Risiken und Mythen Was Schwimmer über Gefahren beim Baden wissen sollten

Wer schwimmen will, sollte ein paar wichtige Regeln beachten. Aber schadet es wirklich, mit vollem Magen ins Wasser zu gehen? Und ziehen nasse Klamotten nach unten? Ratschläge im Check.

Badesee in Bayern
Getty Images/MITO images

Badesee in Bayern


Sommerzeit ist Badezeit. Doch jedes Jahr ertrinken in Deutschland viele Menschen. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ruft zur Vorsicht auf - und sieht Gründe für Notfälle unter anderem in zu wenig Schwimmunterricht und Übermut.

Wie viele Menschen sterben jährlich im Wasser?

2017 sind nach Angaben der DLRG 404 Menschen ertrunken. Das waren noch vergleichsweise wenig - im Jahr 2016 kamen mindestens 537 Menschen beim Baden ums Leben. Die Unterschiede führt die DLRG unter anderem auf das schlechtere Sommerwetter im vergangenen Jahr zurück.

Wo ertrinken die meisten Menschen?

"Binnengewässer sind nach wie vor die Gefahrenquelle Nummer eins", sagt DLRG-Präsident Achim Haag. 329 Menschen verloren ihr Leben in Flüssen, Bächen, Seen und Kanälen. Ein Grund dafür ist, dass die Badestellen in Binnengewässern viel seltener von einem Rettungsschwimmer überwacht werden als Strände am Meer oder Schwimmbäder. Nach Angaben der Rettungsgesellschaft waren drei von vier Opfern männlich.

Was sind die Hauptgründe für diese Unglücke, warum sind Männer so viel häufiger betroffen?

"Leichtsinn, Übermut und Unkenntnis über Gefahren spielen eine große Rolle", sagt DLRG-Sprecher Achim Wiese zu der hohen Zahl männlicher Ertrunkener. Senioren gehe schnell die Kraft aus, Herzprobleme oder Diabetes seien ebenfalls oft ein Problem. Darüber hinaus sei die Schwimmfähigkeit insgesamt rückläufig. Laut einer Eltern-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der DLRG kann mehr als die Hälfte der Grundschüler in Deutschland nicht richtig schwimmen.

Ist es wirklich gefährlich, mit vollem Magen ins Wasser zu gehen?

Wer hat diese Baderegel nicht schon mal gehört? Das Amerikanische Rote Kreuz konnte bei einer großen Literaturrecherche allerdings keinen Bericht finden, bei dem jemand aufgrund seiner Mahlzeit vor dem Schwimmen ertrunken sein sollte.

Trotzdem hält die DLRG in Deutschland an der Warnung fest - insbesondere im Hinblick auf Kinder. Sie übernähmen sich eher mal, sagt DLRG-Sprecher Martin Holzhause. Wenn ihnen beim Baden oder Schwimmen übel werde, sie gar erbrechen und möglicherweise Wasser schlucken, könne es lebensgefährlich werden. "Wir raten daher davon ab, dass Kinder direkt nach dem Essen ins Wasser gehen."

Auf jeden Fall gefährlich ist ein leerer Magen. Dieser könne wirklich bei jedem zum Problem werden, sagt Wiese. Denn zum Schwimmen braucht der Körper viel Energie: In zehn Minuten wird ungefähr die Energie eines Apfels verbraucht.

Bleibt das Herz beim Sprung ins kalte Wasser stehen?

Bei warmem Wetter fließt Blut vermehrt in Arme und Beine. Bei einem Sprung in kaltes Wasser ziehen sich die Gefäße zusammen und pumpen das Blut auf einmal zum Herz. "Dies belastet die rechte Herzkammer stark und kann bei Menschen mit unerkannten Herzerkrankungen - auch Kindern - zu Rhythmusstörungen führen", erklärt Martin Halle, ärztlicher Direktor des Zentrums für Prävention und Sportmedizin der TU München.

Außerdem werde ein Reflex ausgelöst, wenn kaltes Wasser auf das Gesicht treffe, erklärt der Arzt weiter. "Herzfrequenz und Blutdruck sinken schnell und manchmal sehr stark." In den seltensten Fällen sei so ein Ereignis tödlich. Doch kann es nach dem Sprung ins Wasser auch zum Verlust der Orientierung oder zu Bewusstlosigkeit kommen.

Im Notfall: Macht nasse Kleidung das Überleben schwerer?

Kleidung erhöht den Widerstand beim Schwimmen. Man braucht mehr Kraft und kommt langsamer voran. Dass nasse Kleidung im Wasser jedoch gefährlich nach unten zieht, ist ein Irrglaube. Stattdessen könne sie sogar Auftrieb geben, schreiben Michael Tipton und Frank Golden in ihrem Fachbuch zum Überleben auf See. Außerdem sorgt Kleidung im Notfall für wichtige Wärme in kalten Gewässern. Wichtig ist, dass Betroffene, die mit Kleidung ins Wasser fallen, nur kleine Schwimmbewegungen machen, um Kraft zu sparen. Dafür eignet sich die Rückenlage am besten.

Was schützt vorm Ertrinken?

Oft kommt es zu Unfällen, weil sich Schwimmer überschätzen. Der Körper muss beim Baden nicht nur ständig gegen den Wasserwiderstand ankämpfen, sondern sich auch dauernd an wechselnde Temperaturen anpassen. Beides kostet viel Energie. Eine kalte Dusche vor dem Baden kann zumindest auf die Wassertemperaturen vorbereiten.

Bei Erkältungen und anderen Infekten sollte Schwimmen Tabu sein. Sonst steigt das Risiko, dass der Körper überanstrengt wird und das Herz-Kreislauf-System versagt. Auch Alkohol steigert die Gefahr, dass sich jemand überschätzt, deutlich.

Wieso ist es schwierig, einen Ertrinkenden zu retten?

Wenn Menschen im Wasser in Not geraten, werden sie oft panisch: Sie schlagen um sich und versuchen, sich an irgendetwas festzuhalten. Für Laien ist es schwierig, einen Ertrinkenden aus dem Wasser zu ziehen und sich aus den oft sehr festen Griffen zu befreien. Rettungsschwimmer lernen in ihrer Ausbildung genau das. Außerdem kann das Gewässer Gefahren bergen, die vom Ufer aus nicht zu erkennen sind.

Die DLRG rät für den Notfall daher: Hilfe holen und der Person im Wasser Schwimmhilfen oder andere Gegenstände zuwerfen, an denen sie sich festhalten kann.

Wie sollten Schwimmer reagieren, wenn sie merken, dass die Kräfte schwinden und sie es nicht mehr ans Ufer schaffen?

Wer merkt, dass fernab vom Ufer die Kräfte schwinden, sollte laut DLRG laut um Hilfe rufen und in einer Ruhelage Kraft schöpfen. Dafür eignen sich laut DLRG zwei Positionen:

  • Bei der Schwebelage legen sich Betroffene flach ausgestreckt auf den Rücken. Der Hinterkopf sollte bis zu den Ohren ins Wasser tauchen, das Kinn leicht zur Brust gezogen werden. Leichte Paddelbewegungen mit Händen und Beinen helfen, das Gleichgewicht im Wasser zu halten.
  • Bei der Froschhaltung legt sich der Schwimmer entspannt in Bauchlage auf das Wasser. Das Gesicht liegt im Wasser, beim Ausatmen sollte man ruhig und langsam ins Wasser atmen. Nur für das Einatmen wird der Mund kurz über die Wasseroberfläche gehoben.

Beide Positionen können in einem sicheren Moment geübt werden.

Von Fabian Nitschmann, dpa/irb



insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
NauMax 05.06.2018
1. Die Allerwichtigste Regel:
Meldet Eure Kinder zum Schwimmkurs an - und zwar am besten möglichst früh. In den letzten Jahren war die Zahl der Schwimmer stark rückläufig, gleichzeitig stieg die Anzahl der Badeunfälle stark an, während bei der DLRG so stark Mittel gekürzt wurden, dass einige Strände gar nicht mehr bewacht werden. Optimal wäre auch, die Kinder im Schwimmverein anzumelden, bis sie zumindest das Bronzeabzeichen haben, denn erst dann können sie wirklich sicher schwimmen. Dies reduziert das Risiko eines späteren Badeunfalls bereits immens und erleichtert das Beaufsichtigen im Urlaub und am Baggersee ;-)
schindelschwinger 05.06.2018
2. Zitat:
"Denn zum Schwimmen braucht der Körper viel Energie: In zehn Minuten wird ungefähr die Energie eines Apfels verbraucht." Das ist wirklich eine gewaltige Menge Energie. Ein mittelgroßer Apfel hat etwa 80 kcal. Gähn.
jujo 05.06.2018
3. ...
Nicht erhitzt mit Kopfsprung ins kühle Wasser sollte jeder beherzigen. Duschen tue ich nicht extra aber erst Füsse abkühlen, dann Hände und Arme und dann hienein gehen, nicht springen. Diese Regeln einzuhalten fällt den Adrenalin vollgepumpten Jungspunden halt schwer und den angetrunkenen älteren mit ihrem Schmerbäuchen ebenso.
columbo1 05.06.2018
4.
Zitat von NauMaxMeldet Eure Kinder zum Schwimmkurs an - und zwar am besten möglichst früh. In den letzten Jahren war die Zahl der Schwimmer stark rückläufig, gleichzeitig stieg die Anzahl der Badeunfälle stark an, während bei der DLRG so stark Mittel gekürzt wurden, dass einige Strände gar nicht mehr bewacht werden. Optimal wäre auch, die Kinder im Schwimmverein anzumelden, bis sie zumindest das Bronzeabzeichen haben, denn erst dann können sie wirklich sicher schwimmen. Dies reduziert das Risiko eines späteren Badeunfalls bereits immens und erleichtert das Beaufsichtigen im Urlaub und am Baggersee ;-)
An den Zusammenhang glaube ich nicht ohne Beweis. Wenn weniger Leute schwimmen können, gehen auch weniger Leute ins Wasser, und wer nicht ins Wasser geht, ertrinkt nicht. Ich habe bisher noch nirgends Angaben dazu gefunden, wie hoch der Anteil der Nichtschwimmer an den Ertrunkenen ist.
metastabil 05.06.2018
5.
Zitat von jujoNicht erhitzt mit Kopfsprung ins kühle Wasser sollte jeder beherzigen. Duschen tue ich nicht extra aber erst Füsse abkühlen, dann Hände und Arme und dann hienein gehen, nicht springen. Diese Regeln einzuhalten fällt den Adrenalin vollgepumpten Jungspunden halt schwer und den angetrunkenen älteren mit ihrem Schmerbäuchen ebenso.
Igitt. Das Duschen dient nicht der Anpassung des Körpers an die Wassertemperatur, sondern der Entfernung von Schmutz und Krankheitserregern. Wenn sie im Schwimmbad auf das Duschen verzichten, tragen sie diese mit in das Becken. Dort lösen diese sich von ihrem Körper und verteilen sich im Wasser. Die Krankheitserreger treiben im Wasser, und werden durch das dem Wasser zur Desinfektion zugesetztem Chlor abgetötet. Teile des Schmutzes reagieren mit dem dem Wasser zur Desinfektion zugesetzten Chlor zu Desinfektionsnebenprodukten. Die so gebundenen Chloratome stehen nicht mehr zur Desinfektion zur Verfügung, und äußern sich häufig als der typische Schwimmbadgeruch. Dadurch können allerdings die obigen Krankheitserreger länger im Wasser überleben, und mit etwas Pech einen neuen Wirt finden. Die übrigen Teile des Schmutzes reagieren nicht, vermischen sich mit dem Wasser, oder bilden mit diesem eine Emulsion, oder treiben als kleine oder nicht ganz so kleine Schwebstoffe im Wasser herum. Darin schwimmen dann sie und die übrigen Badegäste. Nicht für jeden eine angenehme Vorstellung. Deswegen schreiben viele Schwimmbäder in ihren Hausordnungen vor, dass vor dem Benutzen der Becken eine Körperreinigung durchzuführen ist.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.