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Ex-160-Kilo-Mann: Durch dick und dünn

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Timo Schumacher

Michael Klotzbier: "Habe gemerkt, dass selbst negatives Feedback nützlich sein kann"

Micha Klotzbier hat sich motiviert, von 160 Kilo knapp ein Drittel abzunehmen. Es gibt viele Menschen, die ihn motivieren - auf ganz unterschiedliche Weise.

Mein Gewichtsverlust stagniert - seit einigen Wochen schon. Mein Ziel, Ende des Jahres unter 100 Kilo zu kommen, werde ich wohl verpassen. Macht nichts, denn ich weiß auch, woran es liegt: Ich sportele zwar gut, aber ich esse wieder schlechter. Meine Motivation, mich ausgewogen zu ernähren, ist im Keller. Ich lasse mich gehen. Ist das schon der Beginn vom Jojo-Effekt? Ich halte mit Sport dagegen.

Der Sommer war euphorisierend, im Herbst stand ich unter Strom, der Winter ist bislang ernüchternd. Ich merke, wie wichtig das soziale Umfeld ist - auch beim Abnehmen. Ich behaupte: Wer allein abnimmt, hat es schwerer.

Als ich noch dicker war, habe ich Kritik, Witze, sogar Lob und Anerkennung ungenutzt verpuffen lassen. Ich habe es hingenommen, aber nichts daraus gemacht. Alles ist quasi an meinem Speck abgeprallt. Irgendwann fing ich an, die Dinge, die von außen an mich herangetragen wurden, als Motivation zu nutzen. Ich habe gemerkt, dass selbst negatives Feedback nützlich sein kann. Und dass es im Bekannten-, Freundes- und Familienkreis verschiedene Motivationstypen gibt.

Die Skeptiker

Eltern haben immer Angst um ihre Kinder. Sie warnen, mahnen, drohen. "Lass den Quatsch", sagt meine Mutter immer, wenn ich mit einer etwas abgedrehten Idee ankomme. Sie sagt es schroff, aber sie meint es liebevoll. Wie Mamas eben sind. Sie ist meine größte Kritikerin und mein größter Fan. Sie erdet mich, wenn ich abhebe, und macht mir was zu essen, wenn ich Hunger habe. Notfalls auch eine Extraportion Salat.

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Ex-160-Kilo-Mann Klotzbier: "Ich habe das Gefühl, ich schwebe"
Mein Vater war einer der größten Skeptiker meines Abnehmvorhabens. Das hätte mich entmutigen können, tat es aber nicht. Ich weiß, dass er nur Angst hatte, dass ich scheitere. Er war in meiner aktiven Fußballzeit mein treuester Fan. Wahrscheinlich hat er am meisten darunter gelitten, dass ich wegen der Verletzungen nicht mehr spielen konnte. Mittlerweile ist er begeistert von meiner neuen Lebensweise und trägt selbst einen Fitnesstracker beim Gassigehen mit dem Hund. Kurzum: Meine Familie geht mit mir durch dick und dünn.

Die Arschtreter

Als ich in jungen Jahren, als aufstrebender Fußballer in der Hessenauswahl Torwart war, hat mein Trainer oft gemault: "Du fliegst wie eine schwangere Ente." Diese sporttypischen Sticheleien haben mich zur Höchstform gebracht. Sprücheklopfen macht mir sogar Spaß. Sanfte Tritte in den Allerwertesten bringen mich nach vorne.

Achim Achilles ist auch ein so ein Pädagoge alter Schule. "Na, Dicki!" ist noch eine der harmloseren Anredeformen. Dabei grinst er immer wie ein Schulbube und haut Spruch um Spruch raus. Letztens war ich mit ihm joggen. Danach sagte er: "Cool, ich bin nicht erfroren." Auch wenn ich immer mehr abnehme - das dicke Fell bleibt. Wenn das Vertrauensverhältnis in Ordnung ist, dürfen Sticheleien sein, finde ich.

Die Treuen

Die treuen Weggefährten sind diejenigen, die alles mittragen und dich immer unterstützen, egal wobei. Sie fordern dich weder heraus noch fordern sie etwas ein.

Meine Oma hat mich und meine Handlungen nie infrage gestellt. Sie wollte einfach, dass es mir gut geht. Meine Schwiegermutter hingegen ist eine treue Aktive. Sie schenkt mir Laufmütze und Sportsocken zum Geburtstag, gibt mir Ernährungstipps und nimmt so sichtbar Anteil an meiner Veränderung.

Der stille Motivator

Mein Schwiegervater ist kein Mann der großen Worte. Er ist ein stiller Motivator. Einmal hat er mir stumm einen Flyer in die Hand gedrückt - mit einer Übersicht von Adipositas-Vereinen. Ich musste nicht zwischen den Zeilen lesen, die Botschaft war klar: Tu was - du bist fett. Heute kann ich drüber lachen.

Die Helden

Das Gute an Promis ist: Es gibt für jede gewünschte Eigenschaft die passende Person. Oliver Kahn war für mich als Torwart immer ein großes Vorbild. Er hatte den Siegeswillen, den ich auch gern gehabt hätte.

Bud Spencer ist ein Held aus meiner Jugend: kraft- und humorvoll. In seiner Jugend war er als Schwimmer erfolgreich und hat später trotz (oder gerade wegen) seines Übergewichts tolle Rollen gespielt. Wenn ich auf dem Crosstrainer stehe, schaue ich mir seine Filme an und lache mich schlapp.

Selbst von einem vermeintlichen Dummkopf wie Forrest Gump habe ich etwas gelernt: Mach immer das Beste aus deiner Situation. Klingt banal, ist aber richtig - und ziemlich schwierig umzusetzen.

Neulich durfte ich Rich Roll kennenlernen. Ex-Alkoholiker und Jetzt-Ironman. Er motivierte mich dazu, meine Angst vor dem Zehn-Meter-Brett zu überwinden. Er sagte: "Mood follows action." Die Gemütslage folgt der Handlung. Auf dem Sprungbrett habe ich buchstäblich am eigenen Leib erlebt, wie befreiend es ist, ins kalte Wasser zu springen.

Rich Roll und Micha Klotzbier im Schwimmbad Zur Großansicht
Ellen-Jane Austin

Rich Roll und Micha Klotzbier im Schwimmbad

Die Mitläufer

Seit ich walke, bounce-walke und verbotenerweise auch ein ganz kleines bisschen jogge, kommt noch mehr Bewegung in mein Umfeld. Ich treffe alte Jugendfreunde beim Laufen statt beim Saufen, lerne aktive und interessante Menschen mit ähnlicher Geschichte kennen und bekomme fast durchweg positives Feedback. Ich gebe zu, die Anerkennung tut gut.

Ich sehe, dass ich mit meiner Geschichte zum Vorbild für andere geworden bin, was mich stolz macht - und mich mehr antreibt. Das ist die schönste Motivation: Wenn man sieht, dass man mit seinen Taten andere positiv bewegt. Erich Kästner hatte eben doch recht, als er schrieb: "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es."

Wie es mit Michael Klotzbiers Marathon-Vorhaben weitergeht, lesen Sie in regelmäßigen Abständen auf SPIEGEL ONLINE und auf Michas Abnehm-Blog bei achim-achilles.de.

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