Fleur de Sel, Inka Sonnensalz, Himalaya-Salz Sind exotische Salzsorten gesünder?

Sie schimmern in zartem Rosa oder glitzern tiefschwarz: spezielle Salzsorten. Geschmacklich unterscheiden sich die Salze vom herkömmlichen Siedesalz. Aber sind sie auch gesünder?

Spezielle Salze
Ina Peters/ Westend61/ TMN

Spezielle Salze


Französisches Fleur de Sel, rosafarbenes Himalaya-Salz, Hawaii-Salz in Rot, Grün oder Schwarz, australisches Murray River Salt, Inka Sonnensalz aus Peru. Exotische Salze werden nicht nur von Spitzenköchen verwendet, sondern finden sich auch im Gewürzregal im Supermarkt. Geschmacklich unterscheiden sich die verschiedenen Salze. Verspricht ein Produkt allerdings besonders wertvoll für die Gesundheit zu sein, ist Skepsis angebracht.

Salz wird beim Essen über die Geschmacksknospen der Zunge wahrgenommen. Entscheidend ist dabei die Kristallgröße, sagt der auf Gewürze spezialisierte Koch Christian Villa vom Sorat Hotel Central im fränkischen Hof. Fleur de Sel etwa ist grobkörniger als das herkömmliche Kochsalz. "Man kann spüren, wie das Fleur de Sel auf der Zunge zerfließt", so Villa. Das feinkörnige Kochsalz dagegen gehe beim Schmecken oft eher unter.

Farblicher Kontrast auf dem Teller

Und: "Beim Anrichten auf dem Teller sorgt rosafarbenes Himalaya-Salz oder Hawaii-Salz für schöne farbliche Kontraste." Wer bei der Zubereitung von Speisen zu Hause eine der farbigen Salzsorten verwendet, sollte sie erst unmittelbar vor dem Verzehr der Speise zugeben, rät der Gewürzsommelier. Denn das jeweilige Salz färbt ab. "Das kann hässliche Flecken auf dem Teller geben", sagt Villa.

Wer allerdings glaubt, mit teurem Salz seinem Körper etwas Gutes zu tun, der liegt falsch. "Die teuren Salzsorten sind nicht gesünder als herkömmliches Kochsalz", sagt der Münchner Facharzt für Innere Medizin und Ernährungsmedizin, Johannes Georg Wechsler.

Generell gilt: Jedes Salz sollte zu mindestens 97 Prozent aus Natriumchlorid bestehen. Sowohl Natrium als auch Chlorid sind für den Körper wichtige Mineralstoffe. Während Natrium unter anderem den Wasserhaushalt reguliert, spielt Chlorid bei fast allen Körperfunktionen eine Rolle, unter anderem bei der Produktion von Magensaft. "Wenn der Mensch nicht genügend Salz aufnimmt, würde dies unweigerlich zu seinem Tod führen", sagt Wechsler.

Die Deutschen nehmen allerdings eher zu viel als zu wenig Salz zu sich. Höchstens sechs Gramm pro Tag empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), diesen Wert überschreiten die Menschen hierzulande im Schnitt. Die Fachwelt streitet allerdings, welche tägliche Salzmenge optimal ist. Und wie stark ein erhöhter Salzkonsum den Blutdruck erhöht, was wiederum das Risiko für Herzkreislauferkrankungen steigert.

Wer seinen Salzkonsum reduzieren will, kann bei Fertiggerichten ansetzen. Sie enthalten oft besonders viel Salz. "Eine tiefgekühlte Lasagne kann zum Beispiel 3,6 Gramm Salz pro Portion liefern, eine Pizza mit Salami sogar sechs Gramm", sagt die Bonner Diplom-Ökotrophologin Julia Icking. Soll beim Kochen mit Salz gespart werden, sind frische Kräuter eine Alternative.

Erwünschte Zusätze: Fluorid und Jod

Der Salzstreuer in der Küche oder auf dem Esstisch kann auch etwas Gutes haben: Wenn das Salz mit Fluorid und Jod angereichert ist. "Mit Fluorid wird der Zahnschmelz gehärtet", sagt Wechsler, der auch Präsident des Bundesverbands Deutscher Ernährungsmediziner ist. Auf Fluorid im Speisesalz kann verzichtet werden, wenn eine fluoridhaltige Zahnpasta benutzt wird.

Jod ist ein lebensnotwendiges Spurenelement, das wichtig für eine normale Schilddrüsenfunktion ist. "Ein Erwachsener braucht im Schnitt 150 Mikrogramm Jod täglich", so Wechsler. Jod kommt unter anderem in Seefisch und Milchprodukten vor. Wer unter Jodmangel leidet, kann dies aber nicht allein mit jodiertem Speisesalz ausgleichen. Betroffene müssen dann nach Rücksprache mit ihrem Arzt Jodtabletten einnehmen.

Wichtig zu wissen: Importierte Spezialsalze enthalten meist kein Jod. In der Werbung werden sie oft mit Wörtern wie "einzigartig" oder "gesund" angepriesen. Wechsler rät zur Skepsis: "Dafür gibt es keinerlei wissenschaftliche Belege."

Welches Salz Verwendung findet, ist also in erster Linie Geschmackssache, sagt auch Icking: Salz ist und bleibt Salz - "ganz egal, ob es pfirsichfarben schimmert oder in einem deutschen Salzbergwerk abgebaut wurde."


Drei Arten von Salz

  • Siedesalz kommt aus Salzbergwerken, genauer gesagt: aus konzentriertem Salzwasser, der Sole. Sie wird eingedampft, bis nur noch Salzkristalle übrig bleiben. Das reine Salz besteht fast nur aus Natriumchlorid. Die Hersteller geben häufig Rieselhilfen, Jod und Fluorid hinzu.
  • Steinsalz wird aus Stollen gebohrt, gesprengt oder geschnitten. Es wird naturbelassen und unraffiniert verkauft, zum Beispiel als Ur-, Blau- oder Kalaharisalz.
  • Beim Meersalz kristallisieren Sonne und Wind langsam das Salz aus dem Wasser. Fleur de Sel ist zum Beispiel so ein Meersalz. Ist das Meer verschmutzt, dann merkt man das auch dem Salz an - so wiesen Forscher kürzlich Mikroplastik in verschiedenen Sorten von Fleur de Sel nach.

wbr/Sabine Meuter, dpa

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