Fast-Food-Studie: Kalorienempfehlungen bei McDonald's sind sinnlos

Von Dennis Ballwieser

Burger und Pommes können Teil einer ausgewogenen Ernährung sein - wenn man weiß, was man isst. McDonald's schreibt in Deutschland auf die Verpackung, wie stark Big Mac und Co. das Kalorienkonto belasten. Doch eine neue US-Studie zeigt: Diese Information kommt beim Kunden nicht an.

Mann isst Burger: 2400 Kilokalorien täglich für einen Mann, 2000 für eine Frau Zur Großansicht
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Mann isst Burger: 2400 Kilokalorien täglich für einen Mann, 2000 für eine Frau

Hamburg - Auf den Verpackungen, die bei Marktführer McDonald's in Deutschland über den Tresen gehen, prangen bunte Symbole. Ein Burgerbrater offenbart seinen Kunden, was drinsteckt in Big Mac, Pommes und Chicken McNuggets. Magentafarben leuchtet die Empfehlung, wie viele Kilokalorien Mann oder Frau täglich zu sich nehmen sollte - und die Angabe, wie viele davon man bereits mit einem Burger verdrückt.

Die Informationen sollen helfen, sich ausgewogen zu ernähren, auch wenn es im Alltag schnell gehen muss. Doch sie scheinen wirkungslos zu sein, wie eine US-Studie jetzt zeigt. Forscher der Carnegie Mellon University in Pennsylvania haben die Probe aufs Exempel gemacht: Julie Downs und ihre Kollegen stellten sich in der Mittagspause vor zwei McDonald's-Restaurants in New York, verteilten Kalorienempfehlungen und überprüften, ob Kunden sich von den Ernährungsinformationen beeinflussen ließen.

Das Ergebnis ist ernüchternd, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "American Journal of Public Health". Die Information, wie viele Kalorien man täglich oder beim Mittagessen zu sich nehmen sollte, half den McDonald's-Kunden nicht, die Kalorienangaben auf den Burgern besser einzuschätzen. Und die Kunden kauften auch nicht weniger kalorienhaltige Mittagessen, sondern tendenziell sogar reichhaltigere.

Big Mac allein wäre okay, Pommes dazu ist schon zu viel

Insgesamt überprüften die Forscher das Verhalten von 1121 zufällig ausgewählten McDonald's-Kunden zur Mittagszeit, einmal vor der Einführung verpflichtender Kalorienangaben auf den Karten von US-Restaurantketten in New York im Jahr 2008 und einmal danach. Eine Gruppe bekam vor Betreten der Restaurants mündlich und schriftlich die Information, dass eine tägliche Kalorienaufnahme von 2400 Kilokalorien für Männer und 2000 Kilokalorien für Frauen empfohlen wird. Eine zweite Gruppe erfuhr, dass ein Mittagessen 800 beziehungsweise 650 Kilokalorien nicht übersteigen sollte. Die dritte Gruppe bekam keine Informationen, sie diente zur Kontrolle.

Beim Verlassen des Restaurants befragten die Wissenschaftler die Kunden und sammelten deren Quittungen ein, um die Kalorienmenge der gekauften Lebensmittel berechnen zu können. Die Studienteilnehmer sollten schätzen, welche tägliche Kalorienmenge für sie empfehlenswert wäre, und angeben, ob sie die Kalorieninformationen im Restaurant beachtet und bei der Bestellung berücksichtigt hatten. Für jeden Freiwilligen berechneten die Forscher die individuell empfehlenswerte tägliche Kalorienmenge anhand seiner Größe und seines Gewichts.

Im Schnitt kauften die McDonald's-Kunden Menüs mit 765 Kilokalorien - wobei Teilnehmer, die nur ein Getränk oder einen Nachtisch kauften, den Schnitt drückten. Wer zu Mittag aß, verzehrte im Schnitt Lebensmittel mit 824 Kilokalorien (Frauen) beziehungsweise 890 Kilokalorien (Männer) - und lag damit über den ausgeteilten Empfehlungen der Wissenschaftler. Rund ein Drittel der Kunden kaufte Lebensmittel mit mehr als eintausend Kilokalorien.

Rabatt, wenn man sich für Cola light entscheidet?

Die ausgehändigten Informationen wurden verstanden, wie die Forscher anhand von Fragebögen feststellten. Im Ergebnis änderte das allerdings nichts am Verhalten im Restaurant. Sogar einen kleinen, statistisch nicht signifikanten Trend in die falsche Richtung konnten die Wissenschaftler ausmachen: Die informierten Kunden kauften tendenziell Menüs mit mehr Kalorien als die Vergleichsgruppe.

In allen Gruppen unterschätzten die Kunden zudem, wie viele Kalorien ihre Mahlzeiten enthielten. Die Forscher spekulieren, dass die Kunden sich von den Kalorienangaben der Hauptspeisen in die Irre führen ließen. So liegt ein US-Big Mac mit 570 Kilokalorien zwar unter der Empfehlungsgrenze von 800 Kilokalorien, mit Pommes und Cola aber landet das Menü deutlich über der Marke.

Eine Einschränkung der vom US-Landwirtschaftsministerium bezahlten Studie ist, dass nur Kunden von McDonald's befragt wurden und die Wissenschaftler nicht wissen, wie sich die Teilnehmer sonst ernähren. Zudem ist die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf Deutschland unsicher.

Die US-Wissenschaftler interessiert vor allem die Frage, wie man der wachsenden Zahl übergewichtiger Menschen helfen kann, sich ausgewogen zu ernähren. Die Lebensmittelindustrie und Restaurantketten wie McDonald's vertreten die Auffassung, dass Kalorienangaben auf Nahrungsmitteln dem Verbraucher helfen, informiert einzukaufen und zu essen. Vereinfachende Angaben wie eine Lebensmittelampel lehnt die Industrie dagegen ab.

Julie Downs und ihre Kollegen ziehen das ernüchternde Fazit: "Unsere Ergebnisse lassen wenig Raum für die Hoffnung, dass Kalorienempfehlungen den offensichtlich schwachen bis nicht vorhandenen Effekt von Kalorienangaben retten können."

Enttäuscht sind sie vor allem, dass auch auf die direkt bevorstehende Mahlzeit bezogene Informationen offensichtlich keinen Gewinn gegenüber allgemeinen Ernährungsempfehlungen bringen. Die Forscher wollen statt detailreicher Hinweise einfache Informationen für Verbraucher - und unkonventionelle Anreize: Vielleicht sollten Kunden einen Rabatt bekommen, wenn sie zu ihrem Burger eine Light-Limonade statt der zuckerhaltigen Variante bestellen, schlagen sie vor.

dba

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1.
barlog 19.07.2013
Zitat von sysopDie Lebensmittelindustrie und Restaurantketten wie McDonald's vertreten die Auffassung, dass Kalorienangaben auf Nahrungsmitteln dem Verbraucher helfen, informiert einzukaufen und zu essen.
Dieser Satz sagt wohl mehr über die Wirksamkeit von Kalorienzählerei als der Rest des Artikels ! Die Fachleute der Lebensmittelindustrie wissen sehr genau, welche "Verbraucherhilfen" zu Umsatzrückgängen führen und welche wirkungslos, aber gut für's Image sind. Die im Gegensatz zu abstrakten Zahlen einfach zu erfassende Ampelkennzeichnung wird ja nicht grundlos von den zuständigen Lobbyisten bekämpft.
2.
regreub 19.07.2013
Zitat von barlogDieser Satz sagt wohl mehr über die Wirksamkeit von Kalorienzählerei als der Rest des Artikels ! Die Fachleute der Lebensmittelindustrie wissen sehr genau, welche "Verbraucherhilfen" zu Umsatzrückgängen führen und welche wirkungslos, aber gut für's Image sind. Die im Gegensatz zu abstrakten Zahlen einfach zu erfassende Ampelkennzeichnung wird ja nicht grundlos von den zuständigen Lobbyisten bekämpft.
Eine Ernährung, bei der man nur noch Produkte zu sich nimmt, deren Ampel auf grün steht, wäre auch nicht sehr ausgewogen. Vor 30 Jahren waren überigens so gut wie gar keine Nährwertangaben auf Lebensmitteln zu finden. Übergewicht spielte trotzdem keine große Rolle. Kommt es vielleicht nicht auf den Packungsaufdruck, sondern auf die Lebensweise an? Will man hier mit Lebensmittelkennzeichnungen ein Problem in den Griff kriegen, dessen Wurzeln ganz woanders liegen?
3. naiv
blowup 19.07.2013
Ist doch wohl naiv zu glauben, dass die Industrie Maßnahmen ergreift, die zu einem Umsatzrückgang führen. McD wird das schon vorher getestet haben. Halt! Erinnere mich an einen Stromversorger, der mal eine Aktion mit Gutscheinen zum Stromsparen durchgeführt hat. Das war aber nur ein Alibi, weil die mit der Doku der Aktion, die Genehmigung für neue Kraftwerke bekommen wollten / haben.
4. andere Vermutung
marlas009 19.07.2013
Also ich glaube ja eher, das die Leute die zu McDonald's essen gehen sich auch bewusst sind das das essen dort zu viel Kalorien hat. Die Leute die dann dort essen stört es dann auch nicht wenn sie zu viele Kalorien zu sich nehmen, darauf haben sie sich ja vorher eingestellt. Ich vermute doch mal (hoffe) das den Leuten doch bewusst ist das McDonald's und Co nicht umbedingt das gesündeste essen anbieten. Denn gerade weil es ihnen bewusst ist, haben sie sich darauf eingestellt und dann ist es ihnen eben nicht mehr so wichtig kalorienarm zu essen, die zusatzkalorien waren ja beim McDonald's eh schon eingeplant.
5.
barlog 19.07.2013
Zitat von regreubEine Ernährung, bei der man nur noch Produkte zu sich nimmt, deren Ampel auf grün steht, wäre auch nicht sehr ausgewogen. Vor 30 Jahren waren überigens so gut wie gar keine Nährwertangaben auf Lebensmitteln zu finden. Übergewicht spielte trotzdem keine große Rolle. Kommt es vielleicht nicht auf den Packungsaufdruck, sondern auf die Lebensweise an? Will man hier mit Lebensmittelkennzeichnungen ein Problem in den Griff kriegen, dessen Wurzeln ganz woanders liegen?
Eine perfekt ausgewogene Ernährung wird kein Verbraucherinformationssystem jemals bringen und natürlich ist die Hauptursache für Übergewicht immer noch, daß sich viele Menschen kaum noch nennenswert bewegen. Aber wie gesagt, der Widerstand der Lebensmittelindustrie gegen die Ampelkennzeichnung ist der beste Indikator dafür, daß diese nicht sinnlos ist, im Gegenteil (http://www.foodwatch.org/de/informieren/ampelkennzeichnung/aktuelle-nachrichten/briten-kaufen-mit-der-ampel-bewusster-ein/).
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