Omega-3-Fettsäuren fürs Herz: Mediziner erklären Fischöl-Kapseln für nutzlos

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Bewahrt die tägliche Fischöl-Kapsel Risikopatienten vorm Herzinfarkt? Eine Analyse von 14 Studien ergab nun, dass die Nahrungsergänzungsmittel wohl nichts nützen. Doch nicht alle Forscher halten das für plausibel. Einig sind sich Mediziner immerhin bei ihren Ernährungstipps.

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Corbis

Fischöl-Kapseln: Wirkung umstritten

Regelmäßig Fisch zu essen, insbesondere die fetteren Sorten wie Lachs, gilt als gesund fürs Herz. Die im Fisch enthaltenen Omega-3-Fettsäuren sollen das Herzkreislaufsystem schützen, indem sie Entzündungen und der Arterienverkalkung vorbeugen sowie Herzrhythmusstörungen entgegenwirken.

Von dieser Ernährungsempfehlung war es nur ein kleiner Schritt hin zu Fischöl-Kapseln, die EPA (Eicosapentaensäure) und/oder DHA (Docosahexaensäure) enthalten. Tatsächlich zeigten erste Studien, dass die Nahrungsergänzungsmittel Patienten, die bereits Probleme mit dem Herzen hatten, vor weiteren Beschwerden schützen.

Eine Übersichtsarbeit, in der 14 Studien zusammengefasst sind, kommt nun jedoch zu einem anderen Ergebnis: Nach bisherigem Forschungsstand schützen Fischöl-Kapseln nicht vor weiteren Herzleiden, heißt es im Fachmagazin "Archives of Internal Medicine".

Ergebnis gilt nur für Menschen mit Vorerkrankung

Die südkoreanischen Forscher um Sang Mi Kwak vom Center for Cancer Prevention and Detection analysierten nur Versuche, in denen die Teilnehmer entweder Kapseln mit Omega-3-Fettsäuren oder ein Placebo schluckten und weder Patienten noch Ärzte wussten, wer was erhalten hatte. An den 14 ausgewählten Studien hatten insgesamt 20.485 Patienten teilgenommen, die bei Studienbeginn im Schnitt 63 Jahre alt waren. 78,5 Prozent der Probanden waren Männer.

Das Fazit der Forscher - die Kapseln helfen nicht - stößt auf Widerstand, der auch direkt in einem Kommentar im Fachmagazin formuliert wird. Das südkoreanische Team hat zwei große Studien nicht mitbewertet, die eine positive Wirkung für die Nahrungsergänzungsmittel belegten - den "Gissi-Preventione-Trial" mit rund 11.300 Teilnehmern (Gissi) und die japanische "Jelis"-Studie mit rund 18.600 Probanden, denn in diesen Studien erhielt die Vergleichsgruppe kein Placebo - was das Endergebnis durchaus beeinflussen kann.

Sang Mi Kwak und Kollegen bieten allerdings eine kurze Rechnung an, in die diese Studien mit eingeflossen sind - dann schneiden die Fischöl-Kapseln zwar besser ab, aber eine eindeutig positive Wirkung sei dennoch nicht abzulesen.

Sie haben auch eine mögliche Erklärung parat, warum die Fischöl-Kapseln in früheren Studien wirksam waren, in späteren aber nicht mehr. Patienten, die bereits Herzkreislaufleiden haben, erhalten inzwischen deutlich häufiger Medikamente, allen voran Statine, die sie vor einem Infarkt bewahren sollen. Im "Gissi-Trial" nahmen fünf Prozent der Teilnehmer diese Cholesterinsenker, in einer der neueren Studien waren es 85 Prozent. Zusätzlich geschlucktes Fischöl erhöhe dann den Schutzeffekt nicht mehr, mutmaßen die Wissenschaftler.

Fisch weiterhin empfohlen

In einem sind sich die Forscher und die beiden Verfasser des Kommentars deshalb einig: Weitere Untersuchungen sind nötig, um diese Frage besser zu beantworten. Vielleicht bringt die "Vital"-Studie, die derzeit in den USA läuft, einige Antworten. Bislang nur unzureichend erforscht ist auch die Frage, ob täglich geschluckte Fischöl-Kapseln Menschen, die noch nicht wegen Herzproblemen in Behandlung waren, vor solchen Krankheiten schützen.

Und so bleibt es vorerst weiter eine Glaubensfrage, ob man Fischöl-Kapseln einnimmt oder nicht, da Belege für den Nutzen fehlen, die Nahrungsergänzung aber wohl auch nicht schädlich ist. Einig sind sich die Ärzte aber bei der Empfehlung, möglichst zweimal pro Woche Fisch zu essen - auch weil er als weniger gesund geltende Eiweißquellen wie rotes Fleisch ersetzt. Wer den nicht mag, kann zumindest auf die pflanzliche Alpha-Linolensäure achten, die unter anderem in Walnüssen, Leinsamen, Soja und Rapsöl steckt.

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