Studie zu Bewegungsmangel Todesursache Faulheit

Mit den Chips auf der Couch und dem Auto zum Bäcker: Fünf Millionen Menschen sterben jährlich weltweit, weil sie sich zu wenig bewegen, berichten Forscher. Frauen sind gefährdeter als Männer.

Junge auf der Couch: Selbst wenig körperliche Bewegung kann das Leben verlängern
Corbis

Junge auf der Couch: Selbst wenig körperliche Bewegung kann das Leben verlängern


Sir Winston Churchill lebte ein langes Leben. Er war passionierter Zigarrenraucher, dem Whisky nicht abgeneigt und auf die Frage eines Reporters zu seinem 90. Geburtstag, wie er denn sein hohes Alter erreicht habe, war seine Antwort simpel: "No sports."

Abgesehen davon, dass der berühmte britische Staatsmann flunkerte und sehr wohl sportlich aktiv war, gilt die These von der ungesunden Bewegung inzwischen als hinreichend widerlegt. Nun haben Forscher neue und profundere Daten darüber veröffentlicht, wie hoch der Einfluss von körperlicher Inaktivität auf die Lebenserwartung tatsächlich ist. Rund fünf Millionen Menschen sterben jährlich, weil sie in ihrem Leben Bewegungsmuffel waren, so das Fazit zweier Studien im Medizinjournal "The Lancet".

Wie die Forscher um I-Min Lee von der Harvard University schreiben, sei etwa ein Zehntel der Todesfälle weltweit auf mangelnde körperliche Bewegung zurückzuführen. Ihren Berechnungen zufolge war zu wenig Bewegung 2008 für mehr als 5,3 Millionen der weltweit insgesamt 57 Millionen Todesfälle verantwortlich. Inaktivität verursacht den Forschern zufolge sechs Prozent der Fälle von koronarer Herzkrankheit, sieben Prozent der Typ-2-Diabetes-Erkrankungen sowie zehn Prozent der Brust- und Dickdarmkrebsfälle. Die Angaben der Wissenschaftler basieren auf Schätzungen, wie sehr sich verschiedene Risikofaktoren auf die Lebenserwartung auswirken.

Ein Drittel der Menschen über 15 Jahren weltweit bewege sich zu wenig, bei den 13- bis 15-Jährigen seien es sogar vier von fünf, berichtet Pedro Hallal von der brasilianischen Universität Pelotas in einem zeitgleich veröffentlichten Übersichtsartikel. Als körperlich inaktiv gilt in dieser Arbeit, wer nicht mindestens fünfmal die Woche einer gemäßigten oder dreimal die Woche einer kräftigen körperlichen Tätigkeit nachgeht.

Laut der Studie ist Inaktivität bei Frauen häufiger als bei Männern und nimmt im Alter zu. Damit sich die Menschen ausreichend körperlich betätigen, statt ständig mit dem Auto zu fahren oder vor dem Computer zu sitzen, empfehlen die Wissenschaftler die Sicherheit für Fußgänger und Fahrradfahrer zu erhöhen, den Schulsport stärker zu fördern und mehr Trainingsplätze kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Schon eine Viertelstunde Bewegung täglich hilft

Die nun vorgestellten Daten unterstützen, was Mediziner seit Jahren fordern: Mehr Bewegung fördert die Gesundheit - und Bewegung bedeutet nicht gleich Leistungssport. Schon eine Viertelstunde leichte körperliche Aktivität täglich kann das Risiko eines vorzeitigen Todes um 14 Prozent verringern, berichteten letztes Jahr taiwanesische Forscher. Als US-Forscher untersuchten, was das Geheimnis von Männern ist, die ihren 90. Geburtstag erleben, fiel ihnen auf, dass regelmäßige Bewegung das Sterbensrisiko um beinahe ein Drittel verringert.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt wöchentlich mindestens 150 Minuten körperliche Aktivität. Gemeint ist damit kein Leistungssport, sondern zum Beispiel ein flotter Spaziergang. Bei Joggern reichen nach den WHO-Empfehlungen schon 75 Minuten pro Woche aus. Neben der regelmäßigen Bewegung beeinflussen weitere Faktoren in Industrienationen das Risiko eines vorzeitigen Todes.

Wer im Alter von 70 Jahren nicht raucht, keinen Diabetes hat, nicht massiv übergewichtig ist, nicht unter Bluthochdruck leidet und sich bewegt, dessen Chance liegt bei über 50 Prozent, mehr als 90 Jahre alt zu werden. Nicht alle Risikofaktoren kann man ohne weiteres verhindern, so leiden bei den über 70-Jährigen nach den Zahlen der Bundes-Gesundheitssurvey 1998 mehr als 80 Prozent an Bluthochdruck. Gerade dadurch steigt die Bedeutung der körperlichen Bewegung an, das gilt auch im Kleinen.

Zusätzliche drei Lebensjahre könnten sich US-Amerikaner erarbeiten, würden sie täglich weniger als drei Stunden sitzen und höchstens zwei Stunden fernsehen, berichteten Wissenschaftler in der vergangenen Woche. Sportwissenschaftler und Mediziner sehen das Problem auch gar nicht so sehr im mangelnden Wissen über die positiven Effekte der Bewegung für die Gesundheit. Schwierig sei vielmehr die Umsetzung im Alltag.

dba/AFP



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insgesamt 125 Beiträge
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Seite 1
harry42 18.07.2012
1. Statistik
"Rund fünf Millionen Menschen sterben jährlich, weil sie in ihrem Leben Bewegungsmuffel waren..." Hätten sie sich mehr bewegt, würden sie dann nicht sterben? Zumindest ist die Gefahr eines Verkehrsunfalles statistisch geringer und Sportunfälle sind dann auch seltener. Das muß natürlich aus der Statistik noch herausgerechnet werden.
sr11 18.07.2012
2. Nicht schon wieder diese Platte
Zitat von sysopCorbisMit den Chips auf der Couch und dem Auto zum Bäcker: Fünf Millionen Menschen sterben jährlich weltweit, weil sie sich zu wenig bewegen, berichten Forscher. Frauen sind gefährdeter als Männer. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/0,1518,845012,00.html
Tipp: Warum beleuchten Sie nicht mal die Rolle der Lebensmittelindustrie, die den Auftrag hat, die Menschen krank und träge zu machen... alles im Interesse derer, die dann vom nicht selbstdenkenden, nicht aufmüpfigen Bürger profitieren, die dann ganz in ihrem finsteren Sinne auch noch "sozialveträglich" frühableben...
la2510 18.07.2012
3. Ja das ist sehr richtig
Daher ist Arbeit auch nichts Schlimmes. Putzfrauen leben länger. Und Briefträger müssten somit ewig alt werden. Es ist alles eine Frage des Maßes. Fernbedienungen sind schlimm. Und jeder sollte seinen Haushalt selber führen.
Andr.e 18.07.2012
4.
Zitat von sr11Tipp: Warum beleuchten Sie nicht mal die Rolle der Lebensmittelindustrie, die den Auftrag hat, die Menschen krank und träge zu machen... alles im Interesse derer, die dann vom nicht selbstdenkenden, nicht aufmüpfigen Bürger profitieren, die dann ganz in ihrem finsteren Sinne auch noch "sozialveträglich" frühableben...
Ja, ja, die armen potentiellen Sportskanonen werden alle von der bösen Lebensmittelindustrie vernichtet. Wo kommt das eigentlich her, dass man das selbst denkende Individuum als dermaßen blöde darstellt? Oder anders: Man KANN es schaffen, keine Chips zu essen ist alles eine Frage des Vorbeilaufens.
BeBeEli 18.07.2012
5. Selber schuld
Zitat von sysopCorbisMit den Chips auf der Couch und dem Auto zum Bäcker: Fünf Millionen Menschen sterben jährlich weltweit, weil sie sich zu wenig bewegen, berichten Forscher. Frauen sind gefährdeter als Männer. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/0,1518,845012,00.html
Soll man sich nun um diese Leute kümmern? Ist der Staat dafür verantwortlich, dass diese Leute sich in Bewegung setzen? Soll die Krankenkasse Projekte und Programme gestalten, damit diese Leute sich mehr bewegen? Keineswegs! Sie sind selbst dafür verantwortlich. Und wenn sie vorzeitig abtreten, - kein Problem. Wir haben sie nicht gebraucht.
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