemlichkeit und damit gegen die Verursacher von 99% aller Krankheiten zu tun, ist es diese Produkte durch Steuern radikal zu verteuern. Denn leider verstehen die Menschen immer erst dann, wenn es ihnen an den Geldbeutel geht.
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Zum Autor
  • Dennis Ballwieser ist Arzt. In München machte er Narkose, in Hamburg schreibt er über Medizin. Er ist Redakteur im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.
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