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Wohltuender Verzicht: Vier Arten zu fasten

Kräutertee: Kaffee und Alkohol sind beim Fasten tabu, Wasser und nicht anregende Tees sind erlaubt Zur Großansicht
TMN/ Monique Wüstenhagen

Kräutertee: Kaffee und Alkohol sind beim Fasten tabu, Wasser und nicht anregende Tees sind erlaubt

Wer fasten möchte, muss nicht radikal auf Nahrung verzichten. Neben dem bekannten Heilfasten existieren verschiedene weitere Formen, bis hin zur Kur mit Milch und Semmeln.

Am Anfang kann es hart sein, aber der Aufwand lohnt sich: Eine Fastenkur ist eine Wohltat für den Körper. Zwar gibt es für die Existenz schädlicher Schlacken keinen wissenschaftlichen Beweis. Der Nahrungsentzug senkt aber Blutfette und Blutdruck und befreit Muskeln und Leber von Fett.

Um das zu erreichen, müssen sich Fastende an strikte Ernährungsverbote halten. Ein Totalverzicht ist jedoch nicht immer notwendig. "Letztendlich spielt es beim therapeutischen Fasten keine Rolle, wie man fastet, sondern dass man überhaupt mindestens einmal im Jahr fastet", sagt Professor Andreas Michalsen, Chefarzt für Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus in Berlin.

Vier Fasten-Arten im Überblick:

Heilfasten: Beim Heilfasten nach dem Mediziner Otto Buchinger (1878 bis 1966) setzen viele zunächst auf eine gründliche Darmreinigung mit Glauber- oder Bittersalz sowie gelegentlichen Einläufen. Medizinisch notwendig ist die Darmreinigung aber nicht. Dann wird fünf bis sieben Tage, in Kliniken sogar bis 30 Tage, keine feste Nahrung zu sich genommen - es gibt nur Flüssiges mit maximal 500 Kilokalorien pro Tag, sagt Michalsen.

Mineralstoffe erhält der Körper über Gemüsebrühe am Mittag, verdünnte Obst- und Gemüsesäfte versorgen ihn mit Vitaminen. Erlaubt sind außerdem mit etwas Honig gesüßte Tees sowie Wasser. "Der Vorteil der Kur ist, dass sich damit tatsächlich medizinische Effekte etwa bei Rheuma oder Bluthochdruck erzielen lassen", so Michalsen. Die Erfolge sind zumindest kurzfristig nachgewiesen. Ein Nachteil: Die Kur lässt sich nicht ohne Weiteres in den Alltag integrieren. Arbeitnehmer sollten Urlaub nehmen.

Suppenfasten: Bei dieser Kur sind dreimal am Tag ein bis zwei Teller warme Suppe vorgesehen. Zum Frühstück steht eine Haferflocken-Suppe auf dem Speiseplan. Haferflocken enthalten viele Vitamine und Mineralstoffe. Sie regen die Fettverbrennung an und aktivieren den Darm. Außerdem machen sie satt. Mittags und abends folgen warme Gemüsesuppen. Sie sollten aus Kohl oder Brokkoli gekocht werden - wegen des hohen Ballaststoffgehalts.

"Wichtig ist, mindestens zwei Liter am Tag zusätzlich zu trinken", rät Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn. Ein Vorteil: Die Suppe für mittags lässt sich gut auf Vorrat zubereiten, und man kann sie in der Thermoskanne mit zur Arbeit nehmen. Der Nachteil: Es wird kaum Eiweiß aufgenommen, das für die Muskelmasse wichtig ist. "Um dem Muskelabbau entgegenzuwirken, sollten sich Fastende grundsätzlich während der Kur viel bewegen", sagt Gahl.

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Ernährungstipps: Vom Frühstück bis zum Festtagsschmaus
Fasten mit Obst und Gemüse: Der Fastende isst bis zu fünfmal am Tag eine große Portion frisches Obst und Gemüse. Dabei kann es sich je nach Geschmack und Saison um Äpfel, Erdbeeren, Trauben, Karotten, Fenchel oder Kräuter wie Petersilie handeln. "Bei dieser Form des Fastens verzichtet der Fastende auf sämtliche tierische Lebensmittel", sagt Gahl. Alkohol und Kaffee sind ebenfalls tabu, stattdessen gibt es Wasser und Kräutertees.

Der Vorteil: Das Obst und Gemüse versorgt den Körper mit Vitaminen und Ballaststoffen. Ein Nachteil dieser Arzt zu Fasten ist ebenfalls, dass der Körper zu wenig Eiweiß für die Muskeln erhält.

Fastenkuren mit Milch und Semmeln: Diese Kur geht auf den Arzt Franz Xaver Mayr (1875 bis 1965) zurück. Täglich gibt es drei Semmeln mit bis zu einem halben Liter Milch. Vor dem Frühstück und vor dem Abendessen löst der Fastende Bittersalz in Wasser auf und trinkt dieses Gemisch. Es sorgt dafür, dass sich der Darm entleert. Zum Frühstück sowie Mittag- und Abendessen wird jeweils ein altes Brötchen in kleine Stücke geschnitten und jedes einzelne Teil gekaut, bis es fast flüssig ist. Heruntergeschluckt wird es erst, wenn der Fastende einen Löffel frische Milch zu sich genommen hat.

Die Milch versorgt den Körper mit wichtigen Nährstoffen. Zusätzlich werden täglich drei Liter Wasser oder Kräutertee getrunken. Der Vorteil dieser Kur: Mit ihr können sich Fastende eine zu hastige Essensweise abgewöhnen. Der Nachteil: Für Menschen mit einer Laktoseunverträglichkeit ist diese Kur nicht geeignet.

Grundregeln für alle Fastenden:

Ein paar Regeln gelten immer, egal für welche Art des Fastens sich jemand entscheidend: Vor dem Fasten muss der Körper auf die Kur vorbereitet werden. Während zwei Entlastungstagen sollten Fastende vegetarisch, leicht verdaulich und weniger als sonst essen. "Das eigentliche Fasten sollte anschließend, je nach Fastenart, nicht länger als maximal zehn Tage dauern", sagt die Ökotrophologin Gabriele Graf von der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf. Wer länger fasten will, sollte dies nur unter ärztlicher Aufsicht tun oder sich in eine Fastenklinik begeben.

Auch nach dem Fasten gilt es, Regeln zu beachten. "Wichtig für einen anhaltenden Erfolg sind die Aufbautage nach dem Fasten", sagt Graf. Der Organismus muss sich langsam einem normalen Mahlzeitrhythmus annähern. "Für den Aufbau sollte man sich mindestens drei Tage Zeit nehmen", rät Michalsen. Dabei sollte maßvoll und langsam gegessen und vor allem gründlich gekaut werden. "Längerfristig haben von einer Fastenkur nur diejenigen etwas, die ungünstige Essgewohnheiten im Alltag verändern", sagt Gahl.

irb/Sabine Meuter, dpa

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