Gemindertes Sterberisiko: 15 Minuten Bewegung am Tag verlängern Leben um drei Jahre

Schon eine Viertelstunde körperliche Aktivität pro Tag senkt das Risiko, vorzeitig zu sterben um 14 Prozent - im Durchschnitt leben Menschen dadurch drei Jahre länger. Das zeigen medizinische Daten von 400.000 Taiwanern.

Jogger im Londoner Hyde Park: Tod hinausgezögert Zur Großansicht
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Jogger im Londoner Hyde Park: Tod hinausgezögert

Hamburg - Schon eine Viertelstunde Bewegung am Tag scheint die Gesundheit deutlich zu fördern. Gesundheitsdaten von mehr als 400.000 Taiwanern zeigen, dass die regelmäßige Aktivität das Leben um durchschnittlich drei Jahre verlängert. Das Risiko eines vorzeitigen Todes sinke durch die leichte Aktivität um 14 Prozent, berichten Mediziner um Chi-Pang Wen von Taiwans nationalem Gesundheitsforschungsinstitut im britischen Fachblatt "The Lancet".

In Taiwan könnte so jeder sechste Todesfall hinausgezögert werden, schreiben die Autoren. Die Daten haben die Forscher überrascht: "Eine Sterblichkeitsreduktion ähnlicher Größenordnung erwartet man von erfolgreichen Anti-Tabak-Programmen in der Allgemeinbevölkerung", vergleichen sie.

Die günstigen Gesundheitsfolgen von Sport sind zwar umfänglich bekannt. Ob jedoch auch schon körperliche Aktivität von weniger als den empfohlenen 150 Minuten pro Woche Auswirkungen auf die Lebenserwartung haben, war unklar. Die taiwanischen Forscher werteten die Daten von mehr als 400.000 Bürgern aus, die an einer Standard-Reihenuntersuchung (Screening) teilgenommen hatten. Im Mittel lagen von den Probanden Daten über acht Jahre vor.

Ein Zusammenhang, aber kein Beweis

Schon bei 92 Minuten Bewegung pro Woche, also rund einer Viertelstunde am Tag, registrierten die Wissenschaftler ein 14 Prozent niedrigeres allgemeines Sterberisiko verglichen mit gänzlich inaktiven Menschen - und ein zehn Prozent niedrigeres Krebstodesrisiko. Sie rechneten dies zu einer drei Jahre höheren Lebenserwartung hoch. Jede weitere Viertelstunde Sport am Tag reduzierte das Sterberisiko in der Untersuchung um weitere vier Prozent und das Krebstodesrisiko um ein Prozent. Dies galt für alle Altersgruppen sowie für beide Geschlechter und auch für Menschen mit Herz-Kreislauf-Risiken, wie die Studienautoren betonen.

Die Studie liefert allerings keinen Beweis, dass tatsächlich die sportliche Aktivität für die längere Lebenserwartung der betroffenen Taiwaner verantwortlich ist. Die Daten der Leute zeigen lediglich den Zusammenhang, dass Menschen, die sich mehr bewegen, länger leben. Es könnten aber auch andere Ursachen eine Rolle spielen.

"Der geringe Umfang körperlicher Aktivität könnte eine zentrale Rolle im weltweiten Kampf gegen nichtübertragbare Krankheiten spielen", glauben die Ärzte gleichwohl. Und in einem begleitenden Kommentar in "The Lancet" heißt es: "Das Wissen, dass schon 15 Minuten tägliches Training an den meisten Wochentagen das individuelle Sterberisiko substantiell senken kann, könnte viel mehr Menschen ermuntern, etwas Bewegung in ihren vollgepackten Alltag einzubauen." Regierungen und Gesundheitswesen müssten "diese gute Nachricht verbreiten und die Menschen überzeugen, zumindest minimal körperlich aktiv zu sein".

boj/dpa

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Übergewicht und Fettsucht
Die Fettsuchtepidemie
Die Fettsucht, auch Adipositas genannt, gehört in den Industrienationen zu den führenden Auslösern von Todesfällen und Invalidität. Studien zufolge ist die Krankheit weltweit für jährlich rund 2,6 Millionen Todesfälle und mindestens 2,3 Prozent der Gesundheitskosten verantwortlich.
Folgeerkrankungen
Die Adipositas kann Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Herz- und Kreislauferkrankungen, Schlaganfälle und psychische Beschwerden hervorrufen. Die Weltgesundheitsorganisation und auch die US-Gesundheitsbehörden sprechen inzwischen von einer Fettsuchtepidemie, die ebenso bekämpft werden müsse wie tödliche Infektionskrankheiten.
Body-Mass-Index (BMI)
Ob jemand übergewichtig oder fettsüchtig ist, ermitteln Mediziner anhand des Body-Mass-Index (BMI). Dieser Wert entspricht dem Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern. Ein Beispiel: Ein 1,80 Meter großer Mann wiegt 75 Kilogramm. Sein BMI beträgt 75 : 1,80² = 23,15. Als Idealwert gilt bei Frauen ein BMI von 22, bei Männern ein BMI von 24.
BMI-Tabellen
Der "wünschenswerte" BMI hängt vom Alter ab. Die linke Tabelle zeigt die entsprechenden Werte für verschiedene Altersgruppen. Die rechte Tabelle zeigt die BMI-Klassifikation (nach DGE, Ernährungsbericht 1992):

Alter BMI
19-24 Jahre 19-24
25-34 Jahre 20-25
35-44 Jahre 21-26
45-54 Jahre 22-27
55-64 Jahre 23-28
>64 Jahre 24-29

Klassifikation männl. weibl.
Untergewicht unter 20 unter 19
Normalgewicht 20-25 19-24
Übergewicht 25-30 24-30
Adipositas 30-40 30-40
massive Adipositas über 40 über 40