Stiftung Warentest Kaum ein Fitnessstudio bietet gute Beratung

Gute Geräte, gute Räumlichkeiten - aber schlechte Betreuung: Zu diesem Fazit kommt die Stiftung Warentest nach Besuchen in den größten Fitnessketten. Nur eine konnte umfassend überzeugen.

imago/ Westend61


Rund 8600 Fitnessstudios buhlen in Deutschland um Mitglieder. Sie offerieren modernste Geräte, manche einen Pool oder gleich mehrere Saunen. Trotzdem stellt die Stiftung Warentest den größten Fitnessketten in einem aktuellen Test insgesamt kein gutes Zeugnis aus. Nur Kieser Training konnte bei der Prüfung der sieben größten Fitnessketten überzeugen.

Der Grund: Die Tester wurden in den meisten Studios nicht gut betreut, wie aus dem Bericht hervorgeht ("test" 9/2017). Der Stiftung Warentest zufolge leitete kaum einer der Trainer die Sportler von sich aus an oder wies auf fehlerhafte Ausführungen von Übungen hin. Zum Teil waren auch keine Trainer verfügbar.

An den Geräten und den Räumlichkeiten hingegen hatten die Tester zwar kaum etwas auszusetzen. Die großen Ketten bieten demnach alle eine gute Ausstattung mit modernen Kraftmaschinen. FitX und Clever Fit schnitten in dieser Hinsicht sogar mit "sehr gut" ab. Weitere getestete Anbieter waren Easyfitness.club, Injoy, Fitness First und Mc Fit.

Sind Trainer ansprechbar? Korrigieren sie Mitglieder?

Vor allem Sportneulinge müssen beim Einstieg ins Training begleitet werden. Trainiert jemand längere Zeit falsch, drohen Schäden an Gelenken, warnen die Tester. Wer einen Club bei einem Probetraining testet, sollte gucken, ob Trainer auf der Fläche ansprechbar sind und ob sie die Mitglieder korrigieren, rät Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln.

Wer eine gute Betreuung möchte, muss allerdings auch entsprechend bezahlen. Für 20 Euro pro Monat bekommt man den Testern zufolge zwar eine gute Ausstattung, der Kunde wird aber nicht gut genug angeleitet. Testsieger Kieser Training zum Beispiel nimmt der Stiftung Warentest zufolge mindestens 590 Euro pro Jahr, also knapp 50 Euro pro Monat.

Ein guter Trainer lässt sich auch daran erkennen, dass er sich für den Eingangstest Zeit nimmt und zum Beispiel abfragt, wie viel sich jemand im Alltag bewegt. "Das muss eine 360-Grad-Betrachtung meiner Person sein", sagt Froböse. In dieser Hinsicht punktete im Test neben Kieser die Kette Injoy. Die Ergebnisse des Eingangstests sollten sich anschließend im Trainingsplan wiederfinden.

Groß oder klein - welches Studio ist das richtige?

Wer erstmal grundsätzlich fit werden möchte, ist in der Regel in einem großen Studio besser aufgehoben. "Diese haben ein breites Angebot, vom Training an Geräten bis hin zu Gruppenkursen und Beweglichkeitstraining", sagt Dustin Tusch, Pressesprecher des Arbeitgeberverbands deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen.

Wünscht sich jemand ein spezifisches Training, kommen auch Studios infrage, die sich auf diese Art konzentrieren: zum Beispiel EMS oder Crossfit. Auch Testsieger Kieser Training bietet nur Muskeltraining an Geräten an, Ausdauerangebote gibt es dort nicht. Der Fokus liegt dabei auf der Kräftigung des Rückens.

Im Hinblick auf die Vertragslaufzeit empfiehlt Froböse, sich nur für eine möglichst kurze Zeit festzulegen. So muss sich das Studio auch weiterhin um den Kunden bemühen. Im aktuellen Test boten drei von sieben Ketten in manchen Studios kurze Vertragslaufzeiten an: Fitness First und Easyfitness für einen Monat, Injoy für drei. Bei den anderen müssen sich die Kunden für mindestens ein Jahr binden.

irb/dpa



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