Achilles' Verse So ethisch korrekt sind Läufer wirklich

Billige Laufschuhe, Sexismus beim Joggen: Freizeitsportler verhalten sich nicht immer so ethisch korrekt, wie sie sich auf ihren Trikots präsentieren. Achim Achilles gibt zehn Denkanstöße, um die eigene Alltagsethik zu überprüfen.

Läufer haben einen hohen Verschleiß an Sportschuhen
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Läufer haben einen hohen Verschleiß an Sportschuhen


Freizeitsportler sind gute Menschen. Sie rackern für ihre Gesundheit und üben sich in Teamgeist, sammeln Spenden oder integrieren Flüchtlinge, sind gegen Umweltzerstörung und für soziale Gerechtigkeit. Auf ihren Sporthemden zeigen sie gern der ganzen Welt ihre moralisch einwandfreie Gesinnung.

Aber halt! Wie weit ist es wirklich her mit dem ethisch korrekten Sport? Wie schafft man die Balance zwischen verständlichem Ehrgeiz und konkreten ökologischen oder sozialen Problemen? Hier zehn Fragen, an denen jeder Hobby-Sportler seine Alltagsethik überprüfen kann:

1. Sport und Klima: Der Klimawandel zählt zu den großen globalen Problemen. Zugleich gehören New-York-Marathon oder der Ironman auf Hawaii zu den größten Zielen eines Sportlerlebens. Ist es vertretbar, zum persönlichen Vergnügen um die habe Welt zu fliegen? Sollte man sich den CO2-Ausstoß einer Flugreise in die USA und zurück daher lieber sparen und den Marathon schweren Herzens, aber guten Gewissens im Nachbarort laufen?

2. Sport und Schuhe: Läufer haben einen hohen Verschleiß an Schuhen und achten auf einen günstigen Preis. Gewerkschaften in Deutschland kämpfen für faire Löhne, Umweltverbände für ökologische Materialien und Recyclingfähigkeit. Müssen sich Freizeitsportler um die Produktionsbedingungen ihrer Ausrüstung kümmern? Sollten sie Hersteller um Transparenz bitten, zumal die Stiftung Warentest erklärt, dass es nahezu unmöglich ist, den kompletten Produktionsprozess zuverlässig zu prüfen? Gehen uns Löhne und Arbeitszeiten in China oder Vietnam an? Was wissen wir über die Kunststoffen in Schuhsohlen und Textilien? Und was wissen wir über das Entstehen von Dioxinen in der Müllverbrennung? Für jedes Hühnerei ist die Liefer- und Produktionskette dokumentiert, für Sportsachen kaum. Ist ein Boykott von Sportartikeln mit unklarer Vita sinnvoll? Muss man auf teure Öko-Produkte ausweichen oder weniger Sohlen ablaufen?

3. Sport und Ernährung: Gerade Ausdauersportler nehmen in Training und Wettkampf vielfältige Energiedrinks und -riegel zu sich. Ist es ethisch korrekt, dass Marathonis und Triathleten für ihr Hobby teuren Treibstoff aufnehmen und gleich wieder verbrennen, wenn am anderen Ende der Welt hungernde Babys mit hochkalorischen Lebensmitteln am Leben erhalten werden könnten?

4. Sport und Chancen: Mit den Flüchtlingen aus aller Welt kommen neue Spitzenathleten nach Deutschland. Ist es fair, wenn etwa afrikanische Läufer für hiesige Klubs Siege bei deutschen Meisterschaften sammeln, während einheimische Talente um ihre Siegchancen gebracht werden?

5. Sport und Solidarität: Freizeitsportler übertreiben es bisweilen mit ihrem Ehrgeiz und ziehen sich vermeidbare Überlastungsverletzungen zu, die aufwendige Therapien oder Operationen erforderlich machen. Gelegenheitsskifahrer oder risikofreudige Mountainbiker beschäftigen Heere von Rettern und Sanitätern. Muss die Gemeinschaft der Krankenversicherten die kostspielige Unvernunft mitbezahlen, oder sollen Freizeitsportler ihre Risiken gesondert versichern?

6. Sport und Religionen: In Deutschland leben Menschen vieler Kulturen und Religionen, die gerade in Bekleidungsfragen sehr verschiedene Auffassungen repräsentieren. Ist es moralisch vertretbar, in quasi-transparentem Tanktop und Mikroshorts an Gläubigen vorbeizulaufen, die soeben Kirche, Moschee oder Synagoge verlassen? Sollten sich Freizeitsportler etwas dezenter kleiden, einen anderen Weg wählen oder auf ihrem Freizügigkeitsrecht bestehen?

7. Sport und Doping: Auch im Freizeitsport wird gedopt. Sollten bei Volkswettbewerben, wo es meist um nicht viel mehr als die Ehre geht, zumindest stichprobenartige Dopingkontrollen eingeführt werden, um Chancengleichheit herzustellen?

8. Noch mal Doping: Manche Profisportler sind überführte Doper, werden aber von Unternehmen weiter gesponsert. Dürfen Freizeitsportler Produkte von Firmen kaufen, die offenbar den Erfolg über die Moral stellen?

9. Sport und Tierschutz: Sportler aus Muskeldisziplinen brauchen viel Eiweiß, das sie bevorzugt aus Fleisch beziehen. Ist es ethisch korrekt, wenn Tiere womöglich für Nahrung leiden, die nichts als einem größeren Bizepsumfang dient?

10. Sport und Sexismus: Freizeitsportlerinnen beklagen sich über unflätige oder sexistische Bemerkungen meist männlicher Beobachter. Handelt es sich um Meinungsäußerungen, die, wenn auch mit Mühe, zu tolerieren sind? Oder sollte man, wenn möglich, mit juristischen Mitteln gegen derartige Beleidigungen vorgehen?

Zur Person
  • Frank Johannes
    Achim Achilles

    Jahrgang 1964. Lebt verheiratet mit einer verständnisvollen Frau in Berlin, läuft aber überall, wo es wehtut. Motto des Wunderathleten und Kolumnisten: "Qualität kommt von Qual." Dabei ist es dem Vater eines lauffaulen Jungen egal, dass er trotz intensiven Trainings kaum von der Stelle kommt. Für ihn ist der Weg das Ziel. Seine Lieblingsfeinde auf dem Weg zum Ziel sind Walker und andere Pseudosportler.

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insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
poliglot85 25.08.2015
1. Ich frage mich...
Was diese, Verzeihung, dämlichen Denkanstöße mit Gesundheit zu tun haben. Jeder kann im Rahmen des Vertretbaren alles tun und lassen was er will. Basta. Sich da so einen Quark an den Haaren herbeizuziehen...Unglaublee...
tschierva 25.08.2015
2. Soll das Satire sein ?
Es steht zu befürchten, eher nicht. Ansonsten hat der "moderne Großstadtmensch" keine andern Probleme, als sich mittels ausführlichster 10 Punkte Gedanken zur ethischen Korrektheit seines Laufsport zu machen ? Und wenn man Handlungsbedarf für die sehr wenigen einigermassen sinnvollen Aspekte dieser Gedanken sieht, ist einfaches "passables Benehmen" völlig ausreichend. Ohne Überhöhung in Form ethischer Korrektheit und langer Artikel.
Common67 25.08.2015
3. Einen Moment...
... habe ich tatsächlich geglaubt, dieser Artikel ist ernst gemeint. Spätestens bei Punkt 6 ist mir aufgefallen, dass es sich hier um Satire handelt. Jogger in Burka - das wäre doch mal was. :)
ludovicosettembrini 25.08.2015
4. Hä - soll das ein Scherz sein???
"In Deutschland leben Menschen vieler Kulturen und Religionen, die gerade in Bekleidungsfragen sehr verschiedene Auffassungen repräsentieren. Ist es moralisch vertretbar, in quasi-transparentem Tanktop und Mikroshorts an Gläubigen vorbeizulaufen, die soeben Kirche, Moschee oder Synagoge verlassen? Sollten sich Freizeitsportler etwas dezenter kleiden, einen anderen Weg wählen oder auf ihrem Freizügigkeitsrecht bestehen?" Bisher war ich eigentlich nicht quasi-transparent gekleidet beim Laufen - aber wenn man damit Menschen, die an ein Gottesbild glauben, das empirisch gesehen der Evolutionstheorie widerspricht (Ein allmächtiger und wohlmeinender Gott würde wohl kaum so einen grausamen Mechanismus, wie den der Selektion zur Erschaffung "seines" Menschen verwenden), einmal zum Nachdenken anregen kann, werde ich mich zukünftig um quasi-transparente Bekleidung bemühen. Vielen Dank für den Hinweis Herr Achilles!
2469 25.08.2015
5. Interessante Denkanstöße
zu Naturschutz und sozialem Zusammenleben. Nr 6: Es ist ganz klar moralisch vertretbar, sogar sehr zu begrüßen. Wir sollten uns einer vorgestrigen Ideologie nicht beugen, ganz gleich ob sie Judentum, Islam, Christentum o.ä. heißt.
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