Britische Studie: Kindern droht Gefahr durch Untergewicht

Untergewicht kann für Jugendliche genauso gefährlich sein wie Übergewicht, warnen britische Forscher. Allerdings gelten dürre Kinder in den Industrienationen nur selten als Problem: Obwohl einer von 17 englischen Teenagern zu wenig wiegt, achten Kinderärzte kaum darauf.

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Corbis

Untergewicht bei Jugendlichen: Gesundheitlich bedenklich

In allen westlichen Industrienationen beklagen Ärzte seit Jahren, dass nicht nur Erwachsene, sondern auch deutlich zu viele Kinder zu dick sind. Um die zehn Prozent der deutschen Schulanfänger gelten als übergewichtig. Eltern und Mediziner sorgen sich zu Recht um die Gesundheit der Kinder - die Kilos steigern das Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen im späteren Leben. Problematisches Untergewicht hingegen, das ebenfalls erheblich schaden kann, ist in Europa kaum ein Thema.

Britische Forscher haben jetzt beim Jahreskongress der European Association for the Study of Obesity (EASO) gefordert, untergewichtigen Kindern auch in den reichen Ländern mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Denn Unterernährung könne für Heranwachsende genauso gefährlich sein wie Übergewicht, so die Wissenschaftler um Ayodele Ogunleye und Gavin Sandercock von der University of Essex in Colchester. Immerhin einer von 17 Engländern zwischen neun und 16 Jahren ist nach den Zahlen der Wissenschaftler untergewichtig.

Die Forscher werteten Daten zum Body-Mass-Index (BMI) von knapp 10.000 britischen Schulkindern zwischen neun und 16 Jahren aus, die in der East England Healthy Heart Study erhoben worden waren. Anhand von BMI-Klassifikationen für Heranwachsende beurteilten die Wissenschaftler, wie viele der Kinder Unter-, Normal- oder Übergewicht hatten.

Knapp sechs Prozent der Kinder waren untergewichtig, das entspricht etwa jedem 17. der Teilnehmer. Im Alter von neun Jahren betrug die Rate sogar über acht Prozent (jedes zwölfte Kind). Mädchen waren häufiger betroffen als Jungs. Die Zahlen besorgen die Wissenschaftler vor allem vor dem Hintergrund, dass laut Studienergebnissen nur jeder zweite Arzt in England und Wales in der Lage ist, Untergewicht bei Kindern überhaupt festzustellen.

Aus Sicht der Wissenschaftler könnte Untergewicht damit nicht nur deutlich häufiger ein Problem sein, als allgemein angenommen - die Unterernährung gefährdet auch die Gesundheit der Kinder. Die Forscher rufen dazu auf, in künftigen Studien bereits bei Kleinkindern nach Hinweisen auf eine Mangelernährung zu suchen.

Über die Ursachen der Unterernährung in einer westlichen Industrienation können die britischen Mediziner nur spekulieren. Möglicherweise seien steigende Nahrungsmittelpreise, fehlendes Wissen über eine ausgewogene Ernährung oder die Furcht vor Übergewicht auslösende Faktoren.

Während in Großbritannien ähnlich wie in Deutschland vor allem die Zahlen steigender Übergewichtiger in der öffentlichen Diskussion eine Rolle spielen, sind Unter- und Mangelernährung in vielen Entwicklungsländern nach wie vor ein großes Problem, das unter anderem zu einer hohen Kindersterblichkeit beiträgt.

Lesen Sie hier mehr über die Ernährung von Kindern: Hält Stillen Babys schlank? +++ Gezielte Vorbeugung kann die Fettsuchtwelle stoppen +++ Zu viel Salz macht Kinder dick und krank

dba

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1. Also,
schwutke 13.05.2013
jetzt bin ich verwirrt. Ich dachte immer man ist erst ab 13 ein Teenager, nicht schon mit 9. Auch diese staendige Panikmache ist quatsch. Es gibt vielleicht einige mangelernaerte oder magersuechtige kinder, aber viele der vermeintlich Untergewichtigen sind ganz normale Kinder. Sich nur auf den BMI zu verlassen ist Quatsch. Meine 3 Kinder waren/sind nach der Tabelle auch untergewichtig, sie ernaehren sich aber gesund, machen viel Sport und sind beileibe nicht mangelernaehrt. Ich werde sie bestimmt nicht nur zum Arzt mitnehmen, damit der Blut abnimmt um eine vermeintliche Mangelernaehrung festzustelle, die Kids moegen keine Nadeln. Wir kochen selbst, sei essen soviel sie wollen ( und sie essen reichlich). Wir wohnen nicht in einem Entwicklungsland Ich glaube, ich bleibe der Arztpraxis weiterhin fern, sonst gehen die Kids gesund hin und kommen krank wieder raus. (bis auf Impfungen, mache ich beim Gesundheitsamt)
2.
**Kiki** 13.05.2013
Zitat von sysopCorbisUntergewicht kann für Jugendliche genauso gefährlich sein wie Übergewicht, warnen britische Forscher. Allerdings gelten dürre Kinder in den Industrienationen nur selten als Problem: Obwohl einer von 17 englischen Teenagern zu wenig wiegt, achten Kinderärzte kaum darauf. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/ernaehrung-untergewicht-ist-fuer-kinder-so-gefaehrlich-wie-uebergewicht-a-899497.html
Ich möchte ja lieber nicht so genau wissen, wie viele dieser Untergewichtsfälle Ärzte und Medien durch ihre hysterischen Warnungen von Übergewicht selbst (mit-)verschuldet haben.
3.
m_mustermann 13.05.2013
Zitat von sysopCorbisUntergewicht kann für Jugendliche genauso gefährlich sein wie Übergewicht, warnen britische Forscher. Allerdings gelten dürre Kinder in den Industrienationen nur selten als Problem: Obwohl einer von 17 englischen Teenagern zu wenig wiegt, achten Kinderärzte kaum darauf. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/ernaehrung-untergewicht-ist-fuer-kinder-so-gefaehrlich-wie-uebergewicht-a-899497.html
Leider vergisst der Artikel zu erwähnen, was die großen Gesundheitsgefahren denn nun sind. Sicher ist Magersucht gefährlich und einige wenige kriminell vernachlässigte Kinder gibt es auch, aber die meisten der Untergewichtigen sind bestimmt nur schlechte Esser oder nehmen genetisch bedingt schwer zu. Welche größeren Gesundheitsgefahren drohen diesen denn? Ist es denn überhaupt sinnvoll, solche Kinder zum Zunehmen zu "zwingen", wenn keine Krankheit oder Vernachlässigung dahintersteckt? Man kann nämlich öfter beobachten, dass aus dürren Kindern im mittleren Alter doch noch übergewichtige Erwachsene werden.
4. Ist es auch nicht unbedingt
blogreiter 13.05.2013
Zitat von sysopCorbisUntergewicht kann für Jugendliche genauso gefährlich sein wie Übergewicht, warnen britische Forscher. Allerdings gelten dürre Kinder in den Industrienationen nur selten als Problem: Obwohl einer von 17 englischen Teenagern zu wenig wiegt, achten Kinderärzte kaum darauf. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/ernaehrung-untergewicht-ist-fuer-kinder-so-gefaehrlich-wie-uebergewicht-a-899497.html
Es gibt Jugendliche, die können essen noch und noch und bleiben untergewichtig. Andere werden vom Schlagsahne angucken fett und bei wiederum anderen in dem Alter rutscht die vierfache Portion einfach so durch, bei Überschuß an Zucker ähnlich. Das ist nun mal so. Im Alter ändert sich dann der Stoffwechsel und man gewinnt mehr aus der Nahrung.
5. ...
Newspeak 13.05.2013
Es ist schon interessant, daß Untergewicht jetzt auch als Risiko erkannt wird, Übergewicht meistens auch schlecht ist, aber manchmal im Alter auch vorteilhaft auf die Überlebenswahrscheinlichkeit wirkt, außerdem bei sportlichen Dicken nicht so schlimm ist, dafür aber bei Dünnen, wenn sie mehr Viszeralfett haben. Am Ende ist dann niemand mehr normal und gesund. Weil, selbst wenn jemand das richtige Gewicht hat, hat er nachher eine obskure und erst seit wenigen Jahren benannte psychische Störung. Mindestens.
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