Fitnessübung Handstand Die Welt steht kopf

Der Handstand ist buchstäblich eine Gratwanderung - und als Fitnessübung unterschätzt. Schon zu Turnvater Jahns Zeiten schulte er Körperspannung und Gleichgewichtssinn. Ein Athlet lief sogar schon auf den Händen von Paris nach Wien.

Handstand am Strand: Anspruchsvolle Fitnessübung
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Handstand am Strand: Anspruchsvolle Fitnessübung


Wie geht ein Handstand?

Beim klassischen Handstand setzt man die Hände etwa schulterbreit parallel auf den Boden auf. Die Finger zeigen nach vorne. Die Beine werden in die Luft geschwungen, die Arme gestreckt, bis man mit gerader Körperhaltung auf den Handflächen steht. Die Füße und Beine sind ebenfalls gestreckt. Eine Wand zum Anlehnen brauchen Profis dafür nicht.

Wie geht's nicht?

Die größte Schwierigkeit beim Handstand besteht darin, die Überkopfposition für einige Sekunden zu halten. Damit mehr daraus wird als "ein Augenblick mit zwei gehobnen Beinen" (Erich Kästner, "Der Handstand auf der Loreley"), sollte man nicht versuchen, die fehlende Balance durch einen Hohlkreuz-Rücken auszugleichen. Wichtig ist deshalb: Bauch-, Rumpf- und Gesäßmuskeln anspannen und die Arme aus den Schultern heraus strecken.

Viele scheitern an der Übung, weil sie die Hände zu weit oder zu eng aufgestellt haben, die Arme nicht durchgedrückt sind oder die Beine nicht gestreckt werden. Bei einigen ist nicht unbedingt die fehlende Kraft ausschlaggebend, sondern die mangelnde Technik. Und die Angst vor dem (Um-)Fallen.

Was bringt ein Handstand?

Ein Handstand erfordert eine gute Körperspannung, Mobilität und Stabilität in den Handgelenken und ein ausgewogenes Kraftverhältnis in Armen, Rumpf und Schultern. Sehr wichtig für das Gleichgewicht: das richtige Ausbalancieren durch die Finger. Wer für einen Handstand trainiert, stärkt und stabilisiert den gesamten Körper.

In Yogakreisen wird behauptet, dass Auf-dem-Kopf-Stehen das Gehirn besser durchblutet. Noch ist wissenschaftlich nicht ganz geklärt, welchen Effekt ein Handstand auf den Kopf hat. Es gibt aber keine Hinweise darauf, dass die Turnübung die Blutversorgung im Hirn verändert. Unbestritten aber ist, dass es mental bereichernd sein kann, mal die Perspektive zu wechseln, die eigene Welt auf den Kopf zu stellen und Ängste zu überwinden.

Wie schaffe ich einen Handstand?

Vorübungen zum Handstand könnten sein:

  • Liegestütze - vor allem in V-Form (Gesäß nach oben strecken, der Körper knickt dazu an der Hüfte ein), mit gestreckten Armen und Beinen.
  • Handstand an der Wand. Die Füße und der Rücken stützen sich an der Wand ab. Je besser es klappt, desto mehr kann man von der Wand abrücken.
  • Wer beim Handstand nach vorne zu kippen droht, muss die Fingerspitzen in den Boden drücken, um die Balance zu halten. Wer nach hinten kippt, gibt Druck auf die Handballen. Daher ist es wichtig, die Fingerkraft zu stärken.
  • Handgelenke vorher aufwärmen, indem man die Hände kreisen lässt.

Was für Variationen gibt es?

Für die meisten ist ein einfacher Handstand schon das Höchste der Gefühle. Wenn man einmal die ersten Hürden gemeistert hat und für mehrere Sekunden sicher im Stand verharren kann, kann man den Handstand akrobatisch erweitern. Beliebte Variationen sind:

  • Handstand-Überschlag - ein gesprungener Handstand
  • Handstand-Liegestütze - die Arme drücken den Körper rauf und runter
  • Handstand mit gespreizten oder angewinkelten Beinen oder Armen
  • Handstand auf einem Arm
  • Gehen im Handstand

Wer macht es?

Schon zu Turnvater Jahns Zeiten im 19. Jahrhundert war der Handstand ein beliebtes Mittel der Körperertüchtigung. Seitdem gehört die Übung in vielen Sportarten zur Grundausbildung. Turner etwa lernen den Handstand schon in jungen Jahren.

Bei der brasilianischen Kampfsportart Capoeira geben die Athleten der statischen Übung eine rhythmisch-tänzerische Komponente. Hier wird er, ebenso wie beim Breakdance, auch oft einarmig präsentiert.

"Adho Mukha Vrksasana" nennt sich der Handstand im Yoga, was übersetzt so viel heißt wie: Der Baum, der auf dem Kopf steht. Manchmal wechselt der Ausübende auch die Position und geht vom senkrechten Handstand in eine horizontale 90-Grad-Position über - die Beine werden gegen eine Wand gestützt.

Cheerleader und andere Akrobaten zeigen den Handstand gerne auch Hand-in-Hand. Wasserspringer beginnen manche Sprünge auf dem Brett Hals über Kopf, und Voltigierer zeigen den Handstand auf einem laufendem Pferd.

Was für Handstand-Rekorde gibt es?

Der Australier Aerial Manx schaffte es, 8,47 Sekunden im Handstand zu stehen. Nicht viel? Er zeigte den Handstand auf Scherben und schluckte dabei ein Schwert.

Jennifer Stanley aus den USA drehte sich 30 Mal um die eigene Achse, während sie sich im Handstand befand. Und ihr Landsmann Sam Tartamella fuhr rund 690 Meter auf einem Skateboard in Handstand-Position.

Besonders eindrucksvoll ist die Leistung von Johann Hurlinger. Der Österreicher lief 1900 von Paris nach Wien - 1400 Kilometer auf seinen Händen. Er lief jeden Tag rund zehn Stunden kopfüber und erreichte nach 55 Tagen das Ziel.

Zum Ausgleich zum Handstand eignet sich das gewöhnliche Laufen: Achim Achilles' Bewegungsbibliothek: "Laufen und Trainieren: Die besten Lauftrainings der Welt"

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
bonngoldbaer 07.11.2014
1. Kästner
Wenn Sie schon Erich Kästner zitieren, sollten Sie auch seine Warnung vor den möglichen Folgen eines Handstands erwähnen. Sport kann sehr ungesund sein!
daldner 07.11.2014
2. Und, hat schon jemand Markenrechte
am "Händständ" angemeldet? Gibt es bereits Kurse in den hippsten Studios dieser Republik? Und viel wichtiger: darf man schon entsprechende Modeartikel erwerben, die das Ganze optisch etwas erträglicher gestalten?
sendamessage 07.11.2014
3. Und jetzt...
...stehen all die völlig unvorbereiteten Couch-Potatoes auf, halten sich an streng diesen "Artikel" und sind schneller in der Klinik als sie "Handstand" sagen können. Davon abgesehen aber mal ein guter Hinweis auf die Effektivität dieser in der Tat unterschätzten Übung.
al2510 07.11.2014
4. Handstand lernt man im Schwimmbecken
Je tiefer das Becken um so leichter der Handstand. Wer schon mal im Kinderbecken es schafft kann ihn auch draußen. Der Kopfstand ist leichter, weil man viel Last auf den Kopf verlagert. Der Yoga Kopfstand ist der Einfachste. Würde damit beginnen.
inverts 08.11.2014
5. Foto wie man's NICHT machen sollte
Laut Artikel "sollte man nicht versuchen, die fehlende Balance durch einen Hohlkreuz-Rücken auszugleichen." Das Bild zeigt aber volles Hohlkreuz und übergeschlagene Beine. Gilt auch für Handstand-push-up, obwohl Oliver Queen in "Arrows" es mit grässlichen Hohlkreuz macht. Schon der Anblick tut weh.
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