Faszien-Yoga Dehnen, federn, schwingen

Wer sich nicht bewegt, verklebt. Im Interview spricht Yoga- und Pilatestrainerin Amiena Zylla über Faszienbahnen und erklärt, wie Fußmassagen Verspannungen im Rücken lösen können.

Vielfalt im Yoga-Kurs: Beim Faszien-Training übernimmt das Körpergefühl die Leitung
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Vielfalt im Yoga-Kurs: Beim Faszien-Training übernimmt das Körpergefühl die Leitung


Zur Person
Amiena Zylla ist Yoga- und Pilatestrainerin, Sport-und Bewegungspädagogin und Tänzerin. Die Südafrikanerin hat zahlreiche Bücher geschrieben und unterrichtet seit mehr als 20 Jahren Yoga und Pilates. 2005 eröffnete sie ihr Studio Amiena's Werkstatt in München. Seit rund drei Jahren hat sie ihren Fokus auf das Thema Faszien gelegt.
SPIEGEL ONLINE: Frau Zylla, Sie unterrichten Faszien-Yoga. Wie unterscheiden sich die Kurse vom üblichen Yoga?

Zylla: Drei Elemente sind besonders wichtig: Bewegung, Ganzheitlichkeit und Flexibilität. Im klassischen Hatha-Yoga verharrt man oft längere Zeit in einer bestimmten Pose und dehnt so eher lokal. Beim Faszien-Yoga sind wir viel in Bewegung. Wir verlassen die klassischen Ausrichtungen und bewegen den Körper in verschiedene Winkel. So dehnen wir ganze Faszienbahnen und nicht nur Muskelteilgebiete.

SPIEGEL ONLINE: Wie kann man sich das Training von Faszienbahnen vorstellen?

Zylla: Die Hauptelemente bei meinem Faszien-Yoga sind das Dehnen, Federn und Schwingen. Wir beziehen den ganzen Körper mit ein und arbeiten mit fließenden statt statischen Bewegungen. Viele denken, Faszien-Training ginge nur mit einer Faszienrolle, aber das stimmt gerade nicht. Außerdem bietet die Arbeit mit den Faszien viel Freiraum für individuelles Vorgehen. Schaut man in einen normalen Yogakurs, wird man fast alle Teilnehmer in der gleichen Pose sehen. Im Faszien-Yogakurs kann es auch sein, dass die Formen stark voneinander abweichen. Es geht darum, auf den Körper zu hören und zu spüren, was ihm guttut.

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SPIEGEL ONLINE: Warum ist Faszien-Training wichtig?

Zylla: Wenn wir Verspannungen haben, liegt es in erster Linie an den Faszien. Wenn wir sie nicht trainieren, verkleben beziehungsweise verfilzen sie. Das kann man sich vorstellen wie bei einem zu heiß gewaschenen Wollpulli, dessen Gewebe so seine Leichtigkeit und Flexibilität verliert. Unbewegliche Faszien bedeuten einen unbeweglichen Körper. Durch das gezielte Training der Faszien kann man Verspannungen lösen, eine höhere Beweglichkeit erzielen und generell geschmeidiger werden.

SPIEGEL ONLINE: Man liest derzeit viel über Faszien-Training. Könnte es nicht auch ein vergänglicher Trend sein?

Zylla: Vor einigen Jahren habe ich zum ersten Mal über Faszien gelesen und es anfänglich tatsächlich als Hype abgetan. Doch je mehr ich darüber erfuhr, desto klarer wurde mir, dass ich mich damit beschäftigen wollte. Denn Faszien sind das Gewebe, das unseren Körper zusammenhält - also kann es keine reine Trenderscheinung sein.

SPIEGEL ONLINE: Yoga ist nicht jedermanns Sache - wie kann man seine Faszien noch beweglich halten?

Zylla: Man kann die Faszien zum Beispiel auch super beim Laufen trainieren, indem man Variationen in das Lauftraining einbaut: seitwärts und rückwärts laufen, hüpfen, springen, in den Pausen ein paar Übungen an einer Bank oder an einem Baum machen. Ich habe das früher schon instinktiv gemacht. Heute weiß ich, dass es für meine Faszien war. Yoga, Pilates, Tanzen oder etwas ganz anderes - viele Sportarten trainieren die Faszien mit. Natürlich gibt es auch Sportarten wie Bodybuilding und klassisches Fitnesstraining, die eher den Muskelaufbau fördern.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es neben Sport Verhaltensweisen, die gut für die Faszien sind? Oder eben schädlich?

Zylla: Man sollte einfach Schwung in sein Leben bringen. Faszien mögen keine Couchpotatoes. Sie brauchen Bewegung, um beweglich zu bleiben. Es kann auch schon helfen, sich öfter mal zu strecken, sich also in eine Dehnbewegung zu begeben, die sich gerade gut anfühlt. Wobei das das spezifische Faszien-Training nicht ersetzt.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es neben der Faszienrolle weitere Möglichkeiten, die Faszien von außen zu stimulieren, zum Beispiel durch Bekleidung?

Zylla: Diese Kleidung kenne ich nicht, aber an den Füßen könnte es sehr sinnvoll sein. In der Fußsohle liegt eine der wichtigsten Faszien, die Fußsohlenfaszie. Sie wird zu wenig gedehnt. Daher sollten wir zum Beispiel öfter mit einem Tennisball unsere Fußsohlen massieren. Das kann sogar Verspannungen im Rücken lösen.

SPIEGEL ONLINE: Man kann durch Fußmassage Rückenbeschwerden verbessern?

Zylla: Ja, denn von der Fußsohle aus läuft eine Faszienbahn über die komplette Länge unserer Rückseite bis zu unseren Augen. Unsere Füße tragen oftmals unser komplettes Gewicht und dann stecken wir sie noch den ganzen Tag in Schuhe. So können Verspannungen im Körper entstehen, deren Auswirkungen wir bis in den Nackenbereich spüren und die somit unsere Beweglichkeit stark eingrenzen.

SPIEGEL ONLINE: Ist eine ausgeprägte Beweglichkeit erlernbar oder Veranlagung?

Zylla: Zum Teil ist sie erlernbar. Denn tatsächlich sitzt unser Gewebetyp in der Veranlagung. Man kann bis zu einem gewissen Grad beweglicher werden. Wenn man aber von Haus aus ein fester Gewebetyp ist - meistens Männer - ist irgendwann eine Grenze erreicht.

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Das Interview führte Ellen-Jane Austin.



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insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
schnittlauch_y 11.12.2015
1. Werbung
Mehr ist der Artikel nicht. Was bitteschön sind denn Faszienbahnen? Der Begriff kommt in keinem anatomischen Lehrbuch vor. Und welche 'Faszie' zieht vom Fuß zum Auge? Haarsträubende anatomische Kenntnisse brechen sich hier Bahn. Dass die Plantaraponeurose von den Faszienjüngern relativ willkürlich nun auch zur illustren Fasziengruppe gezählt wird, finde ich ebenfalls interessant. Zur 'Verklebung' oder 'Dehnung' von Faszien und deren Bedeutung bei Rückenschmerz wird von der Trainerin keinerlei Evidenz angegeben - und bedauerlicher Weise vom Interviewer auch nicht eingefordert. Meines Wissens gibt es da auch keine Evidenz. Mit anderen Worten lernen wir im Artikel nichts dazu und nur eine ganz private Weltanschauung kennen.
diefetteberta 11.12.2015
2. Sau durchs Dorf
Was die "Expertin" verschweigt, dass hier nur mal wieder eine Sau durchs Dorf getrieben wurde. Was heute teuer und innovativ als Faszientechnik verkauft wird, das gibt es schon seit Jahrzehnten unter dem Begriff Bindegewebstechniken, hört sich nur nicht so sexy an.
paps 11.12.2015
3. fascien verfilzen
das ist die ultimative antwort auf alle rückenprobleme. es treibt einen die tränen in die augen.
jens.andresen667 12.12.2015
4. Unreflektierter Artikel
Ich vermisse hier evidenzbasierte Bezüge. Wie siehts denn mit Studien aus? Insgesamt ein Interview, das einer Frauenzeitschrift würdig wäre. Ein bisschen was Ganzheitliches, dann noch Achtsamkeit, ein bisschen was zur Ernährung, Basteltips zur Weihnachtszeit und nur das Jahreshoroskop fehlt noch. Willkommen auf SPON!
Bodhisattva 12.12.2015
5. Ich versteh die Aufregung nicht!
Warum ist in den Kommentaren so viel Ablehnung zu lesen. Ich hab von den Faszien vor ca. 5 Jahren während meiner Yogalehrer Ausbildung erfahren und hab gleich angefangen mit dem Tennisball und genau die Erfahrungen gemacht die Frau Zylla beschreibt. Schulter und Nackenverspannungen haben sich gelöst. Seitdem bin ich Faszien Fan. In meinen Yoga Studios gibt es LaCross Gummi Bälle. Die Drücke ich meinen Schülerinnen als erstes in die Hand, wenn sie mir von starken Verspannungen erzählen und es hilft wirklich oft. Sicher ist Faszien Training kein Allheilmittel, das wird in dem Artikel auch garnicht so dargestellt, sondern eine von vielen Möglichkeiten, gesünder, fitter und geschmeidiger zu bleiben oder zu werden.
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