Gifte in Kosmetika So gefährlich ist die Körperpflege

Lösen Kosmetika Allergien aus? Oder gar Krebs? Die Verunsicherung bei der Auswahl von Pflegeprodukten ist groß. Dabei sind längst nicht alle Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe gefährlich. Doch es gibt Ausnahmen.

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Chemie im Deo: Krebsgesellschaft warnte 2004 zu Unrecht vor Parabenen
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Chemie im Deo: Krebsgesellschaft warnte 2004 zu Unrecht vor Parabenen


Jeden Tag greifen Menschen selbstverständlich zu Cremes, Duschgel, Shampoo und Deo. Die meisten dieser Kosmetikprodukte enthalten neben Konservierungsstoffen auch Duft- und Farbstoffe. Diese stehen im Verdacht, Allergien auszulösen, wie Hormone zu wirken oder gar Krebs zu verursachen. Aber stimmt das? Mit welchen Substanzen sollten Verbraucher vorsichtig sein? Und gibt es Produkte, die bedenkenlos verwendet werden können?

Nachgewiesen ist, dass Duft- und Konservierungsstoffe Allergien auslösen können. Als stärkste Allergene unter den Duftstoffen gelten Eichenmoos (in der Inhaltsstoffeliste als Evernia pruastri extract bezeichnet), Baummoos (Evernia furfuracea extract), Isoeugenol und Zimtaldehyd (Cinnamal). "Die Moose sollen in Zukunft bei der Herstellung von Kosmetika verboten werden", sagt Axel Schnuch, Leiter des Informationsverbunds Dermatologischer Kliniken (IVDK).

Angesichts des breiten Verbrauchs von Kosmetik bezeichnet Schnuch die Gefahr durch Allergene in Kosmetik für die Bevölkerung als relativ gering. "Von nahezu hundert Prozent der Bevölkerung, die Kosmetika aller Art benutzen, erwerben jährlich etwa 0,1 Prozent eine Allergie durch die Inhaltsstoffe", so Schnuch. Das entspricht aber immerhin einem absoluten Wert von etwa 80.000 Menschen pro Jahr in Deutschland.

Konservierungsmittel unter Dauerbeschuss

Die europäische Kosmetikverordnung umfasst mehr als tausend verbotene oder konzentrationsbeschränkte Substanzen sowie Regeln für den Einsatz von Konservierungsstoffen, Farbstoffen und UV-Filtern. Annegret Blume vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält sie für eine der umfassendsten Regulationen für Verbraucherprodukte in Deutschland. "Die Höchstkonzentrationen für Inhaltsstoffe werden mit einem Sicherheitsabstand festgelegt, der sicherstellt, dass auch bei Verwendung mehrerer Kosmetika keine Gesundheitsgefahr besteht", so Blume.

Doch die Verordnung hat Schwächen: Der IVDK hat eine deutliche Zunahme der Allergien gegen das stark allergen wirkende Konservierungsmittel Methylisothiazolinon (MI) beobachtet. "Absurderweise liegt das daran, dass eine andere, vergleichsweise unproblematische Gruppe von Konservierungsstoffen fälschlich in Verruf gebracht worden ist", sagt Schnuch. Er meint die sogenannten Parabene.

Das allergene Potential dieser Konservierungsstoffe ist zwar gering. Doch Parabene werden nicht mehr so häufig eingesetzt, weil britische Wissenschaftler sie 2004 in Brusttumoren nachgewiesen hatten. Die Deutsche Krebsgesellschaft warnte daraufhin vor parabenhaltigen Deos. Das BfR fand jedoch erhebliche Schwächen in der Studie und "sieht einen wissenschaftlichen Nachweis für einen Zusammenhang zwischen parabenhaltigen Deodorants und Brustkrebserkrankungen durch die Untersuchungen nicht als gegeben".

Kritisiert werden Parabene auch, weil Tierversuche gezeigt haben, dass sie im Körper eine ähnliche Wirkung wie Hormone entfalten und somit die Fortpflanzungsfähigkeit einschränken oder bei Mädchen zu einer verfrühten Pubertät führen können. Offenbar gibt es aber Unterschiede innerhalb dieser Gruppe: Die Untergruppen der Methyl- und Ethylparabene sieht das BfR als sicher an. Für Butyl- und Propylparabene schlagen das BfR und das Scientific Committee on Consumer Safety der EU (SCCS) jedoch strengere Grenzwerte vor.

Nanopartikel: die große Unbekannte

Problematisch sind auch Farbstoffe etwa für Lippenstifte oder Tattoo- und Haarfarben. Im Tierversuch erwiesen sich einige aromatische Amine, Bestandteile von Azofarbstoffen, als krebserregend, zahlreiche haben ein hohes allergenes Potential. Ökotest nahm 2012 Haarfarben aus der Drogerie unter die Lupe und bewertete alle aufgrund ihres hohen allergenen Potentials mit ungenügend. Teilweise enthielten die Produkte aber auch bislang nicht zugelassene Farbstoffe mit den komplizierten Namen 5-Amino-6-Chloro-o-Cresol oder 6-Amino-m-Cresol.

Relativ neu auf dem Kosmetikmarkt, aber schon in der Kritik sind Nanopartikel. Eingesetzt werden Substanzen wie Nano-Titandioxid oder Nano-Zinkoxid in Sonnencremes, weil sie wie kleine Spiegel das Licht reflektieren. Nanosilber soll in Kosmetik Keime abwehren. Doch die Moleküle sind mit weniger als 100 Nanometern so winzig, dass befürchtet wird, dass sie gesunde Haut passieren und Entzündungen hervorrufen, Organe schwächen oder Krebs hervorrufen. Darauf weisen Experimente an Tieren hin.

Welche Risiken die Materialien für den Menschen bergen, ist noch unklar. Das SCCS kommt nach Auswertung mehrerer Studien zu dem Ergebnis, dass zumindest Nano-Zinkoxyd die menschliche Haut nicht ohne weiteres durchdringt. Dennoch stellt es ein Risikopotential von Nanomaterialien für den Menschen fest.

"Über die Wirkung vieler Nanomaterialien weiß man noch zu wenig, um dazu eine fundierte Aussage zu treffen", sagt Blume. Erst seit Mitte Januar 2013 müssen Kosmetika, die Nanomaterialien enthalten, der EU-Kommission gemeldet und die entsprechenden Inhaltsstoffe für den Verbraucher erkennbar als Nano auf der Verpackung gekennzeichnet werden.



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insgesamt 70 Beiträge
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Seite 1
pixmax 02.04.2013
1. Aluminium ...
... spielt in diesem Artikel keine Rolle? Das verblüfft!
a.b. surd 02.04.2013
2. Man könnte bedenkenlos ...
mindestens 75% aller Kosmetika aus deutschen Drogeriemärkten entfernen, ohne dass nur einem Bürger ein zusätzlicher Pickel am A... wächst. Gleiches gilt übrigens für Apotheken - man vergleiche nur die Menge der zugelassenen Medikamente mit anderen entwickelten Staaten, in denen die Lebenserwartung nicht geringer ist als bei uns. Was aber müssen wir uns fragen? Selbst schuld, weil die Nachfrage das Angebot bestimmt? Das kann nur jemand denken, dessen Naivität überdurchschnittlich ausgeprägt ist. Wir werden systematisch beeinflusst, manipuliert, mit falschen Informationen gefüttert, denen der Anschein der Wissenschaftlichkeit und Objektivität angehängt wird. Cui bono? Wer auch immer davon profitiert - der Verbraucher ist es nicht!
sangerman 02.04.2013
3. das habe ich schon
seit 20 Jahren gesagt.
analogmensch 02.04.2013
4. Chemfails
Zitat von pixmax... spielt in diesem Artikel keine Rolle? Das verblüfft!
Ich wollt's nicht sagen, Pixmax, ich wollt's nicht sagen... Kürzlich kam zu Aluminium auf Arte eine sehr interessante und erschreckende Doku.
shatreng 02.04.2013
5. Allu unbedenklich?
Zitat von pixmax... spielt in diesem Artikel keine Rolle? Das verblüfft!
Das würde mich auch interessieren. Ich nutze eigentlich überhaupt keine Kosmetikprodukte außer Shampoo, Zahnpasta und Deo. Gerade Deos werben mit immer längeren Wirkzeiten. Kann man diese bedenkenlos benutzen? Wenn ich eines dieser "hält 72 Stunden-Produkte" benutze, merke ich auf jeden Falle einen Unterschied zu "normalen" Deos. Alluminium befindet sich allerdings in fast allen Deos.
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