Flipflops und Sandalen Fünf Irrtümer über offene Schuhe

Endlich ist es warm genug für offene Schuhe. Doch drohen durch das Tragen von Flipflops und Sandalen Plattfüße oder Fehlstellungen? Nein, alles halb so wild. Die größten Mythen über offene Schuhe.

Flipflops: Die Zehen sollten nicht über den Rand ragen
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Flipflops: Die Zehen sollten nicht über den Rand ragen


Irrtum eins: Flipflops schaden den Füßen

Keine Dämpfung, kein Fußbett, keine Stütze für den Fuß: Oft wird behauptet, Flipflops seien gesundheitsschädigend. Hartmut Stinus, Orthopädie-Schumacher und Facharzt für Orthopädie aus Northeim, sieht das gelassener: "Flipflops sind ordentliches Schuhwerk - für gesunde Füße." Natürlich braucht die Umgewöhnung vom geschlossenen zum offenen Schuh etwas Zeit. Und wer generell Probleme mit seinen Füßen hat, kann schnell Schmerzen in den Strandsandalen bekommen.

Um Beschwerden zu vermeiden, sollte man darauf achten, dass die Flipflops passen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber Orthopäden kennen das Problem auch beim geschlossenen Schuh. "Ich erlebe es immer wieder, dass die Leute beim Schuhkauf weder auf die Weite noch auf die Länge achten", sagt Stinus. Es werde lediglich nach Schuhgröße gekauft. Doch die Angaben der einzelnen Hersteller unterscheiden sich sehr stark. Laut einer österreichischen Studie tragen 87 Prozent der Kinder zu kleine Schuhe.

Bei Flipflops sollten die Zehen nicht vorne überragen und die Riemen eng am Fuß anliegen. Hängen die Riemen zu locker, besteht die Gefahr, dass man beim Gehen den Fuß nicht auf natürliche Weise abrollt, sondern damit beschäftigt ist, die Sandalen mit den Zehen festzukrallen. Das kann zu muskulärer Überlastung führen. Aber: Flipflops sind per se kein Flop. Sie müssen nur zum Fuß passen.

Irrtum zwei: Ohne Dämpfung verletzt man sich leichter

Offene Schuhe sind meist minimalistisch und weisen weder eine dicke noch eine weiche Sohle auf. Manche argumentieren, das schade den Gelenken, da die Stoßbelastung zu hoch sei für den Körper.

Biomechaniker Benno Nigg von der University of Calgary kommt auf Basis verschiedener Studien zum Schluss, dass die Gefahr von Einwirkkräften auf den Fuß überschätzt wird. Auf dem Laufschuhsymposium bei der ISPO-Sportartikelmesse in München betonte er erneut, seiner Meinung nach gebe es keinen direkten Zusammenhang von harter oder weicher Dämpfung und Verletzungen.

Wer sich in flachen, offenen Schuhen wohlfühlt und keine Probleme hat, muss nicht denken, dass er seinen Füßen damit schadet. Im Gegenteil. "Ihr Körper ist kein Auto", schreibt Sportarzt Matthias Marquardt in seiner "Laufbibel". Soll heißen: Der Körper kann die Stoßkräfte über den Fuß gut kompensieren, ja, er benötigt diese Belastung sogar, um funktionsfähig zu bleiben.

Mit zu weichen Schuhen riskiere man Achillessehnenentzündungen. Zu harte Schuhe aber können Stressfrakturen auslösen. Was hart oder weich bedeutet, muss jeder für sich selbst entscheiden. Das hängt von der gesundheitlichen Verfassung ab. Entscheidend ist, dass man sich wohlfühlt. "Komfort ist der wichtigste Faktor für verletzungsfreies, auch für schnelles Laufen", sagt Nigg.

Irrtum drei: Offene Schuhe müssen ein Fußbett haben

Für den gesunden Fuß ist ein ordentliches Fußbett in einem offenen Schuh meist angenehm. Aber nicht jeder Fuß benötigt es. Genauso wenig passt das eingearbeitete Fußbett zu jedem Fuß. Mittlerweile bieten Hersteller das Beste aus beiden Welten an. So gibt es Flipflops, die man sich mit individuellem Fußbett anfertigen lassen kann. Eine Art Einlage für die Strandsandale.

Funktionieren die Fußmuskeln aber gut, braucht man weder ein Standard-Fußbett noch eine Einlage vom Orthopäden. Viel entscheidender ist - auch für Menschen mit Einlagen - , dass man öfter mal die Schuhe wechselt, um dem Fuß neue Reize zu gönnen und die vernachlässigten Muskeln wieder aufzubauen. So werden die Flipflops zu einer Art Trainingsgerät.

"Am besten ist es, auch mal barfuß zu gehen", sagt Hartmut Stinus. Das stimuliere und kräftige den Fuß und verbessere die Haltung und den Gang. Dabei sollte man beachten, sich langsam zu steigern und auf natürlichen Böden wie Rasen oder Sand gehen. Asphalt ist zu rau und hart. "Den Fuß fordern, aber nicht überfordern lautet die Devise."

Irrtum vier: In Sandalen kann man nicht laufen

Schnelleres Gehen in offenen Schuhen, joggen, traben ist unmöglich - oder? Ein Volk aus Mexiko zeigt, dass es doch geht. Die Tarahumaras, bekannt geworden aus dem Laufbuch-Klassiker "Born to Run", legen mühelos Ultramarathonstrecken in Wüsten und Berggegenden zurück. Sie rennen Hunderte von Kilometern am Stück in "Huaraches", selbstgemachten Sandalen.

Irrtum fünf: Die Schuhwahl ist entscheidend für die Gesundheit des Fußes

Da unsere Umwelt zumeist aus Asphaltstraßen besteht, benötigen wir Schuhe, beziehungsweise dämpfendes Material zwischen Fuß und dem harten Boden. Gerade im Sommer sollten wir die Möglichkeit nutzen, die Füße von Socken- und Schuhmief zu erlösen.

"Der Fuß wird den ganzen Herbst und Winter wie in einem Gefängnis in geschlossene Schuhe eingesperrt", sagt Hartmut Stinus. "Wenn man kann, sollte man den Fuß befreien und ihm etwas frische Luft gönnen."

Statt unendlich viel Energie für den Schuhkauf zu verschwenden, ist es ratsam, mehr Zeit darauf zu verwenden, den Fuß zu stärken. Barfußlaufen oder Gehen in offenen Schuhen, die ein ähnliches, natürliches Abrollverhalten gewähren, sind Kräftigungsübungen und Fußgymnastik in einem und nutzen dem Fuß mehr als Fußbett und Dämpfungssystem. Wir sollten im wahrsten Sinne des Wortes wieder bodenständiger werden.

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Frank Joung



insgesamt 78 Beiträge
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Seite 1
angst+money 12.06.2015
1. eins fehlt noch
darf man in offenen Sandalen Socken tragen? Und wenn, dann nur Tennissocken?
taglöhner 12.06.2015
2. Mami guck mal!
Danke! Das einzige, was mich abhält ganzjährig Barfuss oder mit FlipFlops zu laufen sind die lästigen Blicke meiner Mitmenschen. Nehme ich mir dann im erweiterten privaten Rahmen doch die Freiheit, bin ich versucht, mir ein Schild um den Hals hängen "!Nein, ich friere nicht an den Füssen!" Übrigens habe durch Langstreckentraining gelernt, dass meine gelegentlichen Fussprobleme nicht durch die Laufschuhe, sondern (enge) Socken verursacht waren. Seit ich generell auf Socken verzichte, bin ich beschwerdefrei. Und habe inzwischen freudig erfahren, dass ich damit in bester Gesellschaft bin.
daxbauer 12.06.2015
3. nur im Winter...
Schuhe kommen bei mir seit Jahren nur bei viel Schnee an die Füße, meistens zum Schneefräsen. Mein Zugeständnis an den Winter sind Strümpfe in den Schlappen... Die (Aldi-)Schlappen werden alle 4 Wochen gegen neue ausgetauscht weil sie 140kg nicht länger aushalten :-)
hansgustor 12.06.2015
4. flip-flop
Noch eins: "flip-flop" ist in Deutschland ein geschützter Markenname mit allen rechtlichen Konsequenzen.
Dette 12.06.2015
5. Interessiert...
Zitat von hansgustorNoch eins: "flip-flop" ist in Deutschland ein geschützter Markenname mit allen rechtlichen Konsequenzen.
...in Australien kein Aas....
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