EU-Bericht Kontrolleure melden Hunderte gefährliche Lebensmittel aus China

Schimmelgifte, Pestizide, Allergene: Immer wieder gelangen verseuchte Lebensmittel nach Europa, die der Gesundheit schaden können. Der Jahresbericht der EU-Kommmission offenbart, welche Produkte besonders auffallen - und woher sie kommen.

Lebensmittel im Supermarkt: Frühwarnsystem soll Verbraucher schützen
DPA

Lebensmittel im Supermarkt: Frühwarnsystem soll Verbraucher schützen


Berlin - Ob mit unerlaubten oder nicht deklarierten Inhaltsstoffen oder mit Keimen verseucht: Viele eher unerwünschte Produkte gelangen nach Europa. Wie jetzt die EU-Kommission in ihrem Jahresbericht zur Überwachung von Lebensmitteln bekanntgibt, stammen die meisten gefährlichen Lebens- oder Futtermittel aus China.

Demnach meldeten die nationalen Behörden im vergangenen Jahr insgesamt 540 auffällige Produkte aus China an das europäische Informationssystem RASFF (Rapid Alert System for Food and Feed). Wie die EU-Kommission mitteilte, fielen auch Importe aus Indien oder der Türkei den Überwachern häufiger auf: Über 300 Fälle meldeten sie im vergangenen Jahr.

Über RASFF tauschen sich die nationalen Behörden über Produkte aus, die eine Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen können. Neben den EU-Staaten sind auch Norwegen, Liechtenstein und Island beteiligt, die Schweiz ist teilweise auch dabei.

Vertrauen in Fertigprodukte wurde erschüttert

Auch beim Pferdefleischskandal nutzten die Staaten das RASFF, um sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten. Verbraucher- und Gesundheitskommissar Tonio Borg sprach sich deshalb dafür aus, auch Fälle von Lebensmittelbetrug in das europäische Schnellwarnsystem aufzunehmen.

Dank des Systems sei es den Lebensmittelsicherheitsbehörden in der EU möglich gewesen, im Verlauf des Skandals schnell Informationen auszutauschen, die betroffenen Produkte zu identifizieren und vom Markt zu nehmen, sagte Borg am Montag in Brüssel. "Die Kommission plant, den Anwendungsbereich des RASFF auf die Bekämpfung von Lebensmittelbetrug auszudehnen."

Borg sprach sich zudem für eine zweite Serie von Tests aus, um Fertigprodukte auf undeklariertes Pferdefleisch und das für Menschen gefährliche Schmerzmittel Phenylbutazon zu testen. Eine erste europaweite Testserie mit mehr als 7000 Proben hatte im April gezeigt, dass fast jedes 20. Rindfleisch-Fertigprodukt Pferdefleisch enthielt. Die Vorfälle hatten das Vertrauen in Fertigprodukte erschüttert, zahlreiche Supermärkte und auch das Möbelhaus Ikea räumten zumindest vorübergehend Produkte aus den Regalen.

Gesundheitsgefahr bestand für die Verbraucher nicht. Das Schmerzmittel Phenylbutazon, das bei Pferden häufig eingesetzt wird und in Lebensmitteln nicht enthalten sein darf, wurde nur in 0,5 Prozent der Proben nachgewiesen. Diese Prozentzahlen seien zwar niedrig, ihm aber immer noch zu hoch, begründete Borg seine Forderung nach einer zweiten Testserie.

526 schwerwiegende Fälle

Mit den RASFF-Meldungen wiesen die Behörden auch auf nicht ausgewiesene Stoffe in Lebensmitteln hin, auf die Allergiker empfindlich reagieren können - zum Beispiel Milch. Auch unerlaubte Farbstoffe, genveränderte Lebensmittel, Pestizide oder Schimmelgifte fanden die Kontrolleure. Nicht immer landeten bedenkliche Produkte auch im Laden: Fast die Hälfte der gemeldeten Produkte wurde bereits an den europäischen Außengrenzen aufgehalten.

Insgesamt 8797 RASFF-Meldungen gab es 2012, viele davon laufende Fälle aus dem Vorjahr. In 526 Fällen ging es dabei um ernste Gesundheitsrisiken durch Produkte, die bereits im Verkauf waren. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ging die Anzahl der Fälle um knapp vier Prozent zurück. Neben einer Vielzahl von Folgemeldungen betrafen 3516 Hinweise neue Fälle, von denen 2885 Lebensmittel betrafen. Weitere 332 Fälle betrafen Futtermittel und 299 Hinweise sogenannte Lebensmittelkontaktmaterialien wie Küchengeschirr.

Für großes Aufsehen hatte im vergangenen Jahr der Fall gesorgt, als Tschechien die anderen EU-Länder über das RASFF-System vor gepanschtem Alkohol warnte. Durch den Alkohol starben 36 Menschen.

cib/dpa/AFP

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insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
neu_ab 10.06.2013
1.
Zitat von sysopDPASchimmelgifte, Pestizide, Allergene: Immer wieder gelangen verseuchte Lebensmittel nach Europa, die der Gesundheit schaden können. Der Jahresbericht der EU-Kommmission offenbart, welche Produkte besonders auffallen - und woher sie kommen. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/eu-bericht-2012-gefaehrliche-lebensmittel-oft-aus-china-a-904852.html
Das wundert micht jetzt überhaupt nicht. typisch China, wo Menschenleben fast nichts zählen. Dabei fehlt noch der Hinweis, daß die Giftigkeit von chinesischen Produkten sich längst nicht auf Lebensmittel beschränkt (wieso werden die eigentlich ganz daher importiert? pervers), sondern auf alle möglichen anderen Produkte auch, wie Plastikregenmäntel, Schuhe, Computerbauteile plus zigtausend anderer Sachen. Wieso das so ist? In China gibt es eben keine Gesetze, die das verböten.
matala 10.06.2013
2. Verursacher
gibt´s doch auch im Handel, was geschieht mit bzw. gegen diese? Schließlich kommen die Produkte nicht unaufgefordert an den europäischen Außengrenzen an. Es wäre interessant zu wissen, was insofern unternommen wird. Auch interessant wäre für mich zu erfahren, wer bei den gestoppten Lieferungen den Schaden davonträgt. Diese sachliche Schilderung hier ist für mich nicht befriedigend und vermittelt keine Sicherheit bei den längst verunsicherten Verbrauchern.
svizzero 10.06.2013
3. ... und China steht in der Schlagzeile
Ja, ja, liebe EU. Da wird mal schnell China an den Pranger gestellt. Aber wäre es nicht sinnvoll zuerst vor der eigenen Türe zu wischen? Jedes Jahr Skandale, die sich in der EU abspielen. Und diese Produkte werden nicht an der Aussengrenze abgefangen. Nein, sie zirkulieren friedlich im EU Raum. Pferdefleisch, Gammelfleisch, etc. kommen nicht aus China oder der Türkei. Nein, sie sind hausgemacht. Es lebe die Kostenoptimierung innerhalb der EU.
spengler.wolfgang 10.06.2013
4.
anstatt nur zahlen zu praesentieren haette der autor mal einige beispiele von china waren nennen sollen, 526 beanstandungen kann man ja wohl auch kategorisieren wenn das aufzaehlen jeder beanstandung zu aufwendig ist.
micromiller 10.06.2013
5. lebensmittel schrott wird weltweit hergestellt und china macht das besonders preiswert
das ist der einzige unerschied. was wirklich aergerlich ist, dass unsere Regierung keine vollumfassende und einfach entzifferbare herkunftsdeklaration auf den lebensmitteln gesetzlich festschreibt, so wie es in anderen entwickelten industrielaendern der fall ist .. z. b. canada und usa- tausende tonnen von gummibaerchen und pengasisus fisch schweinkram werden in unsere konsumenten gestopft, nur weil es so BILLIG ist und den lebensmittelkonzernen aehnlich satte margen in die taschen schiebt .. wie dem textil discountern. die chinesen, die es sich leisten koennen verzichten auf viele ihrer ausgelauchten, industrielebensmittel und importieren mehr und mehr hochwertige lebensmittel aus den westlichen laendern.
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