Ernährungsreport 2019 So essen die Deutschen am liebsten

Es soll vor allem gut schmecken: Eine Umfrage zeigt, wie sich die Menschen in Deutschland ernähren. Agrarministerin Klöckner will Verbrauchern nun gesündere Nahrungsmittel unterjubeln.

Fertiggericht
DPA

Fertiggericht


Schnell zubereitet, gesund und auch noch lecker - wenn es ums Essen geht, haben die Menschen in Deutschland offenbar hohe Ansprüche. Die wenigsten halten sich allerdings daran, zeigt eine Umfrage im Auftrag der Bundesregierung. So gaben neun von zehn Befragten an, dass es ihnen beim Essen auf die Gesundheit ankommt. Trotzdem liegen Fertiggerichte laut Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) voll im Trend.

Sie will deshalb gemeinsam mit der Lebensmittelbranche den Gehalt von Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten reduzieren. Allerdings bringe es nichts, den Zuckergehalt von heute auf morgen zu halbieren, so die CDU-Politikerin. Die gesünderen Produkte drohten dann zu Ladenhütern zu werden. "Am Ende wird es alles nichts bringen, wenn es nicht schmeckt", sagte Klöckner.

Hauptsache lecker

Denn der Geschmack ist dem aktuellen Ernährungsreport zufolge das wichtigste Kriterium. Immerhin 99 Prozent der Befragten gaben an, darauf besonderen Wert zu legen. Die Hälfte achte zudem auf eine einfache Zubereitung, etwas weiter hinten stehen der Kaloriengehalt und Preis.

Der jährliche Ernährungsreport beruht auf einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa. Erfahrungsgemäß sind solche Erhebungen fehleranfällig, denn gerade beim Thema Ernährung neigen Menschen dazu, Antworten zu geben, die sozial erwünscht sind .

Weitere Ergebnisse im Überblick:

  • Auf Fleisch wollen die wenigsten verzichten. Nur ein Prozent der Befragten ernährt sich vegan, immerhin sechs Prozent essen vegetarisch. Unter den 14- bis 29-Jährigen sind es dagegen elf Prozent. Fast jeder Dritte (28 Prozent) isst täglich Fleisch oder Wurst.
  • Zwischen Ost- und Westdeutschland gibt es sichtbare Unterschiede: Im Osten essen nach eigenen Angaben 43 Prozent täglich Fleisch und Wurst, im Westen nur 26 Prozent. Andererseits geben im Osten 80 Prozent an, täglich Obst und Gemüse zu essen, im Westen sind es nur 69 Prozent.
  • Die Deutschen gehen gern einkaufen: 69 Prozent der Befragten erledigen ihre Einkäufe mehrmals pro Woche im Supermarkt. Nur neun Prozent haben sich im vergangenen Jahr Lebensmittel nach Hause liefern lassen. Etwas höher fiel der Wert in Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern aus. Hier lag der Anteil bei 15 Prozent.
  • Viele wollen so wenig Zeit wie möglich am Herd verbringen. Immerhin jedem Zweitem kommt es auf eine schnelle und einfache Zubereitung an. Dieser Wunsch war gerade bei den 30- bis 44-Jährigen hoch. Zudem spielte der Zeitfaktor bei Frauen eine größere Rolle als bei Männern. Achten bei den Frauen 55 Prozent auf eine schnelle und einfache Zubereitung, sind es bei den Männern 41 Prozent.
  • Auch wenn die Gesundheit für die Mehrheit der Befragten eine große Rolle spielt, greift immerhin jeder Fünfte täglich zu Süßigkeiten und Knabbereien.
  • Immerhin jeder Zehnte gab an, nie zu kochen. 77 Prozent stehen mindestens zweimal pro Woche am Herd.
  • Die Menschen in Deutschland essen gern auswärts. Immerhin 73 Prozent besuchen mindestens einmal im Monat ein Restaurant. Auch Kantinen sind beliebt. Etwa jeder vierte Erwerbstätige nutzt dieses Angebot.
  • Bio liegt im Trend: Jeder Zweite gab bei der Befragung an, auf entsprechende Siegel zu achten. Das gilt auch für die Frage, ob ein Lebensmittel zu fairen oder besonders tiergerechten Bedingungen produziert wurde. Den Befragten sind auch die Angaben zu den Inhalts- und Zusatzstoffen (84 Prozent), zur Herkunft (80 Prozent) und zum Mindesthaltbarkeitsdatum (79 Prozent) "wichtig" oder "sehr wichtig". Wie viele dann tatsächlich auch zu den häufig teureren Bioprodukten greifen, erfasste die Umfrage allerdings nicht.

koe/dpa



insgesamt 35 Beiträge
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Bernhard.R 09.01.2019
1. So ähnlich
hatten wir es schon einmal. Die damalige Ministerin hieß Renate Künast. Sie hat doch tatsächlich behauptet, die Deutschen würden für gesunde Lebensmittel gerne mehr Geld ausgeben. Im Auftrag der Bio-Lobby? In die Geschichstbücher ging sie dann aber ein, als sie eine Viertelmillion gesunde Rinder vernichten ließ, statt sie an Brot für die Welt o. ä. zu geben. Nur, um den Preis für Rindfleisch hoch zu halten. Hat mich an den Steinzeitkapitalismus aus dem Geschichtsunterricht erinnert, als Milch ins Meer gekippt und Kaffee verbrannt wurde. Bin gespannt, was ihre Amtsschwester uns noch zumutet.
bikosaurus 09.01.2019
2. Was denn nun?
Noch vor nicht allzu langer Zeit warf SPON der Ministerin eine zu große Zurückhaltung gegenüber dem Wirken der Nahrungsmittelindustrie vor. Nun will sie den Verbrauchern etwas Gesünderes "unterjubeln". Negativberichterstattung, egal wie. Ich finde die Ministerin nun auch nicht gerade toll, aber hier geht sie m.E. einen ganz guten Weg. Lange Zeit ging es anders herum, die problematischen Inhalte wurden immer höher gesetzt, bis die Kunden daran gewöhnt waren und alles Gesunde fad schmeckte. Eine Schocktherapie würde jetzt nur Sinn machen, wenn wie in GB und Mexiko gleichzeitig drastischere Kennzeichnungspflichten und Steueraufschläge erhoben würden. Dann wären die Nachteile deutlich sicht- und spürbar. Ansonsten hat Frau Klöckner Recht: Ladenhüter.
jo126 09.01.2019
3. Brauchen wir unbedingt!
Was wäre unser Leben ohne die Politiker! Die sagen uns, was gut ist. Wie arm wäre mein kleines Dasein ohne solche Nannies wie Klöckner.
dpfungstadt 09.01.2019
4. Klöckner ist Industrie Lobbyistin
Klöckner wehrt sich schon lange gegen eine einfache und für den Verbraucher leicht zu erkennende Ampel für Zucker, Salz und Fett in verarbeiteten Nahrungsmitteln. „Allerdings bringe es nichts, den Zuckergehalt von heute auf morgen zu halbieren, so die CDU-Politikerin. Die gesünderen Produkte drohten dann zu Ladenhütern zu werden. "Am Ende wird es alles nichts bringen, wenn es nicht schmeckt", sagte Klöckner.“ Das zeigt wieder deutlich, dass Klöckner der Nahrungsmittelindustrie keine Vorgaben machen will. Das soll alles auf freiwilliger Basis passieren. Dabei ist Zucker als Zusatzstoff extrem billig und die Industrie wird darauf freiwillig nicht verzichten. Den Zusatz von Zucker in verarbeiteten Lebensmitteln müsste man gesetzlich beschränken, z. B. maximal 5 Gramm Zucker pro 100 Gramm Lebensmittel. Ausnahmen für Schokolade oder andere Naschereien müssen natürlich gelten. Mit Frau Klöckner wird es dass jedoch nicht geben.
ruhepuls 09.01.2019
5. ...und wir sind selbst schuld!
Zitat von jo126Was wäre unser Leben ohne die Politiker! Die sagen uns, was gut ist. Wie arm wäre mein kleines Dasein ohne solche Nannies wie Klöckner.
Einmischung nervt jeden. Allerdings ist es leider oft so, dass die Einmischung deshalb kommt, weil die "Vernunft" derer nicht ausreicht, in deren Angelegenheiten man sich einmischt. Jedes Jahr steigen die Kosten für lebensstilbedingte Krankheiten (also angefressen, angehockt, angesoffen...) und ebenso führt die Massentierhaltung und überhaupt die Massenproduktion in der Landwirtschaft zu immer mehr Umweltschäden, die wir unseren Nachkommen hinterlassen bzw. mit viel Geld wieder halbwegs beseitigen müssen. Aber über steigende Kassenbeiträge oder höhere Steuern wird dann wider geklagt. Soll doch jemand anders die Zeche zahlen. Wen wundert es da, wenn die Politik versucht, die Unvernunft zu "regulieren"? Ob es allerdings funktioniert, ist eine ganz andere Frage. Aber wenn offensichtlich bei vielen das Denken nur nach dem Motto funktioniert: Hauptsache heute Party..! kommt eben irgendwann ein Gesetz. Nebenbei, das "Euro-Bio" der Renate Künast hat immerhin dazu geführt, dass heute jeder bei ALDI & Co. zumindest eine erschwingliche Alternative findet, die mit weniger Rückständen und weniger Umweltbelastung erzeugt wurde.
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