Fettleber: Die unterschätzte Gefahr

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Übergewicht: Falsche Ernährung kann eine krankhafte Verfettung der Leber auslösen

Jeder dritte Erwachsene hat eine Fettleber, doch längst nicht alle Betroffenen wissen das - sie haben zunächst kaum Beschwerden. Langfristig können aber Diabetes und Leberkrebs entstehen. Ärzte fordern jetzt, die Fettleber als Vorzeichen für Krebs einzuordnen.

Es klingt nach einer Erkrankung, die nur Alkoholiker betrifft: An einer Fettleber leidet Schätzungen zufolge jeder dritte Erwachsene - Tendenz steigend. Doch während früher Alkohol die Hauptursache für die sogenannte Steatose war, gehören heute fette und süße Nahrung, mit Fruchtzucker gesüßte Softdrinks und Bewegungsmangel zu den wichtigsten Auslösern.

Die Kriterien für eine moderate Fettleber sind erfüllt, wenn ein bis zwei Drittel der Leberzellen mittel- bis großtropfige Fettansammlungen enthalten. Das Problem der krankhaften Veränderung: Die Betroffenen merken meist nichts davon. Dennoch sollten bei der Diagnose die Alarmglocken schrillen, denn Typ-2-Diabetes kann ebenso die Folge sein wie der Funktionsverlust der Leber durch eine sogenannte Zirrhose. Dabei ersetzt funktionsloses Bindegewebe abgestorbene Leberzellen, was bei etwa jedem Zehnten bösartige Tumoren nach sich zieht.

Eine aktuelle Untersuchung weist nun darauf hin, dass durch eine Fettleber auch dann Leberzellkrebs entstehen kann, wenn das Organ nicht zuvor durch eine Leberzirrhose geschädigt wurde. Es handelt sich dabei um die ersten Ergebnisse der FLIP-Studie (Fatty Liver: Inhibition of Progression), einer internationalen Kohortenstudie. Seit 2010 nahmen 160 Patienten mit einem Leberzellkarzinom daran teil. Die im Durchschnitt 70 Jahre alten Probanden litten an einer nicht-alkoholischen Fettleber, hatten aber keine sonstigen chronischen Lebererkrankungen wie etwa eine chronische Hepatitis B- oder C-Infektion. 43 Prozent der Patienten entwickelten im durchschnittlichen Alter von 73 Jahren Leberzellkrebs ohne vorherige Leberzirrhose. Patienten mit vorheriger Leberzirrhose erkrankten bereits fünf Jahre früher an Leberzellkrebs.

Vorzeichen einer Krebserkrankung

Die United European Gastroenterology (UEG) fordert nun, die nicht-alkoholische Fettleber als Vorzeichen für eine Leberzellkrebserkrankung einzustufen. Denn sonst wird ein sich entwickelnder Tumor möglicherweise nicht erkannt, wenn dem Leberkrebs keine Zirrhose vorangeht. Das zeigt auch die Kohortenstudie: Die 43 Prozent der Patienten, die ohne Leberzirrhose ein Leberzellkarzinom entwickelten, waren zunächst komplett "übersehen" worden. Sie gehörten nämlich nicht zur Zielgruppe für Leberkrebs-Vorsorgeprogramme, die zumindest alle sechs Monate eine Ultraschalluntersuchung der Leber vorsehen.

Bei der Ultraschalluntersuchung sieht die Fettleber heller aus als eine normale Leber, und der Schall ist abgeschwächt. Wie stark der Effekt ist, hängt vom Fettgehalt ab. Ein bevölkerungsweites Screening mit Ultraschall wäre aber zu aufwendig. "Wir brauchen im Blut nachweisbare Biomarker, die eine Fettleber anzeigen", warnt der Hepatologe und Gastroenterologe Jörn Schattenberg von der Universitätsmedizin Mainz. Während Alkohol und Viruserkrankungen bei den Betroffenen häufig zur Entzündung der Leberzellen führen, tritt bei einer ernährungsbedingten nicht-alkoholischen Fettleber nur in rund fünf Prozent der Fälle eine Leberentzündung auf. "Diese Fettleberhepatitis kann ihrerseits gefährliche Folgeerkrankungen haben", so Schattenberg. "Viele Patienten mit einer nicht-alkoholischen Fettleber haben einen gestörten Zuckerstoffwechsel und das kann langfristig für den Organismus schwerwiegende Folgen haben."

Übergewichtige Jugendliche in Gefahr

Wie das Fettgewebe, das Gehirn und die Skelettmuskulatur ist auch die Leber insulinempfindlich. Insulin ist jenes Hormon der Bauchspeicheldrüse, das dafür sorgt, dass die Körperzellen Glukose aus dem Blut aufnehmen. "Inzwischen wissen wir, dass eine Insulinresistenz, bei der die Zellen nicht mehr auf Insulin ansprechen, ein wesentlicher Risikofaktor für das Entstehen einer Fettleber ist", erklärt der Mainzer Mediziner. Eine im April in der Fachzeitschrift "Hepatology" veröffentlichte Studie hat ergeben, dass eine Typ-2-Diabeteserkrankung oder die Häufung der Zuckerkrankheit in einer Familie das Risiko für eine nicht-alkoholische Fettleber erhöhen.

Die nicht-alkoholische Fettleber und Typ-2-Diabetes gehören beide als Folgeerkrankungen zum sogenannten "metabolischen Syndrom", dem Quartett aus Insulinresistenz, Bluthochdruck, einer gestörten Zusammensetzung der Blutfette und vor allem bauchbetontem Übergewicht. Insbesondere bei starkem Übergewicht ist das Risiko einer Fettleberbildung hoch - nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Jugendlichen. Laut einer in der Fachzeitschrift "Diabetes Care" publizierten Untersuchung an der Kinderklinik der US-amerikanischen Yale-Universität gilt gerade bei übergewichtigen Jugendlichen die Fettleber als wichtigster Faktor für die Entwicklung einer Glukoseintoleranz und eines Typ-2-Diabetes in jungen Jahren.

Fettleber
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insgesamt 9 Beiträge
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1. Bauchspeck und Fettleber
mopsfidel 31.10.2012
Die Erkenntnisse sind so alt wie die Hausmittelchen meiner Oma. Und dazu die immer wieder "überraschende" Erkenntnis: mangelnde Bewegung.
2. Nicht zu vergessen
MiniDragon 31.10.2012
Wurde in früheren Zeiten die Syphilis (http://de.wikipedia.org/wiki/Syphilis) auch als maladie française bekannt ( der im Pariser Exil lebende Heinrich Heine starb an dieser Lustseuche ) so ist heute die Fettleber infolge tagtäglichen Weingenusse zur heutigen Franzosenkrankheit geworden. Da jedoch das Weintrinken inzwischen in ganz Europa zu lieben Lust wurde, ist leider auch die Fettleber Kulturgut im christlichen Abendland geworden.
3. Autorin naiv oder bestechlich
zornbüttel 31.10.2012
Die als Sensation aufgemachte Story über Zusammenhänge zwischen Fettleber und Leberzellkrebs auch ohne bestehende Leberzirrhose bezieht sich auf "die ersten Ergebnisse der FLIP-Studie (Fatty Liver: Inhibition of Progression)". Der angegebene Link führt zu einer Presseerklärung vom 28.6.2012 der "United European Gastroenterology" http://www.ueg.eu/. Dieser Verband ("professional non-profit organisation combining all the leading European societies concerned with digestive disease") und seine Mitgliedsgesellschaften werden massiv von pharmazeutischen Firmen gesponsort. Nur ein Beispiel: http://www.endoclubnord.de/german/sponsoren.html. Die dahinter stehenden Interessen zielen auf die Ausweitung unbelegter Diagnostik und Behandlung, vor denen ich als Arzt Patienten nur warnen kann. Bei der nach Angaben von SPON studierten Physikerin muss man entweder grenzenlose Naivität oder schwere Interessenkonflikte annehmen. Beides ist inakzeptabel!
4. War gestern im Fernsehen
ismirwurscht 31.10.2012
Na, da hat wohl wer gestern Quarks & Caspers geschaut...
5. Da ist sie ja endlich, die neue Todesgefahr!
suedbaden6 31.10.2012
Es ist schon ein Kreuz mit diesem Leben. Jeden Tag neue Katastrophen. Erst werden ganze Völkerscharen unbemerkt ermordet, weil die Zunft der Pathologen nicht jede einzelne Leiche (kostenpflichtig) untersucht und jetzt siecht die deutsche Community dahin, weil McDonald und Coca Cola ihre Lebern krebsig zerfressen. Komisch nur, dass ich bei der großen Mehrzahl der Patienten, die seit 30 Jahren ziemlich zahlreich sonografiere eindeutige Strukturverdichtungen und damit "Fettlebern" feststelle, in der ganzen Zeit aber noch KEINE einzige Krebserkrankung ohne vorhergehende Virushepatitis und/oder Alkoholzirrhose. Die arme Zunft der Gastroenterologen scheinen vom gleichen arbeitslosigkeitserzeugenden Vermehrungsdruck geplagt zu sein, wie die Aufschneider der Pathologenzunft. Da muss dringend Geschäft generiert werden. Aber vorher vielleicht die Todesursachenstatistik anschauen. Die ordnet die Gefahr dort ein wo sie hingehört: Halloween!
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Zur Autorin
  • Gerlinde Gukelberger-Felix hatte bereits während ihres Physikstudiums in Karlsruhe und den USA mit Biologie und Medizin zu tun. Sie arbeitet als freie Wissenschafts- und Medizinjournalistin.

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Diabetes mellitus
Honigsüßer Durchfluss
Der Diabetes mellitus (wörtlich aus dem Griechischen: "honigsüßer Durchfluss"), umgangssprachlich Zuckerkrankheit genannt, ist eine chronische Stoffwechselstörung. Der Name bezieht sich auf den zuckerhaltigen Urin, an dessen Süße die Krankheit in der Antike erkannt wurde. Heute gilt Diabetes als Überbegriff für verschiedene Krankheitsbilder, die durch zu hohe Blutzuckerwerte, die Hyperglykämie, gekennzeichnet sind. Der Grund dafür ist, dass Traubenzucker (Glukose) wegen eines Insulinmangels nicht mehr in die Zellen aufgenommen werden kann und sich im Blut anreichert.
Typ-1-Diabetes
Beim Typ-1-Diabetes, von dem fünf bis zehn Prozent aller Zuckerkranken betroffen sind, zerstört das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Die Symptome des fortschreitenden Insulinmangels beginnen meist in der Kindheit oder der Jugend: Die Blutzuckerkonzentration steigt extrem an, es kommt zu starkem Wasser- und Nährstoffverlust, was ständigen Durst und häufiges Erbrechen zur Folge hat. Auch eine schnelle Gewichtsabnahme gehört zu den Symptomen. Als Therapie müssen die Diabetiker sich Insulin selbst spritzen. Als Ursache von Typ-1-Diabetes werden genetische Veränderungen vermutet.
Typ-2-Diabetes
Der Typ-2-Diabetes wurde früher als Altersdiabetes bezeichnet. Im Zuge wachsender Zahlen übergewichtiger Menschen insbesondere in den Industrieländern erkranken aber immer öfter auch junge Menschen und inzwischen sogar Kinder am Typ-2-Diabetes. Falsche Ernährung gilt als die Hauptursache der Krankheit: Die großen Mengen von Zucker, die dem Körper zugeführt werden, kann die Bauchspeicheldrüse in jungen Jahren noch durch eine verstärkte Insulinproduktion wettmachen. Im Laufe der Zeit versiegt aber die Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse und auch die Zellen werden unempfindlicher für das Insulin, sodass die Glukose immer schlechter abgebaut wird und sich im Blut anreichert.

Im Unterschied zum Typ 1 gibt es beim Typ-2-Diabetes lange keine eindeutigen Symptome wie etwa verstärktes Wasserlassen oder Durstgefühl, sondern eher unspezifische Anzeichen wie ein ständiges Hungergefühl, Gewichtszunahme, Niedergeschlagenheit und Müdigkeit. Typ-2-Diabetes kann anfangs durch gesündere Ernährung, mehr Bewegung und Abnehmen bekämpft werden. Gelingt das nicht, sind später Medikamente zur Regulierung des Blutzuckers und auch eine Insulintherapie notwendig.
Verbreitung
Diabetes gehört schon heute zu den größten Volkskrankheiten und wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich dramatisch ausbreiten. Schätzungen zufolge gibt es weltweit mehr als 150 Millionen Zuckerkranke, Tendenz stark steigend.

In Deutschland lebten laut Einschätzungen der DEGS Gesundheitsstudie des Robert Koch-Instituts 7,2 Prozent der Bevölkerung zwischen 18 und 79 Jahren mit Diabetes, demnach sind 4,6 Millionen Personen betroffen. Bei den 70- bis 79-Jährigen ist mehr als jeder Fünfte an Diabetes erkrankt (21,9 Prozent). Die Zahl der Erkrankungen ist zwischen 1997 und 2010 um 38 Prozent angestiegen, davon sind nur 14 Prozent durch die Alterung der Bevölkerung zu erklären.