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Doppeltes Übergewicht: Abspeckprogramm für Hund und Herrchen

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Janin Ziegenhagen mit Pincher-Mischling Billy: Fit mit Hund ist ein spezielles Trainingsprogramm für Tier und Halter Zur Großansicht
Simone Plaschke

Janin Ziegenhagen mit Pincher-Mischling Billy: Fit mit Hund ist ein spezielles Trainingsprogramm für Tier und Halter

Mensch dick, Hund dick - das kommt häufig vor. Wer abnehmen will, kann das beim Fit-mit-Hund-Training tun. Mit Spaß sollen dabei Vierbeiner und ihre Halter ihre Fitness steigern. Auch Ärzte sind an dem Programm interessiert.

Karina Maschmeyer trägt Turnschuhe, Leggings und Windjacke - ihre Trainingspartnerin Paula nichts weiter als ein Halsband. Auf dem Parkplatz springt die schwergewichtige Rottweilerin aus dem Kofferraum. 40 Kilogramm bringt die Hündin auf die Waage. Jetzt soll sich Paula gemeinsam mit ihrer Halterin eine Stunde lang bewegen. Trainerin Janin Ziegenhagen erwartet die beiden schon und führt sie in die Lohe, ein ehemaliges Militärübungsgelände in Hamburg-Bergedorf.

Das Programm "Fit mit Hund" ist ein gezieltes Training für Hund und Halter gleichermaßen. Das eigene Haustier als Trainingspartner soll das Sportprogramm auflockern und ihm spielerischen Charakter verleihen. Entwickelt wurde das Trainingsmodell von Tanja Petrick. Als gelernte Fitnesstrainerin und Ausbilderin von Rettungshunden kam ihr die Idee, ein kombiniertes Programm für Mensch und Hund auszuarbeiten.

Muskeltraining für Hund und Herrchen

"Ich dachte, man könnte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Man beschäftigt sich mit seinem Hund und tut nebenbei etwas für die eigene Gesundheit", sagt Petrick. Sie überlegte sich Übungen, die Spaß machen sollen, und bei Mensch wie Hund wichtige Muskeln trainieren. Schnell war die Nachfrage so groß, dass sich Petrick entschloss, eine Trainerausbildung anzubieten, die auch Janin Ziegenhagen besucht hat. Fundierte Kenntnisse über die Anatomie von Mensch und Hund werden darin genauso vermittelt wie entsprechende Übungen.

In der Lohe erklärt Ziegenhagen eine gymnastische Aufgabe, die Karina Maschmeyer mit Paula machen kann: Während ihre Halterin Ausfallschritte macht, muss sich die Rottweiler-Hündin bemühen, immer wieder unter dem angewinkelten Bein hindurchzuschlüpfen. Das funktioniert gut, solange sie Paula dabei ein Leckerli vor die Nase hält.

Für Maschmeyer geht es vor allem darum, Paula beim Sport dabeizuhaben. "Wenn ich den ganzen Tag gearbeitet habe, freue ich mich, am Feierabend Zeit mit ihr zu verbringen. Und wenn Paula dabei noch abnehmen sollte, wäre das ein toller Nebeneffekt", sagt Maschmeyer. Die 55-Jährige ist recht zierlich, sie selbst möchte durch den Sport ganz einfach fit werden.

Häufig bringen sowohl Hund als auch Herrchen etliche Pfunde zu viel auf die Waage und könnten von einem Abnehmprogramm profitieren. In Abstimmung mit "Fit mit Hund" will der Mediziner Michael Odinius gerne ein solches Modell entwickeln. Er ist auf die Behandlung von Adipositas spezialisiert, in seiner Praxis in Barsbüttel betreut er viele schwer übergewichtige Patienten. Für Dicke, die abnehmen wollen, seien Hunde eine wunderbare Motivation, glaubt der Arzt. "Hundehalter haben bereits den Vorteil, ohnehin viel an der frischen Luft zu sein. Da wäre es ideal, die Bewegung mit dem Hund mit einem Fitnessprogramm zu verbinden."

"Halter werden aktiv, ohne sich groß überwinden zu müssen"

Odinius schwebt ein regelmäßiges Treffen von korpulenten Hundebesitzern vor, bei dem Übungen mit dem Hund gelernt werden sollen: ein Muskeltraining für beide zum Beispiel, oder Intervallläufe mit dem Hund. "Bei der spielerischen Beschäftigung mit ihrem Tier werden Halter aktiv, ohne sich groß überwinden müssen - das sollte man nutzen", sagt Odinius. Zusätzlich soll es in lockerer Atmosphäre eine Ernährungsberatung geben.

Janin Ziegenhagen geht in die Hocke und fasst ihren Pinscher-Mischling Billy, der beim Training meistens dabei ist, an den Pfötchen. Dann führt sie eine weitere Übung für Karina Maschmeyer und Hündin Paula vor: Indem Billy auf zwei Beinen läuft und Janin Ziegenhagen sich in einer Art Entengang rückwärts bewegt, müssen beide ihre Muskeln anstrengen. Doch Rottweilerin Paula ist für diese Übung etwas zu schwer.

Generell gilt, dass nicht für jeden Hund und jeden Halter alle Fit-mit-Hund-Übungen geeignet sind. Daher muss das Training in Kleingruppen abgestimmt werden. Paula könne es beispielsweise helfen, zunächst die Muskulatur ihrer Vorderläufe zu trainieren, indem sie mehrfach hintereinander von der "Platz"- zur "Sitz"-Position wechselt, schlägt Ziegenhagen vor.

Am Ende der Stunde ist Paula außer Atem. Karina Maschmeyer ist noch fit - obwohl sie viel mehr Übungen gemacht hat. Nach den Gesprächen mit der Trainerin kommt ihr ein Gedanke. Kann es sein, dass Paula auch deshalb kaum abnimmt, weil ihr Mann sie zu Hause ständig mit Naschwerk füttert? "Ich glaube, ich muss noch einmal mit ihm darüber reden."

Zur Autorin
  • Irene Habich
    Irene Habich studierte Tiermedizin und Journalistik. Sie arbeitet als freie Wissenschaftjournalistin in Berlin und Hamburg.

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1.
taubenvergifter 29.03.2015
Die meisten Hunde und -halter, die ich täglich auf meinen 40 Fahrradkilometern erlebe, sind schon damit überfordert, mir nicht unkoordiniert ins Rad zu torkeln. Das ist ein Trend für eine sehr, sehr kleine Gruppe.
2. zeitgemäßer Artikel
malte.b 29.03.2015
Endlich trägt der Spiegel der Tatsache Rechnung, dass immer mehr Menschen lieber mit Hunden als mit Partnern oder Kindern zusammenleben. Man mag das kritisieren, aber ignorieren sollte man es nicht.
3. Das scheitert schon daran
romeov 29.03.2015
...das man den Hund auf jedem, noch so abgelegenen Waldweg angeleint haben muss. Jeder noch so kleine Hund jagt den überforderten Helicopter-Eltern eine Angst ein, als würde es sich um einen ausgewachsenen Puma handeln. Ich hätte auch gerne wieder einen Hund, aber die Umstände (wie beschrieben) sind mir zu dumm. Also fahre ich Mountainbike. Da allerdings gehen mir die meisten Biker furchtbar auf den Senkel, da sie in ihrer aggressiven Art weder die Umwelt achten, noch auf Wanderer oder Fußgänger Rücksicht nehmen.
4. Ach was! Nein, das gibt's doch nicht ...
Axel B. 29.03.2015
---Zitat--- Nach den Gesprächen mit der Trainerin kommt ihr ein Gedanke. Kann es sein, dass Paula auch deshalb kaum abnimmt, weil ihr Mann sie zu Hause ständig mit Naschwerk füttert? ---Zitatende--- Ein Glück bin ich schon gesessen, sonst hätte es mich beim Lesen dieses Satzes vermutlich von Füßen gehauen. Ganz großes journalistisches Kino! Ist es wirklich noch für nur einen Menschen auf der Welt überraschend, dass von zu vielem Essen Tiere (und Menschen) immer fetter werden?
5. Ganz einfach,
quidquidagis1 29.03.2015
Zitat von romeov...das man den Hund auf jedem, noch so abgelegenen Waldweg angeleint haben muss. Jeder noch so kleine Hund jagt den überforderten Helicopter-Eltern eine Angst ein, als würde es sich um einen ausgewachsenen Puma handeln. Ich hätte auch gerne wieder einen Hund, aber die Umstände (wie beschrieben) sind mir zu dumm. Also fahre ich Mountainbike. Da allerdings gehen mir die meisten Biker furchtbar auf den Senkel, da sie in ihrer aggressiven Art weder die Umwelt achten, noch auf Wanderer oder Fußgänger Rücksicht nehmen.
..gäbe es im Wald nicht die, von Ihnen beschriebenen rücksichtslose Mountainbiker,so müsste man auch die Hunde(die keinen Jagdtrieb haben)nicht anleinen.Hier im Stadtwald von Duisburg gibt es keine generelle Leinen Pflicht,aber tägliche Gefährdungen für die Hunde durch Mountainbiker.
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