DGE-Ernährungsbericht 2012: So isst Deutschland

Von Dennis Ballwieser

Die Deutschen essen mehr Gemüse, aber weniger Obst und insgesamt zu viel Fleisch - das hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in ihrem Ernährungsbericht 2012 herausgefunden. Die Forscher untersuchten vor allem die Bedürfnisse der Senioren in einer alternden Gesellschaft.

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Obststand: Die Deutschen könnten häufiger zu Früchten greifen, findet die DGE

Ein erfreulicher Anstieg beim Verbrauch von Gemüse, betrüblich der Rückgang beim Obstverbrauch und nach wie vor zu viel Fleisch auf deutschen Tellern - so lässt sich das Ergebnis des Ernährungsberichts 2012 der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) knapp zusammenfassen.

Zum zwölften Mal haben die Bonner Wissenschaftler in ihrem am Freitag in Berlin vorgestellten Bericht untersucht, wie sich die Ernährung der Deutschen wandelt. Gezielt erforschte die DGE die Situation pflegebedürftiger Senioren in Privathaushalten und von Kunden unterschiedlicher "Essen auf Rädern"-Dienste. Der Blick darauf, wie ältere Menschen essen und trinken, ist in einer alternden Gesellschaft wie der deutschen besonders spannend.

Pflegebedürftigen Senioren droht Mangelernährung

Bei insgesamt 353 pflegebedürftigen Rentnern fragten die DGE-Forscher nach der Ernährung und bestimmten den Body-Mass-Index (BMI), der durchschnittlich höher lag als bei Pflegeheimbewohnern in einer vorangegangenen Studie. Wie der Rest der Bevölkerung auch, essen die Senioren aus DGE-Sicht zu viel Fleisch und Wurst und zu wenig Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Obst und Fisch. Nach den Studienprotokollen nahmen die Befragten dagegen nicht übermäßig viele Kalorien zu sich. Der Großteil erhält über die Ernährung ausreichend Vitamine und Mineralstoffe - problematisch ist allerdings die Vitamin-D-Versorgung der Senioren. Gerade die kann im Alter wichtig sein, weil Vitamin D und Kalzium für die Knochenstabilität wichtig sind.

Beschwerden hatten viele der Befragten vor allem beim Kauen und Schlucken - aus DGE-Sicht drohen dadurch Mangelernährung und einseitige Ernährung. Sorge bereitet auch das nachlassende Durstgefühl vieler Studienteilnehmer, wobei nur drei Prozent angaben, häufig weniger als einen halben Liter Flüssigkeit täglich zu trinken. Die Probleme waren erwartungsgemäß bei demenzkranken Studienteilnehmern ausgeprägter. Knapp die Hälfte der befragten Rentner (47 Prozent) nahm zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel ein - vor allem Vitamin D, Kalzium und Magnesium.

Die befragten pflegebedürftigen Rentner waren vor allem Frauen (64 Prozent), überwiegend in der Pflegestufe I (59 Prozent) eingruppiert. Der Großteil der Senioren war körperlich stark eingeschränkt. Mehr als die Hälfte der Befragten konnte nicht mehr ohne Hilfe 50 Meter gehen. Diese Schwierigkeiten könnten sich natürlich auch auf die Ernährung niederschlagen, allein schon weil nur ein kleiner Teil der Studienteilnehmer noch allein einkaufen kann.

"Essen auf Rädern" ist besser als sein Ruf

Die DGE schätzt die Zahl der Kunden unterschiedlicher Mahlzeitendienste wie "Essen auf Rädern" auf etwa 325.000. Mit der Ernährungsstudie gibt es jetzt erstmals eine bundesweite Studie zu dem Service, die Forscher befragten 844 Anbieter und 205 Kunden. "Die Zufriedenheit der Kunden mit der Dienstleistung und dem Mahlzeitenangebot ist groß", sagt Ulrike Arens Azevêdo von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, die das Forschungsprojekt leitete. Zwei Drittel der befragten Kunden sind mit dem Service sehr zufrieden.

Problematisch finden die Forscher allerdings, dass mehr als zwei Drittel (70 Prozent) der größtenteils gemeinnützigen Anbieter den Gesundheitszustand ihrer Kunden nur teilweise kennen, 40 Prozent wissen nichts über die Pflegestufe der Belieferten. Dabei wären das durchaus wichtige Informationen: Bei manchen Krankheiten kann eine zielgerichtete Ernährung zum Wohlbefinden der Patienten beitragen. Und zum Beispiel bei Schluckbeschwerden wäre es entscheidend, dass der Lieferservice genau über den Gesundheitszustand seines Kunden Bescheid weiß.

Verbesserungswürdig findet die DGE nicht nur die Warmhaltezeiten bei "Essen auf Rädern": Ab drei Stunden leiden neben Aussehen und Geschmack auch der Vitamingehalt der Speisen. Zudem bietet knapp ein Drittel der Anbieter seinen Kunden nie Salat oder Rohkost, bei mehr als der Hälfte gibt es nicht täglich ein vegetarisches Gericht zur Auswahl und praktisch alle Anbieter liefern zu häufig Fleisch aus.

Gesamtbevölkerung: Zu viel Fleisch, zu wenig Pflanzliches

In der Gesamtbevölkerung setzten sich aus Sicht der DGE seit Jahren bestehende Trends fort: Die Deutschen essen zu wenig pflanzliche und zu viele tierische Produkte, verglichen mit den Empfehlungen der Ernährungswissenschaftler. Die DGE rät beispielsweise, täglich fünf Portionen Obst und Gemüse zu essen, um ausreichend Ballaststoffe zu sich zu nehmen.

Dabei könnten mehr Gemüse, Obst und Vollkornprodukte das Risiko für Übergewicht, Zuckerkrankheit, Bluthochdruck, Herzkrankheiten und Darmkrebs senken, so die DGE. Besonders die hohe Fettzufuhr durch Fleisch und panierte oder mit Soßen gegessene Fleischprodukte erhöhe das Risiko zum Beispiel für Dickdarmkrebs.

Während die Deutschen immer weniger Alkohol trinken, löschen sie ihren Durst zunehmend mit Mineralwasser. Das entspricht den Empfehlungen von Ernährungswissenschaftlern: Statt mit kalorienreichen Limonaden sollten besonders Kinder und Jugendliche Wasser trinken.

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Tja...
EvenD 14.12.2012
...könnte ich endlich was gegen meine Fructose-Unverträglichkeit nehmen, würde ich auch wieder mehr Obst und Gemüse essen. Da das aber scheinbar nicht rentabel genug ist, halt ich mich eben auch weiterhin an Fleisch und ungesundes ^^
2. Die Deutschen
metaller16 14.12.2012
gibt es nicht. Es gibt auch keinen einheitlichen Trend. Jeder is(s)t anders. Soll übrigens Gegenden auf unserem schönen Planeten geben wo man nur sehr selten Gemüse und noch seltener Obst isst. Weil es da nicht wächst. Auf Fleisch möcht ich gar nicht verzichten. Und auf Gemüse dazu auch nicht.
3. Dge?
denkdochmalmit 14.12.2012
Die DGE ist ein Lobbyverein allererster Güte! Wer sich gesund ernähren möchte muß Kohlenhydrate und vor allem Zucker weggelassen. Zu viel Fleisch gibt es nicht, dass ist dummes Gerede. Fleisch, Fisch, Gemüse und Obst, das alles frisch und unverarbeitet, so ernährt man sich gesund....
4. @denkdochmalmit
asentreu 14.12.2012
Doch es gibt zuviel Fleisch! Das ist nierenschädlich und pusht ihr Risiko für so ziemlich jede Krebsart, Low Carb hingegen ist auch nicht der Weisheit letzter Schuss, man braucht einfach Kohlenhydrate zum Funktionieren insb. wenn man Sport macht!
5. gibt es doch...
la.pa 14.12.2012
Zitat von denkdochmalmitDie DGE ist ein Lobbyverein allererster Güte! Wer sich gesund ernähren möchte muß Kohlenhydrate und vor allem Zucker weggelassen. Zu viel Fleisch gibt es nicht, dass ist dummes Gerede. Fleisch, Fisch, Gemüse und Obst, das alles frisch und unverarbeitet, so ernährt man sich gesund....
Lobbyverein hin oder her... Zuviel Fleisch - ja Fleisch allgemein - ist mehr als schlecht, wenn man sich wirklich gesund ernähren will. (Ich gehe hier nicht ins Detail, im Thread zum "Vegetarier-Artikel" von vor kurzem steht genug und man findet das auch selber relativ leicht so heraus.(nutritionfacts.org)) Nun zum Thema Kohlenhydrate: Was glauben Sie denn, was der Treibstoff für Ihre Zellen und allgemein für so gut wie alle Zellen ist? Richtig: Glucose, ein Kohlenhydrat. Deren Abbau/Verwertung sorgt letztenendes für die Synthetisierung des so wichtigen ATP. Ein energiereiches Molekül, welches dann für die unterschiedlichsten Prozesse innerhalb der Zelle wieder verbraucht wird. Googlen Sie mal nach "Glykolyse", -> "Oxidative Decarboxylierung" -> "Tricarbonsäurecyclus" -> "Atmungskette" um den Zusammenhang zu verstehen. Chemievorkenntnisse möglicherweise nötig. Gerade Obst, das sie ja auch nennen, ist ja oftmals sehr energiereiche Nahrung, voll mit Fructose, auch ein Kohlenhydrat! (auch dieses geht im Endeffekt ähnlich in den "Atmungsprozess" ein). Es gibt jedoch einen großen Unterschied, ob man raffinierten Zucker ("pur", in Kuchen, Süßigkeiten, Fertigprodukten etc.) zu sich nimmt, oder die im ganzen ursprünglichen Nahrungsmittel gebundenen Zucker (in Früchten, Kartoffeln, Reis, you name it...). In letzterem Fall kann nämlich der Körper die Aufnahme noch regulieren, da der Zucker erstmal aus dem Produkt herausgearbeitet oder bearbeitet werden muss, und so auch eine stetige, gleichmäßige Zufuhr über längere Zeit gewähren. Bei raffiniertem Zucker hingegen ist das etwas anders, teils mit schlimmen Folgen (gehe hier auch nicht ins Detail, kann man alles nachlesen). Von allen anderen wichtigen Stoffen, die man mit dem ganzen Lebensmittel aufnimmt - mit dem Fertigprodukt oder der Süßigkeit meißtens nicht - ganz zu schweigen. Wobei wir zumindest was unverarbeitetes, frisches Essen anbelangt, ja auf einer Wellenlänge sind. Aber Kohlenhydrate weglassen?? Das ist Schwachsinn, das Gegenteil ist der Fall! Es kommt eben auf die Art der Zufuhr an! Und falls das noch aufkommt: Ja, Weizenprodukte sind mitunter relativ verschrien. Das liegt aber weniger an den Kohlehydraten, als am Gluten (ein pflanzliches "Kleber"eiweis). Dieses scheint, in zu großen Mengen aufgenomen, für viele Leiden verantowrtlich zu sein und es wird immer öfter vom Verzehr abgeraten. "Hat man nicht schon immer Weizen o.ä. gegessen??" - Ja, allerdings ist schon auffällig, dass der Glutenanteil im Weizen mittlerweile durch Züchtung (um für die mechanische Verarbeitung und industrielle Backprozesse bestmöglich zu genügen) ca. 50% beträgt, vor 50 Jahren waren es noch ca. 5%. Hat zwar nichst mit Fleisch oder Kohlenhydraten zu tun, mit gesunder Ernährung aber wohl schon.
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  • Dennis Ballwieser ist Arzt. In München machte er Narkose, in Hamburg schreibt er über Medizin. Er ist Redakteur im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.
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