Geburtstermin: Und, wann kommt's?

Von Astrid Viciano

Es wird ein Julikind: Noch etwa vier Monate sind es bis zur Geburt des royalen Nachwuchses von Prinz William und seiner Frau Kate. Wetten über den genauen Tag laufen bereits, doch genau lässt er sich nicht voraussagen. Oder doch? Wie Frauenärzte den Geburtstermin berechnen - und warum er so wichtig ist.

Kate Middleton mit Schulkindern: Wetteinsatz auf den royalen GeburtsterminZur Großansicht
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Kate Middleton mit Schulkindern: Wetteinsatz auf den royalen Geburtstermin

Die Aufregung tut dem Baby sicher nicht gut. Vor kurzem noch wurde die schwangere Herzogin Catherine von der Buchautorin Hilary Mantel als charakterlose Gebärmaschine verspottet. Dann forderte die Modeschöpferin Vivienne Westwood sie auf, ihren Kleiderschrank auszumisten. Und die Wettlokale übertreffen sich mit Spekulationen, ob der Nachwuchs John oder Anne heißen, ob er blond oder braunhaarig sein und an welchem Wochentag die royale Niederkunft stattfinden wird. Ja, sie bekämen im Juli ein Kind, hatte das Paar im Dezember verkündet - und sich danach in Schweigen gehüllt.

Ernsthaft vorhersagen können Kate und Prinz William den Zeitpunkt des freudigen Ereignisses tatsächlich nicht. Nur etwa vier Prozent aller Kinder erblicken am errechneten Geburtstermin das Licht der Welt. Mehr als ein Viertel von ihnen wird zwei Wochen um das Datum herum geboren, in den vier Wochen darum sind es fast 90 Prozent. Der Geburtsmonat kann Bevölkerungsforschern zufolge Einfluss auf die spätere Gesundheit haben. Doch Ärzte betonen auch, wie wichtig die Bestimmung des Geburtstermins ist. "Nur so können wir sehen, ob ein Kind sich im Schwangerschaftsverlauf gut entwickelt", sagt Birgit Seelbach-Göbel, Direktorin der Uni-Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg.

Zunächst berechnen Frauenärzte den Stichtag nach der Formel des Heidelberger Frauenarztes Franz Naegele. Dafür nehmen Mediziner zunächst den ersten Tag der letzten Regelblutung der Schwangeren. Davon ziehen sie drei Monate ab und addieren dann ein Jahr und sieben Tage. Fertig ist der Geburtstermin. Allerdings nur, wenn die Frau ihre Regelblutung regelmäßig alle 28 Tage bekam. "Dauerte der Zyklus länger oder kürzer, müssen die Tage noch hinzugefügt oder abgezogen werden", sagt Seelbach-Göbel.


Bei der ersten Ultraschalluntersuchung zwischen der neunten und zwölften Schwangerschaftswoche wird der Termin noch mal überprüft. Dann messen die Frauenärzte den Embryo vom Scheitel bis zum Steiß. Da die Winzlinge jedoch gelegentlich gekrümmt im Mutterleib liegen und damit die Messwerte verfälschen können, ermitteln manche Mediziner zusätzlich den Durchmesser des Schädelknochens von einer Schläfe zur anderen. Dann kann es vorkommen, dass die Ultraschalluntersuchung ein anderes Datum als die naegelsche Berechnung ergibt. "Weicht der neue Termin aus dem Ultraschall mehr als fünf Tage vom alten ab, nehmen wir den neu ermittelten", sagt Seelbach-Göbel. Zu diesem Zeitpunkt sind die Embryonen zwischen 16 und 50 Millimeter groß.

Umso früher, umso genauer

Nach Ablauf der ersten drei Monate korrigieren Frauenärzte den Geburtstermin nicht mehr. Denn dann werden die Messungen sehr viel unzuverlässiger. So wachsen Föten schon im zweiten Schwangerschaftsdrittel unterschiedlich schnell - Kinder großer Eltern sind oft länger als jene kleiner Eltern. Auch könnte ein besonders großes Kind auf einen Schwangerschaftsdiabetes der Mutter hinweisen, ein kleines Kind hingegen könnte sich entwickeln, wenn die Mutter raucht. "Wenn ein Fötus in seinem Wachstum auffällig ist, müssen wir auch Fehlbildungen ausschließen", sagt Kurt Hecher, Direktor der Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin der Uniklinik Hamburg-Eppendorf.

Allerdings stellen manche Frauen erst nach drei Monaten fest, dass sie schwanger sind. Um den Geburtstermin dann noch zuverlässig berechnen zu können, kombinieren die Mediziner möglichst viele Messwerte im Ultraschall. Sie messen die Länge der Oberschenkelknochen und den Bauchumfang auf Höhe der Nabelschnur, den Kopfumfang und den Querdurchmesser des Kopfes. Und sie sehen sich bis zur 28. Schwangerschaftswoche auch die Größe des Kleinhirns an. "Die Werte sollten insgesamt stimmig sein", sagt Babett Ramsauer, kommissarische Leiterin der Klinik für Geburtsmedizin am Vivantes Klinikum Neukölln. Ähnlich wie beim Kinderarzt Größe und Gewicht auf einer gemeinsamen Wachstumskurve betrachtet werden, werden die Messwerte vom Ultraschall als Gesamtheit analysiert.

Vor allem bei geplanten Kaiserschnitten spielt der Geburtstermin eine wichtige Rolle. So wissen Frauenärzte inzwischen, dass die Operation nicht vor der 38. Schwangerschaftswoche erfolgen sollte. "Dann leiden die Neugeborenen zum Beispiel gehäuft unter Atemstörungen", sagt Ramsauer.

Außerdem ist das Datum auch als Richtwert dafür wichtig, ob die natürliche Geburt des Kindes zu lange auf sich warten lässt. In der zweiten Woche nach dem Termin leiten die Ärzte üblicherweise die Geburt ein - vor allem um Verletzungen der Mutter durch ein sehr großes Kind sowie eine Sauerstoffunterversorgung des Babys bei der Geburt zu vermeiden.

Herzogin Catherine wird die Geduld der Briten hoffentlich nicht übermäßig strapazieren. Schon heute denken sich Wettlokale immer abstrusere Wetten aus: Dort kann man nicht nur auf den Tag setzen, an dem Kate Middleton das königliche Kind möglicherweise gebären wird. Wetteifrige spekulieren auch, ob die Herzogin es am selben Tag zur Welt bringen wird wie die ebenfalls schwangere Schauspielerin Kim Kardashian.

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cincinna 19.03.2013
Das wird doch eh ein Wunschkaiserschnitt.
Das wird doch eh ein Wunschkaiserschnitt.
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  • Montag, 18.03.2013 – 14:28 Uhr
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Zur Autorin
  • Tinka Dietz
    Astrid Viciano hat in Deutschland, Frankreich und Spanien Medizin studiert, war nach ihrer Promotion Redakteurin bei "Focus", "Die Zeit" und beim "Stern", zuletzt für zwei Jahre in Los Angeles. Seit Juli 2012 lebt sie als freie Autorin in Paris.

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